Elektronikschule nimmt 1,1 Millionen Euro teure Anlage in Betrieb

Lesedauer: 7 Min
Der Roboter platziert ein kleines Teil auf einem Schlitten und bald lernen die Schüler selbst, wie sie die Maschine dazu bringen
Der Roboter platziert ein kleines Teil auf einem Schlitten und bald lernen die Schüler selbst, wie sie die Maschine dazu bringen können. (Foto: Thilo Bergmann)

Die Elektronikschule Tettnang hat am Freitag ihre „iLernfabrik 4.0“ eingeweiht. An der 1,5 Meter breiten und sieben Meter langen Anlage sollen Schüler bald so praxisnah wie möglich lernen können, was Industrie 4.0 bedeutet.

Die Anlage ist eine Sonderanfertigung und wäre ohne Unterstützung von Firmen nicht möglich gewesen, sagte Schulleiter Jochen Würstle am Freitag. Von den 1,1 Millionen Euro hat das Land Baden-Württemberg 500 000 Euro bezahlt, 200 000 Euro der Bodenseekreis als Schulträger und 400 000 Euro kamen von Unternehmen. Wobei diese nicht das Geld, sondern ihre Bauteile, wie Kameras und Sensoren oder Leistungen, wie die technische Überprüfung, ganz oder teilweise gespendet haben.

Vor drei Jahren haben die Verantwortlichen an der Schule sich in den Kopf gesetzt, eine von 15 Modellschulen im Land eine Lernfabrik 4.0 einzurichten und dafür Fördergeld vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg zu bekommen. Der Unterstützerkreis aus 15 Firmen wuchs schnell auf 30 an, aber mit den intensiven Planungen stieg auch der Wunsch nach einer Anlage, die es so nicht zu kaufen gab. „Das i in iLernfabrik steht für individuell“, sagte Würstle.

iLernfabrik geht in Betrieb
Industrie 4.0 – das ist die Digitalisierung der industriellen Produktion. Und die ist gerade in vollem Gange. Auch die Schüler der Elektronikschule in Tettnang sollen deshalb auf dem neuesten Stand der Technik ausgebildet werden.

Die Anlage besteht aus sechs Modulen an denen zum Beispiel Roboterarme Aufgaben erledigen, Kameras Situationen erkennen oder Transportbänder Bauteile bewegen können. Mit spezieller Software werden diese Module so angesteuert, wie sie in dem jeweiligen Moment gebraucht werden. Hier beginnt die Digitalisierung der industriellen Produktion – oder eben Industrie 4.0.

Diesen Spagat zwischen Automatisierung und Informationstechnik will die Schule mit der Anlage schaffen. Die Lehrer, namentlich genannt wurden Andreas Greck, Martin Retzbach, Gregor Kompa und Christian Schick, werden in den kommenden Monaten Schulstunden entwickeln, welche die Anlage auf ganz unterschiedliche Weise zum Thema haben – je nach Wissensstand.

„Wir sind längst in der Digitalisierung angekommen“, sagte Landrat Lothar Wölfle. Die mehr als vier Millionen Euro, die der Kreistag in den vergangenen Jahren an der Schule investiert haben sind für ihn deshalb selbstverständlich. Im Anschluss sprach Heinrich Munz vom Roboterhersteller Kuka aus Augsburg. Er erklärte, wie wichtig vernetzte Systeme für die Menschen der Zukunft seien und lobte das besondere Projekt an der Schule. Der Vortrag war kein gewöhnlicher Besuch für ihn. Munz selbst hat 1973 an der Elektronikschule seine Karriere begonnen. Lange vor Industrie 4.0.

Aktivieren die „iLernfabrik 4.0“ (von links): Schulleiter Jochen Würstle, Tanja Drössel vom Regierungspräsidium, Landrat Lothar
Aktivieren die „iLernfabrik 4.0“ (von links): Schulleiter Jochen Würstle, Tanja Drössel vom Regierungspräsidium, Landrat Lothar Wölfle und Claus Mayer vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. (Foto: Bergmann)
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen