Gelungener Festakt eröffnet die „Heimattage Argental“

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 Ob in vorderen oder hinteren Reihen: Das Publikum ist beim Festakt gebannt von dem Gebotenen.
Ob in vorderen oder hinteren Reihen: Das Publikum ist beim Festakt gebannt von dem Gebotenen. (Foto: konrad neumann)
Cosima Kehle

Auf den Tag genau 1250 Jahre nach der erstmaligen Nennung der Orte Apflau, Laimnau und Oberdorf in einer Schenkungsurkunde hat ein Festakt dieses Datum gewürdigt. Weist es die Orte doch als älteste Siedlungen der Gemarkung Langenargen und Tettnang aus.

Fast 400 Besucher sind am Freitag in Laimnaus Argentalhalle gekommen. Darunter die Bürgermeister Achim Krafft aus Langenargen und Bruno Walter aus Tettnang sowie Gemeinde- und Ortschaftsräte samt Ortsvorstehern. Der Festakt eröffnete auch die „Heimtattage Argental“ . Diese wurden in zweijähriger Vorbereitung von einem Jubiläumskomitee auf die Beine gestellt.

Stolz auf das Großprojekt bat Ortsvorsteher Peter Bentele das Komitee auf die Bühne. Er dankte Maria Weber, Birgit Kugel und Tanja Stadler ebenso wie Franz-Josef Dillmann, dem „heimlichen Ortsvorsteher“ und Karl Kraus, der „zweiten Triebfeder in Oberdorf“. Nicht zuletzt erinnerte er daran, dass von Markus Brugger die „Initialzündung“ für die Heimattage ausgegangen sei.

Bürgermeister Bruno Walter hob den Gedanken der Gemeinsamkeit ebenso hervor wie die Schirmherrin der Heimattage, Verena Bentele. In einer freudigen Liebeserklärung an ihre Heimat ermunterte sie, „argenauf“ und „argenab“ solle es gehen, gemeinsam solle man die Heimat genießen. Sie betonte auch die Bedeutung der Geschichte für die Gestaltung der Zukunft und leitete so zum gehaltvollen Festvortrag von Tettnangs Stadtarchivar Dr. Florian Schneider über.

Bevor er sich der Zeit ab 769 widmete, erinnerte er daran, dass man südlich von Schloss Gießen menschliche Relikte aus der Eisenzeit gefunden hat. Auch die Römer hinterließen Spuren östlich von Laimnau im heutigen Korlehen. Bekanntlich folgte der römischen Herrschaft die der Alemannen. Aber auch deren Zeit endete durch die Franken, und Schutz vor fränkischer Enteignung fanden wohlhabende Alemannen nur in Klöstern. Spannend wurde es, als von „Scalcomannus“ die Rede war, der dem Kloster St. Gallen sein Hab und Gut vermachte und „me ipsum“, also sich selbst, gleich dazu. Der Spender hatte keine Familie und verschenkte „laimnauuia“, „apfalaga“ sowie „operindoraf“ quasi als Altersorsorge ans Kloster, wo er forthin selbst als Mönch leben wollte. All dies ist niedergeschrieben in der Schenkungsurkunde vom 15. März 769, erstellt in „laimnauui“, das also, so Schneider, eine gewisse Bedeutung gehabt haben muss.

Die Schenkungsurkunde listet weitere Ortsnamen auf, die man nur noch durch Kartenstudien ermitteln kann. „Oborostin doraphe“ beispielsweise, was einen Ort argenaufwärts meinen könnte. Im Lauf seines Vortrags nannte Schneider auch weitere Namen, die von der Geschichte ausgelöscht wurden, wie Tuttnau oder Keßlerberg.

„Carsharing im 17. Jahrhundert“

In seinen Ausführungen durch die folgenden Jahrhunderte beleuchtete er markante Ereignisse und Menschen. Zuerst musste er ein halbes Jahrtausend überspringen, weil bis auf eine Ausnahme 500 Jahre lang keiner der Orte in den Geschichtsbüchern auftaucht. Ab 1269 ist dokumentiert, wie das Argental immer wieder die Besitzer wechselte. Mit ihnen wechselte auch die Religion, und die Zuhörer erfuhren, dass die Laimnauer Kirche im Hin und Her zwischen Katholizismus und Protestantismus von 1557 ab fast 30 Jahre lang bikonfessionell war. Danach folgte die Re-Katholisierung, verbunden mit dem Vetorecht der Laimnauer bei der Pfarrstellenbesetzung.

Aus der Fülle dessen, was Schneider in seinem Vortrag ans Licht brachte, sei die Randnotiz über die Familie Erath in Apflau erwähnt. Sie war so arm, dass sie mit Familie Käs in Unterwolfertsweiler ein Pferd teilen musste. „Carsharing im 17. Jahrhundert“, kommentierte Florian Schneider. Weitere Ausführungen galten dem Laimnauer Holzrecht, dem Schicksal der Argenbrücken, die in allen Kriegen zerstört wurden, der Gerichtsbarkeit, dem Bauernkrieg, dem Dreißigjährigen Krieg mit seinen Verwüstungen, den Burgen, dem Schloss Gießen, der Gemeindereform und der Alltagsgeschichte.

Das Publikum horchte beim Hinweis auf zwei Männer mit besonderer Karriere auf. So berichtete Dr. Schneider von Franz Innozent Nachbaur, der 1830 in Gießen geboren ist und mit acht Jahren im Laimnauer Kirchenchor auftrat. Berühmt wurde er mit Auftritten in Basel, Paris, Prag Mailand und München. Weniger rühmlich verlief die Karriere des Paters Augustin Fischer, der von Gießen aus um 1867 das mexikanische Kaisertum restaurieren wollte, dafür aber von der Württembergischen Regierung ausgewiesen wurde.

Für seinen Vortrag wurde Florian Schneider mit langem Beifall belohnt. Applaus erntete auch die Kirchenchorgemeinschaft Laimnau-Oberdorf für ihre Argental-Version des Volkslieds „Wo klare Wasser silbern fließen“ . Nicht zuletzt trug der Musikverein Laimnau zum Gelingen des Festaktes bei. Er hatte natürlich das Argentallied im Repertoire, raffiniert im Argental-Marsch eingebunden. Der Musikverein spielte auch zum Stehempfang auf, der von der Narrenzunft Laimnau ausgerichtet wurde. Zahlreiche Gäste blieben noch lange in der Argentalhalle und tauschten sich angeregt über Geschichte wie Gegenwart aus.

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