Erst trüb, dann glasklar

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Wasserproben von trüb bis glasklar gibt es bei der Führung für die Teilnehmer zu sehen.
Wasserproben von trüb bis glasklar gibt es bei der Führung für die Teilnehmer zu sehen. (Foto: Hans Schöpf)
slk

Nostocoida limicola oder Chloroflexi - das sind nur zwei der fleißigen Mikroorganismen, die in der Kläranlage Eriskirch unser Wasser säubern. „Nicht jede Kläranlage arbeitet mit den gleichen Bakterien“, erklärt Tobias Schmitt, stellvertretender Betriebsleiter der Kläranlage Eriskirch. „Je nachdem, welches Abwasser zu uns kommt, müssen wir andere Stämme pflegen und einsetzen.“

Seine Informationen über die biologische Reinigungsstufe waren ein interessanter Teil beim Thema Abwasser. Die zweistündige Führung hatte der Ortsverband der Tettnanger Grünen als Sommerprogramm organisiert.

Industrieabwässer vom Milchwerk Siggenweiler oder von Brauereien plus normales Abwasser erfordern ein sehr durchdachtes Zusammenwirken von Mensch, Maschinen und Mikroorganismen, um aus der trüben Suppe wieder glaskares Wasser zu machen, schreiben die Grünen in ihrer Pressemitteilung über den Besuch. Die Kläranlage reinige nicht nur die Abwässer aus Tettnang, sondern auch den Gemeinden Meckenbeuren und Eriskirch. Zudem werden Klärschlämme aus Kleinkläranlagen und aus geschlossenen Gruben (Fäkalien) sowie das Filtrat der Kläranlage Apflau angenommen. Seit 1976 ist sie in Betrieb, vorher floss Abwasser ungeklärt auf Felder, in die Schussen und den Bodensee.

Besichtigt wurde in Eriskirch auch die frisch eingebaute, aber noch nicht in Betrieb genommene, neueste Reinigungsstufe mit Ozon. Sie dient zur Entfernung von Spurenstoffen wie zum Beispiel Medikamenten, Röntgenkontrastmitteln und anderen Stoffen. Der Mensch scheidet nach Einnahme von Antibabypille oder Schmerzmitteln bis zu 95 Prozent wieder aus. Um diese Belastungen zu minimieren, werde Ozon, das nicht an die Luft gelangen dürfe, mit Sicherheitsvorkehrungen benutzt, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Nach der Behandlung seien zirka 85 Prozent der messbaren Stoffe entfernt.

„Der Abwasserverband Unteres Schussental hat sich für Ozon entschieden, weil dies auch entkeimt und so bei den Strandbädern eine bessere Badewasserqualität erreicht werden kann“, sagte Schmitt. Auch die Behandlung mit Aktivkohle, wie es andere Kläranlagen vornehmen, sei ein probates Mittel.

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