Fast „wie bei einer echten Wahl“ – Aber eben nur fast

Lesedauer: 4 Min
Realschullehrer Werner Hilgart erklärt Anna Bentele und Anna-Maria Maucher (von links), worauf es bei der Juniorwahl ankommt. (Foto: Kai Lohwasser)
Schwäbische Zeitung
Kai Lohwasser

Von wegen Politikverdrossenheit: Jugendliche auf Demokratie vorbereiten, ihnen dabei helfen, Politik in Grundzügen zu verstehen, begreifen, welche Partei für was steht – einem, dem das am Herzen liegt, ist Werner Hilgart. Um angehenden Erwachsenen das notwendige politische Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, damit sie einerseits später ihr Mitbestimmungsrecht bei Wahlen nutzen und andererseits auch so informiert sind über die Ziele der Parteien, dass jeder für sich die Kreuzchen an der richtigen Stelle setzen kann, hat sich der Politiklehrer an der Tettnanger Realschule gemeinsam mit seiner Kollegin Ulrike Hofmann dafür eingesetzt, bei einem bundesweiten Projekt teilzunehmen. Wer darf wählen? Wer steht zur Wahl? Welche Konsequenzen ergeben sich durch den Wahlerfolg dieser oder jener Partei? Was tun welche Parteien für Familie, für Bildung, für die Arbeitgeber und -nehmer? Und ganz allgemein: Welche politischen Gremien gibt es? Wie setzt sich der Bundestag zusammen? Und was macht der Bundesrat? Fragen wie diese sollen im Umfeld der Teilnahme am Projekt „Juniorwahl“ beantwortet werden.

Im Mittelpunkt der Aktion steht aber eine Wahlsimulation. „Denn die Schüler dürfen nächsten Freitag mit ihrer Wahlbenachrichtigung und dem Personal- oder Schülerausweis wie bei einer echten Wahl ins Wahllokal gehen.“ Alle fünf zehnten Klassen der Realschule – insgesamt 150 Schüler – machen mit. Wie die Erwachsenen können sich auch die Zehntklässler zwischen den Kandidaten entscheiden, die zur Bundestagswahl für den Bodenseekreis antreten. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Wahl der Jugendlichen natürlich nichts mit dem Ausgang der Bundestagswahl gemein hat, außer vielleicht einem ähnlichen Ergebnis.

Hilgart ist überzeugt: „Die Schüler nehmen das gut an.“ Deshalb wird das Thema fächerübergreifend behandelt. Zum Beispiel im Kunstunterricht, in dem sich die Jugendlichen mit der Wirkung von Wahlplakaten befasst haben. „Relativ schnell haben die Schüler danach angefangen, politisch zu denken und Aussagen zu hinterfragen“, nennt Hilgart erste Auswirkungen des Projekts.

In der Realschule deutet so auch vieles auf die intensive Auseinandersetzung mit den anstehenden politischen Geschehnissen hin: So zum Beispiel Stellwände mit Zeitungsartikeln zur Wahl und Vitrinen mit Wahlpräsenten. Bundesweit haben sich über 2250 Schulen für die Teilnahme an der Juniorwahl angemeldet. Übrigens: Verantwortlich für die Juniorwahl ist der Verein Kumulus, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesfamilien- und Kultusministerium.

Weitere Informationen gibt es auf juniorwahl.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen