Gefangen vom Zauber der Drehorgelmusik

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Rafael Engeser erklärt Funktion und Spiel einer Drehorgel. Das gläserne Gehäuse erlaubt den Gästen und Mitgliedern des Förderkre
Rafael Engeser erklärt Funktion und Spiel einer Drehorgel. Das gläserne Gehäuse erlaubt den Gästen und Mitgliedern des Förderkreises einen Blick ins Innenleben dieser Drehorgel. (Foto: Konrad neumann)
Konrad Neumann

Der Förderkreis Heimatkunde hat den Drehorgelbau Raffin in Überlingen besucht. 17 Mitglieder und Gäste haben sich von Tettnang aus aufgemacht, um durchs sommerliche Deggenhauser Tal nach Überlingen zu reisen. Dort erfuhren die Teilnehmer, wie eine Drehorgel funktioniert und konnten auch noch ein Drehorgel-Konzert genießen.

Für einige der Mitfahrenden war es nach 2010 die zweite Tour zu dem Überlinger Orgelbauer. Höhepunkt des Besuchs war auch diesmal ein Tandemspiel mit zwei Drehorgeln. Vorgeführt wurde es vom Ehepaar Engeser. Die Tochter des Firmengründers Josef Eduard Raffin, Friedlinde Engeser, und ihr Mann bedienten zwei Konzertorgeln synchron. Das Ehepaar Engeser sagte danach scherzhaft, das Zusammenspiel könne man nur als eingespieltes Ehepaar gut vorführen. Der Applaus drückte die große Begeisterung der Besucher aus und bestätigte dem Paar das gelungene Tandemspiel.

Zuvor empfing Friedlinde E. die Gäste mit einem erfrischenden Musikstück zur Einstimmung auf den Nachmittag. Das gläserne Gehäuse der dafür benutzten Drehorgel erlaubte einen Blick in ihr Innenleben.

Engeser führte die Besucher mit einer Präsentation und mit einem kurzen Film in die Thematik und in das Mysterium „Drehorgel“ ein. Keine der Fragen aus dem Besucherkreis blieb unbeantwortet. Man spürte, auch der Geschäftsführer des Unternehmens ist mit dem Virus „Drehorgel“ infiziert. Seiner Frau Friedlinde wurde die Liebe zur Drehorgelmusik schon in die Wiege gelegt. Ihre Aufgabe im Unternehmen ist es, das Reich der Musikrollen mit immer neuen Arangements zu erweitern. Selbst um einfache Lieder zu orchestrieren, bedarf es eines breiten Musikwissens, auch, um die Stücke an die durchaus sehr engen Möglichkeiten der Drehorgeln anzupassen.

Neben einer weltweit einmaligen Maschine, welche die elektronisch gespeicherten, von Friedlinde Engeser bearbeiteten Musikstücke, in Mutterbänder locht, führte ihr Mann eine Vorrichtung vor, mit der die Mutterbänder dupliziert werden. Ein Detail am Rande: Für ein Musikstück werden in das hauchdünne Kunststoffband, je nach Ausführung der Drehorgel, etwa 45 000 Löcher gestanzt. Auf einem Band können etwa fünf Musikstücke mit einer Spieldauer von rund zehn Minuten gespeichert werden.

Alle Teilnehmer erhielten die Möglichkeit einmal selbst an einer Drehorgel die Kurbel zu bewegen. Dabei kam jeweils eine sehr individuelle und überraschend klingende Interpretation der Geschwindigkeit des Musikstückes heraus.

Mit detailreichen Informationen zum Bau einer Drehorgel, deren Baugruppen, dem Zusammenbau, der Intonation und der Vorführung einer recht großen und lauten Kirmesorgel ging der Rundgang durch die Werkstätten zu Ende.

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