Festliches Konzertereignis in St. Gallus beeindruckt

Lesedauer: 5 Min

Ein Gesamtkunstwerk ist die Aufführung von Kammerchor Tettnang, KBO und Solisten unter Joachim Trost am Sonntagabend in der St.
Ein Gesamtkunstwerk ist die Aufführung von Kammerchor Tettnang, KBO und Solisten unter Joachim Trost am Sonntagabend in der St. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Nach Rossinis von mediterranem Licht erfüllter „Petite Messe Solennelle“, die der Kammerchor Tettnang im vergangenen Jahr zu seinem 25-jährigen Jubiläum aufführte, haben Joachim Trost und sein Chor am Sonntagabend die Zuhörer in der voll besetzten St. Gallus-Kirche mit Mozarts Großer Messe c-Moll KV 427 für Soli, Chor und Orchester beschenkt. Mit eingebunden in das Gesamtkunstwerk waren die Kammerphilharmonie Bodensee Oberschwaben, die Sopranistinnen Danae Kontora und Sabine Winter, Tenor Christian Georg und Bariton Raimonds Spogis.

Besondere Reife und Ausdruckstiefe prägen das unvollendet gebliebene Werk, das einem Gelübde zu verdanken ist, das Mozart tat, als er gegen den Willen des Vaters seine Constanze heiraten wollte. Für die geliebte Frau hat er hier den Sopran bevorzugt, sie hat die Sopranarien auch als Erste gesungen. So war an diesem Abend einerseits der gepflegte Klang des Kammerchors zu genießen, den Trost zu strahlendem Jubelgesang steigerte oder auch in ganz verinnerlichtes Piano führte. Ganz besonders akzentuierte er die Kontrastwirkung im „Qui tollis“ des Gloria, wo der kunstvoll verflochtene achtstimmige Doppelchor bald dramatisch anschwoll, bald demütig in ein kaum mehr hörbares „miserere“ entschwand. Während das dramatische „Gratias agimus“ eher an die ausgemalten Schrecken eines Requiems erinnerte als an frohe Dankbarkeit, wurde der vierstimmige Chor im „Jesu Christe“ am Ende des Gloria strahlend vorangetrieben.

Neben den breit angelegten, festlichen Chorsätzen sind da die intimen Solopartien zweier Soprane, die einzeln oder im Duett singen, während Tenor und Bass nur eine periphere Rolle spielen. Leichtfüßig hebt das Credo mit dynamischem Orchester und fünfstimmigem Chor an, während das „et incarnatus est“, mit dem Mozarts Credo abbricht, eine besondere Kostbarkeit ist. Hier bauen die Holzbläser eine innige pastorale Idylle auf, während der Gesang allein der Sopranistin gehört, die in Zwiesprache mit Oboen, Flöten und Fagott das Weihnachtsgeheimnis betrachtet. Auch wenn Joachim Trost vor dem Konzert eine kaum überstandene Erkältung der grazilen griechischen Sopranistin Danae Kontora angekündigt hatte, war ihr inniges Schwelgen in den Mozartschen Koloraturen reiner Hörgenuss. Sehr schön passte dazu die Mezzosopranistin Sabine Winter, deren warme Stimme schon in der Soloarie „Laudamus te“ mit geschmeidigen Koloraturen beeindruckt hatte.

Bezaubernd war das Duettieren der beiden Sopranistinnen, deren verschiedene Schattierungen so schön harmonierten, im „Domine deus“. Kam bis dahin in den Soli nur das weibliche Element zum Tragen, kam im Terzett „Quoniam“ als Gegengewicht Christian Georgs dunkel gefärbter lyrischer Tenor hinzu. Schade, dass Mozart dem Bassisten nur einen kleinen Part im „Benedictus“ gelassen hat, denn auch Raimonds Spogis hätte man gerne auch allein gehört. Danae Kontora dagegen durften die Zuhörer schon in der vorangestellten Motette „Exsultate, jubilate“ bewundern, deren perlende Koloraturen aus einer heiteren Mozart-Oper stammen könnten. Heiter und unbeschwert war hier die Orchesterbegleitung. Stilsicher und klangschön führte das KBO auch durch die c-Moll-Messe. Ein beeindruckendes festliches Hörerlebnis.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen