Eine musikalische Reise voller Farbe und Poesie

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Eine musikalische Reise voller Farbe und Poesie
Eine musikalische Reise voller Farbe und Poesie (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Wortlos hat der mexikanische Gitarrist Alejandro Carrillo Gamboa am Samstagabend im nur schwach besetzten Rittersaal seinen Platz eingenommen, dem Publikum kaum einen Blick geschenkt und, ganz auf sein Instrument konzentriert, seine Gitarre gestimmt. Schon beim ersten Griff auf die Saiten spürte man, dass hier ein ungewöhnlich feinfühliger Künstler zu Gast war.

Lateinamerikanische Saitenklänge waren angesagt. Die ersten kräftigen Akkorde füllten den Saal mit einem selten erlebten Wohlklang. Fast wollte man die Augen schließen, um diese warm klingende, melodische Musik voller Poesie völlig in sich aufnehmen zu können. Das Gesicht des Gitarristen blieb meist ohne Bewegung, nur gelegentlich zeigte es die zugrundliegende Leidenschaft. Er holte die Melodien tief aus seinem Inneren, ließ sie tastend an die Oberfläche steigen.

Nach einer kurzen Begrüßung nach den ersten beiden Stücken folgten zwei Lieder aus Spanien aus der Renaissancezeit, die zeigten, wie bei Gamboa das Gitarrenspiel zur ausdrucksvollen Klangvision wird. Auch wenn er nach außen ein fast unbewegtes Gesicht zeigt, ist er tief bewegt und lebt, was er gerade spielt. Dass er die Technik virtuos beherrscht, sei nur nebenbei festgestellt.

Von Spanien nach Nordamerika

Der Künstler, der am Mozarteum in Salzburg und anderswo auch Alte und Neue Musik, Gesang und Lautespiel studiert hat, hat zu einer Reise eingeladen. Nach der zarten Huldigung an Spanien geht es nach Nordamerika. Obwohl immer noch herrlich melodisch, werden hier in unterschiedlichen Strängen, die nebeneinander liegen, sich verflechten und wieder selbständig dahinlaufen, die vielen Strömungen, die den Halbkontinent geprägt haben, hörbar. Viele Elemente bringt er temperamentvoll zum Klingen, die ungeheure Vielfalt eines Landes, das im Gegensatz zu Spanien keine lange Geschichte mitbringt.

Kuba ist die nächste Station, ruhiger, leichter zu durchschauen, oder sollte man sagen zu durch“hören“, ist die Melodie. Keine wilden Rhythmen, dafür etwas Melancholie. Die Kontraste, die ein so vielfältiges Land wie Brasilien prägen, werden sinnlich wahrnehmbar. Auch hier perlen bisweilen die Töne, werden zu einem kräftigen Strom. Eine Eigenkomposition bringt die Kindheit in seinem Heimatland Mexiko zum Klingen, innere Bilder übertragen sich auf die Zuhörer. Weitere Länder wie Argentinien folgen – schwer ist es, die Unterschiede zu erspüren.

Der Künstler hat nur wenige Bemerkungen zu den einzelnen Werken gemacht, wobei es etwas schwer war, ihn zu verstehen. Lieber ließ er die Musik sprechen – schade, dass der Fluss durch häufigen Applaus unterbrochen wurde. Langsam löste sich die Spannung, eine Reihe kleinerer Zugaben von „Besame mucho“ bis zu „La Bamba“ beendeten einen herausragenden Abend. Gamboa würde gerne wiederkommen in den „wunderschönen Rittersaal“, der wieder einmal zum Schauplatz der großen weiten Welt geworden ist.

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