Georg Grass erhält unerwartet eine hohe Auszeichnung

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 Das Quintett (von links) Maria Hegele, Marcus Elsässer, Stefan Nachbaur, Patrick Brugger und Hermann Locher bei der Kantate „Wi
Das Quintett (von links) Maria Hegele, Marcus Elsässer, Stefan Nachbaur, Patrick Brugger und Hermann Locher bei der Kantate „Wie der Hirsch schreit“. (Foto: Christian Lewang)
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Bestens vorbereitet war der Kirchenchor St. Gallus für den Höhepunkt des Kirchenjahres. Unter der Leitung von Georg Grass, mit der Kammerphilharmonie Bodensee Oberschwaben und starken Solisten, gab es eine beispielhafte Aufführung der Messe in C von Beethoven und dem 42. Psalm von Mendelssohn.

Schon im Eingangschor der Psalmvertonung „Wie der Hirsch schreit“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy überzeugte der expressive, homogene Chorklang. Prägnante Einsätze in den fugierten Abschnitten, die dunkle Färbung des Chors im Mittelteil, verdeutlichten den melancholischen Beginn. Mit klarer Linienführung gab Maria Hegle der Sopran-Arie „Meine Seele dürstet nach Gott“ zusammen mit der Solo-Oboe den geforderten sehnsuchtsvollen Ausdruck. Das mit fein abstimmten Klangfarbenwechseln zweifelnde Rezitativ „Wo ist nun mein Gott“ ging mit dem feinfühligen Frauenchor in die hellere Zuversicht zum Haus Gottes über. Kompakt und knackig präsentierte Grass im homophonen Gesamtklang die Quintessenz des Psalms „Harre auf Gott“. Mit starkem Nachspüren der Verlassenheit von Gott gestaltete Hegele das Rezitativ „Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir“, um im folgenden Quintett mit zwei Tenören und zwei Bässen noch mehr Leidenschaft in ihre Klagerufe zu legen. Wunderschön, welchen Schmelz die Männerstimmen in ihren gegensätzlichen, liedhaften „Mendelssohn- Satz“ legten. Mit festlichem Glanz und vollem Klang, saubersten Akkordblöcken, einer klar strukturierten Chorfuge, bei der die Streicher Schwertsarbeit leisteten, füllte das letzte „Harre auf Gott“ den Kirchraum in St. Gallus voll aus.

Mit einem mächtigen g-Moll Akkord eröffnete Patrick Brugger das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke von Francis Poulenc. Dann begann eine Unterhaltung mit tiefsinniger Einkehr, nostalgischer Melodieverliebtheit, melancholischen Einschüben. Aber auch eruptive Ausbrüche, lärmender Humor, prachtvoll ausgeschmückte Kadenzen von Brugger schallten von der Orgelempore. Gerne hätte man hier schon applaudiert.

Eine in sich geschlossene Gesamtleistung gelang Grass in der Messe in C op. 86 von Ludwig van Beethoven. Mit großem Verständnis für die individuelle Auslegung des Messtextes überzeugte der groß besetzte Chor mit deutlichster Textverständlichkeit, austarierter Dynamik, rhythmischer Präzision und sauberster Intonation. Die Solisten Maria Hegle, Sopran, Martina Gmeinder Alt, Marcus Elsässer, Tenor und Hermann Locher, Bass verschmolzen zu einem ausgeglichenen Quartklang. Chor und Solisten reagierten bewundernswert sicher in den schnell wechselnden Dialogen.

Mit ihren sonoren Streichern, den solistisch geschulten Holz- und Blechbläsern, trug der sinfonische Gesamtklang der Kammerphilharmonie Bodensee Oberschwaben zum überwältigenden Erfolg des Konzerts maßgeblich bei – und es gab schließlich Schlussapplaus im Stehen.

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