Fräsend geht’s Fenstern an den Rahmen

Lesedauer: 6 Min
„BEPo FFS 150“ heißt die Erfindung, mit der Eberhard Berhalter jenen Handwerkern und Betrieben einen großen Dienst erwiesen hat,
(Foto: Angelika Banzhaf)
Angelika Banzhaf

In der Serie „Erfindungen in und aus Tettnang“ zieht es die SZ heute nach Rattenweiler 12, ins Hinterland der Montfortstadt, zu Eberhard Berhalter. Er hat die Branche der Fensterbauer revolutioniert und jenen Handwerkern und Betrieben, die mit Fenster- und Gebäudesanierungen zu tun haben, einen großen Dienst erwiesen.

Wie dies möglich ist? Die Antwort heißt „BEPo FFS 150“ und ist auf den Ideenreichtum des pfiffigen Tettnangers zurückzuführen. Denn vor 15 Jahren hat Berhalter seine erste Fräsmaschine erfunden, mit der es möglich ist, alte Fenster millimetergenau aus der Leibung zu schneiden.

Vor dieser Erfindung war reichlich Muskelkraft gefragt, mussten Fensterbauer zu Hammer und Meißel greifen, um diese Arbeit zeitaufwendig zu erledigen, erzählt der Geschäftsmann. Dass hierbei reichlich Staub und Schmutz anfielen, war ein weiteres Übel. Berhalter löste mit einer integrierten Absauganlage jedoch auch dieses Problem.

Heute gehen die Erfindungen des 49-Jährigen in die ganze Welt. Der Erfolg ließ jedoch zunächst auf sich warten. „Anfangs wurde mein System, das ich 1999 fertiggestellt und 2000 zum Patent angemeldet habe, nur belächelt“, blickt der Unternehmer zurück. „Die Fachleute konnten sich nicht vorstellen, dass meine Maschine für sie Vorteile bringt.“ Da Eberhard Berhalter jedoch Fachmann genug ist, er aus der Fensterbaubranche kommt und bereits Hunderte von Fenstern selbst eingebaut hatte, wusste er, dass es dringend Verbesserungsbedarf gab. Deshalb verfolgte er sein Ziel mit großer Hartnäckigkeit.

Von seiner Idee, die Abläufe zu optimieren, bis zu jenem Tag, als er zum ersten Mal einen Prototyp seiner Erfindung in den Händen hielt, verging jedoch einige Zeit. „Die Schwierigkeit bestand zum einen darin, die Stahlhalterung, die ein eingebautes Fenster mit dem Mauerwerk verbindet, zu durchtrennen. Zum anderen musste das Fenster mit einem Fugenabstand von nur wenigen Millimetern aus dem Mauerwerk heraus gefräst werden, damit das neue Fenster passgenau eingesetzt werden konnte“, stellt Eberhard Berhalter die Probleme aus heutiger Sicht dar.

Glücklich, endlich diese Probleme gelöst zu haben, führte der Tettnanger im Jahr 2000 die Maschine auf der Handwerksmesse in Nürnberg vor. „Die Resonanz fiel jedoch bescheiden aus“, weiß Bereuter heute noch allzu gut. Er ließ sich von dieser kleinen Niederlage nicht entmutigen. „Da ich mit anderen Handwerkern und Firmeninhabern gemeinsam zur Messe gefahren bin, habe ich auf der Rückfahrt im Bus einfach die Gelegenheit genutzt und meine Maschine vorgestellt“, berichtet Berhalter mit verschmitztem Lächeln. Sein Auftritt wurde belohnt – zwei Handwerker bestellten die neue Maschine noch während der Fahrt. „Das war der Beginn meiner Elektrowerkzeugfirma“, freut sich der Tettnanger, dessen Hartnäckigkeit belohnt wurde.

Längst werden die FFS 150, weitere Nachfolgemodelle und Neuheiten in die ganze Welt exportiert. Zu ihnen gehört auch die UFS 115. Mit ihr können Türblätter mit einem millimetergenauen Abstand zum Fußboden gekürzt werden, ohne dass das Türblatt aus den Angeln gehoben werden muss. „Da nicht jeder Fußboden topfeben ist, habe ich immer einen passgenauen Abstand“, erklärt Berhalter den Nutzen dieser Maschine. Mit Argusaugen betrachtet der Tettnanger seit jeher seine Umwelt und hält fest, wo handwerkliche Abläufe verbessert werden könnten.

„Wow, was für ein Gerät!“

„Wenn ich an etwas arbeite, sehe ich Handlungsbedarf“, umschreibt Eberhard Berhalter kurz und bündig seine Gründe, Neues auf den Markt zu bringen. Sein Ideenreichtum macht übrigens auch vor seinem Hobby, dem Motorradfahren, nicht halt. Um etwas „Schönes für die Landstraße“ zu haben, hat Berhalter wieder einmal, so wie es seine Art ist, getüftelt, überlegt und mit der „Voluno MT-OI“ eine eigene Maschine konstruiert. Sogar die Fachwelt ist auf das Werk aufmerksam geworden und hat es unter www.ps-online.de 7/2014 wie folgt beschrieben: „Die Maschine ist eine der charakterstärksten Bikes, die der Autor je gefahren hat. Wow, was für ein Gerät!“

Dass solch großes Lob aus berufenem Munde Berhalter stolz macht, ist nicht zu übersehen. Gleichzeitig winkt der Unternehmer bescheiden ab: „Das hat mir doch Spaß gemacht.“ Spaß machen ihm seine Erfindungen allemal, egal in welcher Sparte. Gespannt darf man deshalb sein, mit welcher Idee Eberhard Berhalter als Nächstes die Branche revolutioniert.

Mehr über den Erfinder unter

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen