Eine Lumpenkapelle mit Tradition: Das „Chaosorchester“ macht seit 20 Jahren die Fanset unsicher

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Karoline Ploetz

Fetzig, laut, schnell und bisweilen auch etwas verrückt: Lumpenkapellen sind aus der Fasnet in der Region inzwischen nicht mehr wegzudenken. Noch vor zwei Jahrzenten waren die Kapellen längst nicht so verbreitet. So kam drei Neukirchern im Jahr 1999 die Idee, selbst eine Lumpenkapelle ins Leben zu rufen – das Chaosorchester, das in diesem Jahr bereits sein 20-Jähriges feiert.

Andreas Hofer, Andreas König und Klaus Trinkler waren damals auf der Fasnet unterwegs, verfolgten interessiert die Auftritte der damals noch dünn gesähten Lumpenkapellen und entschieden sich kurzerhand dazu, selbst ebenfalls etwas derartiges aufzuziehen. So gründeten die damals 19- und 20-Jährigen im Februar 2000 das Chaosorchester. „Die Namensfindung war damals ein großes Thema. In einer Sitzung schmiss dann jemand in den Raum: ’Ein Mordschaos gibt das’“, erinnert sich Andreas Hofer zurück. Damit sei der Name geboren gewesen. Zur Fasnet 2001 war es dann soweit: mit etwa 20 Personen startete das Chaosorchester in seine erste Fasnet.

„Dadurch, dass wir drei selbst in verschiedenen Musikvereinen waren, kannten wir genug junge Leute, die mitmachen wollten“, erzählt Hofer. Auch durch den Freundeskreis der dreien kamen interessierte Jugendliche das Orchester hinzu. Mittlerweile sind aus den ursprünglichen 20 Mitgliedern 42 geworden.

„Das Besondere an uns ist, dass wir nur Blechblasinstrumente im Orchester haben und keine Holzblasinstrumente. Bei uns findet man Posaunen, Trompeten, Tubas und Schlagzeuge“, sagt der 40-Jährige Andreas Hofer. Zwischen den verschiedenen Lumpenkapellen in der Umgebung gebe es allerdings kein Konkurrenzdenken: „Wir sind genauso laut, schnell und hoch wie die anderen Kapellen“, so Hofer.

„Ich bin seit zwölf Jahren mit dabei und liebe die familiären und freundschaftlichen Bindungen bei uns“, erzählt Marika Kasper. Streit und ernsthafte Auseinandersetzungen habe es im Chaosorchester nie gegeben. Sogar mehrere Ehen und Familien seien über die Jahre entstanden, berichtet sie. Zu einer Fasnet gehen ohne Instrument – das können sich die beiden nicht mehr vorstellen. „Wir haben alle einen Auftrag, dem wir auch gerne nachgehen“, erzählen sie.

Die Proben für die Fasnet beginnen bereits im Oktober. Die Organisation der Termine beginnen sogar schon im Juni des Vorjahres. Ab Oktober treffen sich dann alle Mitglieder des Orchesters jeden Sonntagabend im Probelokal in Neukirch und üben gemeinsam ihre Stücke für die anstehende Fasnet ein. Neben der jährlich anstehenden Fasnetstermine tritt das Chaosorchester auch bei einigen anderen Veranstaltungen auf. „Wir sind auch auf einem Weihnachtsmarkt von einem Unternehmen aufgetreten und nehmen oft an dem deutschen Königinnentreffen teil. 2019 fand das in Witzenhausen statt. Aber auch in Südtirol, Hamburg oder Hannover waren wir schon“, sagt Hofer.

Ein Höhepunkt stand in diesem Jahr mit dem 20-jährigen Jubiläum des Chaosorchsters an. Dazu kontaktierten die Gründer sämtliche ehemaligen Mitspieler – 58 an der Zahl. „Wir wollten das Jubiläum natürlich ausgiebig feiern“, erklärt Hofer. So seien alle „Ehemaligen“ eingeladen worden. Mitte Januar fand schließlich die Jubiläumsfeier statt, zu der 19 befreundete Lumpenkapellen anreisten.

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