Fachsimpeln unter E-Mobilität-Anhängern

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So ein Gastgeschenk gibt’s nicht überall: Alois Holitsch (rechts) übergibt Minister Franz Untersteller (links) ein in eine Holzp
So ein Gastgeschenk gibt’s nicht überall: Alois Holitsch (rechts) übergibt Minister Franz Untersteller (links) ein in eine Holzplatte gefrästes Porträt. Manne Lucha (Mitte) darf sich über daselbe Geschenk freuen – freilich mit dem eigenen Konter (Foto: Jens Lindenmüller)

Auf seiner Wahlkampftour durch Oberschwaben hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90 / Die Grünen) am Mittwochnachmittag einen Abstecher nach Hiltensweiler unternommen, um die Schreinerei Holitsch zu besuchen. Inhaber Alois Holitsch und Geschäftsführer Alexander Lanz führten ihn und Manne Lucha, den Landtagskandidaten der Grünen für den Wahlkreis Ravensburg-Tettnang durch Werkstatt und Lager – und zeigten ihnen natürlich auch die firmeneigene Elektroautoflotte samt E-Tankstelle.

Nicht zuletzt Holitschs Engagement in Sachen E-Mobilität hatte Manne Lucha dazu bewogen, gerade dieses mittelständische Unternehmen im Tettnanger Hinterland für den Ministerbesuch auszusuchen. Aber nicht nur. Schließlich ist die Schreinerei auch ansonsten ein Paradebeispiel für einen ökologisch-nachhaltig agierenden Wirtschaftsbetrieb. Ein Unternehmen, das mithilfe von Solarstrom zum Beispiel Holztüren für Passivhäuser herstellt – und diese dem eben auch mal mit E-Auto zum Kunden fährt.

Dass Holitsch als mittelständisches Unternehmen unter anderem mit Türen, Möbeln und Fenstern auf einem Markt bestehen kann, der von großen Industriebetrieben dominiert wird, erklärte Alois Holitsch den politischen Besuchern mit der Spezialisierung auf Sonderprodukte, die hier im Gegesatz zur Industrie auch schon ab der Stückzahl eins produziert werden. „Klasse statt Masse“, lautet, so Holitsch, die Strategie. „Unser tägliches Brot ist es, immer wieder etwas Neues zu finden.“ Neues wie zum Beispiel Fotos, die in Holzplatten gefräst werden. Je ein auf diese Art hergestelltes Porträt von sich selbst durften sowohl Franz Untersteller als auch Manne Lucha als Gastgeschenk mitnehmen.

Holitsch plant Seifenkistenrennen

Richtig ins Fachsimpeln gerieten der Minister sowie Alois Holitsch und Alexander Lanz beim Thema E-Mobilität. So berichtete Untersteller davon, dass er und seine Frau sich ein E-Auto angeschafft hätten. „Wer einmal damit fährt, hat sofort einen Narren daran gefressen. Ich fahre wahnsinnig gern damit, es macht einfach Spaß“, so Untersteller. Kritikpunkte wie mangelnde Reichweite und hohe Anschaffungspreise ließ er nicht gelten. Sein E-Auto mit vier Türen und fünf Sitzen habe weniger als 20 000 Euro gekostet. Und: „Der Normalbürger fährt am Tag durchschnittlich nur 34 Kilometer“, stellte der Minister fest. Auch Alois Holitsch gab zu verstehen, dass 90 Prozent seiner Firmenfahrten kürzer als 30 Kilometer seien. Kritik übte Franz Untersteller an den Diskussionen über mögliche staatliche Zuschüsse für die Anschaffung von E-Autos, die in der Bundespolitik geführt werde. Sinnvoller sei es, das Geld in die Forschung und den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur zu investieren.

Ganz nebenbei erfuhren die Gäste beim Rundgang durch den Betrieb übrigens, dass Holitsch demnächst auch selbst in den Fahrzeugbau einsteigen will. Genauer gesagt, in den Bau von ganz klassischen Seifenkisten. Die Firma plant nämlich, ein Rennen zu organisieren und im Vorfeld Familien oder auch ganze Schulklassen zum Bau der Flitzer einzuladen, mit vorgefertigten Teilen. Ganz genau stehen Konzept und dessen zeitliche Umsetzung allerdings noch nicht fest.

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