Feuerwehr Tettnang braucht Platz im Spind und der Garage

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Manfred Schmid, Vize-Abteilungskommandant der Feuerwehrabteilung Tettnang, steht an den Spinden im Feuerwehrhaus Tettnang. Manch
Manfred Schmid, Vize-Abteilungskommandant der Feuerwehrabteilung Tettnang, steht an den Spinden im Feuerwehrhaus Tettnang. Manche davon sind doppelt belegt oder stehen in der Fahrzeughalle, weil der Platz im Feuerwehrhaus nicht ausreicht. (Foto: Thilo Bergmann)

Tettnang selbst unterliegt laut der Experten der Gefahrenklasse B3. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Kernstadt sehr eng bebaut ist. Die restliche Gemeindefläche ist von einer überwiegend offenen Bauweise geprägt. In der Stadt finden sich außerdem etliche Einrichtungen, die eine besondere Beachtung brauchen, wie Krankenhäuser oder auch einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. 78 Gebäude im Stadtgebiet haben eine Brandmeldeanlage.

Vier Jahre lang hat ein Fachbüro den Feuerwehrbedarf für Tettnang und seine Teilgemeinden berechnet. Jetzt sind die Ergebnisse im Verwaltungsausschuss vorgestellt worden. Der Gemeinderat behandelt die Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans nun bei seiner nächsten Sitzung.

Größtes Sorgenkind ist das Feuerwehrhaus in Tettnang. Es ist schlicht zu klein. „Hier besteht akuter Handlungsbedarf“, sagte Robert Kroha vom Büro Luelf & Rinke Sicherheitsberatung aus Viersen. Langfrsitig soll außerdem mehr Personal aus den Mitarbeitern der Stadtverwaltung in die Feuerwehr eintreten. 95 mal wurde die Abteilung Tettnang im untersuchten Jahr 2014 alarmiert. Der Profi sprach bei diesen Zahlen von einer hohen Einsatzbelastung. „Hier wird eine unglaubliche Leistung erbracht, meist von Ehrenamtlichen“, sagte Kroha.

Die Einsatzzeiten und -stärken in Tannau und Langnau sollen zukünftig genau beobachtet werden, heißt es in dem Bericht. Für Kritik sorgte die Analyse, dass in Kau angeblich tagsüber keine eigenen Kräfte im Ort zur Verfügung stünden. Ortsvorsteher Joachim Wohnhas bezweifelte diese Aussage. Das Fachbüro und die Stadtverwaltung wollen nun prüfen wie es zu dieser Angabe gekommen ist.

Der Platz auf dem Feuerwehrgelände ist begrenzt.
Der Platz auf dem Feuerwehrgelände ist begrenzt. (Foto: PHILIP EGGER)

Die Gebäude

1977 ist das Feuerwehrhaus in Tettnang gebaut und 2006 saniert worden. Dennoch gibt es großen Handlungsbedarf, so das Planungsbüro. Aktuelle Probleme hier seien, dass es 25 bis 30 Spinde zu wenig gibt, die Jugendfeuerwehr keinen eigenen Raum hat, was die Nachwuchsförderung erschwert und es keinen eigenen Raum für den Führungsstab gibt. Außerdem muss wegen fehlender Lagerflächen das Feuerwehrmaterial an verschiedenen Stellen im Ort gelagert werden. Langfristig fehlt es an zusätzlichen Stellplätzen in Tettnang. Ein An- oder Umbau könnte hier die Lösung bringen. Am Feuerwehrhaus Tannau gibt es nur unbefestigte Parkplätze für die alarmierten Feuerwehrleute und außerdem muss Oberflächenwasser bei Starkregen besser abgeleitet werden. Auch in Langnau gibt es zu wenig Spinde. Außerdem sieht die Planung vor, dass ein gesamtstädtisches Konzept erarbeitet wird, um bei Stromausfällen die Notstromversorgung in den Häusern aufrecht zu erhalten.

Die älteren Tettnanger kennen noch den VW Käfer-Leiterwagen Marke Eigenbau, hier mit Feuerwehrnachwuchs an Bord.
Die älteren Tettnanger kennen noch den VW Käfer-Leiterwagen Marke Eigenbau, hier mit Feuerwehrnachwuchs an Bord. (Foto: Feuerwehr Tettnang)

Die Fahrzeuge

Alle zwei Jahre muss die Stadt Tettnang im Schnitt ein neues Feuerwehrauto anschaffen, sagen die Experten des Planungsbüros. 3,67 Millionen Euro würden diese Vorhaben in den kommenden Jahren mindestens kosten, 1,25 Millionen Euro würden allerdings als Zuschüsse winken. Würden deshalb, weil der Gemeinderat über die tatsächlichen Beschaffungen entscheidet. Doch die Zeit drängt, denn manche der Fahrzeuge sind über 30 Jahre alt. Aktuell in der Beschaffung befindet sich ein neues Fahrzeug für die Abteilung Tannau. 2019 sollte laut den Planern ein neues Löschgruppenafahrzeug für Langnau kommen. Deren bisheriges Fahrzeug käme nach Tettnang. Dort würde außerdem ein Mannschaftstransportwagen angeschafft werden. Auch in den Jahren danach plant das Büro in der Gesamtwehr etliche Veränderungen. Ersetzt werden zum Beispiel auch das Drehleiterfahrzeug, der Kommandowagen, ein Einsatzleitwagen, ein Gerätewagen und drei Mannschaftstransportwagen.

Knapp 60 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Tettnang haben sich an der Jahreshauptübung beteiligt. Olaf E. Jahnke hat das
Tettnanger Feuerwehr probt für den Ernstfall (Foto: Olaf E. Jahnke)

Das Personal

Die 170 Personen Mannschaftsstärke im Bericht beziehen sich auf das Jahr 2015. 2018 sind mit 201 Feuerwehrleuten deutlich mehr aktiv. 81 in Tettnang, 26 in Kau, 39 in Tannau und 55 in Langnau. Die Planer empfehlen die Erstellung eines Konzepts, um den Personalbedarf langfristig zu decken, auch weil es ständig Bedarf an Atemschutzträgern gebe. Die Jugendfeuerwehr sei eine wichtige Säule des Nachwuchses. Um die sogenannte Tagesverfügbarkeit der Wehrleute zu erhöhen, sollen gezielt Mitglieder geworben werden, die tagsüber verfügbar sind. Auch dass Feuerwehrleute in dem jeweiligen Ort mitalarmiert werden, in dem sie arbeiten, sei eine Überlegung wert. Das betreffe auch Feuerwehrleute von außerhalb, was teilweise schon so gehandhabt werde. Außerdem sollen in den Reihen der städtischen Angestellten mehr Feuerwehrleute gefunden werden. Bei Einstellungen der Stadt könnte die Feuerwehrzugehörigkeit zukünftig berücksichtig werden, schlagen die Planer vor.

Die Standorte

„Eine Standortschließung kann man nicht empfehlen“, sagte Feuerwehrplaner Kroha in der Verwaltungsauschusssitzung. Mit ihren Analysen haben die Experten dargestellt, wie lange die Feuerwehrleute brauchen, um an den Einsatzorten einzutreffen. Die Kernstadt profitiert dabei von der zentralen Lage des Feuerwehrhauses. Nach drei Minuten Fahrtzeit können die meisten Straßenzüge erreicht werden. Nach fünf Minuten Fahrtzeit werden von den jeweiligen Wehren fast alle Orte im Gemeindegebiet erreicht. Lediglich zu den Örtlichkeiten Iglerberg, Reichen und Wiesach brauchen die Retter etwas länger. Nach zehn Minuten kann die Abteilung Tettnang in fast allen Bereichen unterstützend zu Hilfe kommen. Bei der Abteilung Tannau befürchten die Planer längere Ausrückzeiten, weil die Wohnorte der Feuerwehrleute weiter entfernt liegen. Bei größeren Schadenslagen empfehlen die Experten Nachbarfeuerwehren aus Lindau oder Meckenbeuren mizualarmieren.

Tettnang selbst unterliegt laut der Experten der Gefahrenklasse B3. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Kernstadt sehr eng bebaut ist. Die restliche Gemeindefläche ist von einer überwiegend offenen Bauweise geprägt. In der Stadt finden sich außerdem etliche Einrichtungen, die eine besondere Beachtung brauchen, wie Krankenhäuser oder auch einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. 78 Gebäude im Stadtgebiet haben eine Brandmeldeanlage.

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