Erika Walter macht Mut zur Mundart

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Der Liebe zur Mundart gibt Erika Walter seit 2001 bei ihren Auftritten Ausdruck. Jetzt lässt sich diese auch nachlesen... (Foto: Roland Weiß)
Schwäbische Zeitung

Wer frühe Texte von Erika Walter liest, der hält schon mal Kurzgeschichten oder Geschichtliches zu den Hütekindern oder Störleuten in Händen. Vor allem: Er liest dies in hochdeutsch. Mit ihrem ersten Buch hingegen bricht die gebürtige Ravensburgerin, die Tettnang zur „Ersatzheimat“ erkoren hat, eine Lanze fürs Schwäbische im Besonderen – und für die Mundart generell.

„In Schlabba dabba“ lautet der Buchtitel, mit der Genrebezeichnung „Oberschwäbische Verse“. Seit elf Jahren hat sich Erika Walter in ihren Auftritten und Beiträgen dem schwäbischen Dialekt verschrieben – und weiß noch genau um den Auslöser. Frust sei es gewesen, Frust darüber, dass ihre Enkel keine Mundart mehr sprechen (wie dies leider bei so vielen Kindern heutzutage sei).

Wobei dies für Erika Walter nicht nur Gefühlssache ist, sei doch erwiesen: „Wenn Kinder zweisprachig – also mit Dialekt – aufwachsen, dann entwickelt sich ihr Gehirn besser.“ Eine Stoßrichtung, die Bernhard Bitterwolf im Vorwort zu „In Schlabba dabba“ ausbaut: „Schwäbisch ist Verständigungsmittel der ersten Wahl, wenn es gilt, Wärme, Nähe, Harmonie und das Miteinander zu transportieren.“ Was aus seiner Sicht aktueller ist denn je: „In einer zunehmend globalisierten Welt erwacht die Sehnsucht nach Bodenständigem.“

Was Erika Walter auch aus ihrer Vita heraus zu bieten hat: In Ravensburg geboren und aufgewachsen folgte auf Schneiderlehre und Modeschule die Meisterprüfung. Bis zu ihrer Heirat arbeitete sie als Direktrice in der Modebranche.

In Tettnang fühlt sie sich seit mehr als vier Jahrzehnten wohl, hierher ist sie mit der Familie gezogen. Aquarellmalerei und Patchwork sind Hobbys früherer Jahre, heute abgelöst von Gedichten und Wortspielereien, die schmunzeln lassen – nicht zu vergessen der große Garten.

Dem Leben in all seinen Facetten – ihm nimmt sich Erika Walter in ihren Beiträgen an. Der Blick auf die „zumeist banalen Sachen“ bleibt dabei humorig wie menschenfreundlich. Dass ihre Themen „fast nie aus der Luft gegriffen sind“, so die Autorin, bekommt vor allem ihr Mann zu spüren. „Muss das sein?“ sei da schon mal seine Frage, wenn sie die eine oder andere häusliche Begebenheit notiert, freilich weiß Erika Walter: „Wenn ich es dann vorlese, lacht er am meisten.“

So auch bei dem Buchtitel-gebenden Gedicht, das da einsetzt mit: „Du sottsch in deine alte Schlabba it auf mein neie Debbich dabba.“ Wer wissen will, wie der Disput weiter geht, kann dies sicherlich auch bei Erika Walters nächsten Auftritten heraushören – so am 27. Oktober bei der „Spätlese“ im Laimnauer „Ritter“ oder am 31. Oktober in der Stadtbücherei Wangen (je 19 Uhr).

Musikalisch unterstützt wird sie am 27. vom Harfenensemble Corda und am 31. von Saitencocktail: beide für bodenständig-schwäbische Musik bürgend – und daher passend.

Vorgestellt wird Erika Walters Buch „In Schlabba dabba“ am nächsten Dienstag, 23. Oktober, ab 19 Uhr auf dem Marktplatz der Volksbank Tettnang in der Lindauer Straße. Der Eintritt ist frei.

Das Buch erscheint im Silberburg-Verlag (Tübingen), in dem den Themenbereichen Heimat und Mundart besonderes Augenmerk gilt. Gedruckt wird es mit Unterstützung des Fördervereins „Schwäbischer Dialekt“. „In Schlabba dabba“ enthält auf 108 Seiten 49 Gedichte (darunter „Dinna und dussa“ oder „Epfel aus Tettnang“), die in fünf Kategorien unterteilt sind – „Hoimet“ „Aus em Leaba“, „Essa und Drinka“, „Alter“, „Johreszeita“. Hinzu kommen 32 Limericks.

Erika Walter: „In Schlabba dabba. Oberschwäbische Verse.“ 9,90 Euro, ISBN 978-3-8425-1224-5.

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