Ein Tettnanger entdeckt die Welt der Panoramafotografie

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Redaktionsleiter

In der Fotografie geht es darum, eine räumliche Welt auf einer Fläche abzubilden. Das funktioniert in der Regel gut, weil ein kleiner Ausschnitt dargestellt wird. Hier spricht man von einer Flächenprojektion. Wer hin und wieder Gruppen fotografiert und dafür ein Weitwinkel nutzt, kennt das Phänomen, dass die außen stehenden Personen breiter erscheinen als sie sind. Deswegen nutzen Panoramafotografen moderate Brennweiten oder sogar Teleobjektive wie Sportfotografen. Am Ende passiert ein kleines Wunder: Die zusammengesetzten Einzelaufnahmen müssten am Ende eigentlich ein gewölbtes Bild ergeben, so als seien sie auf der Innenseite einer Röhre aufgeklebt. Da aber alle senkrechten Linien gerade sind, wirkt das Panorama wie ein einziges Foto – was es nicht ist. (hil)

Panoramafotografie ist eine Leidenschaft des Tettnangers Carl-Friedrich Layer. Die Besonderheit ist der Detailreichtum: Manche Landschaftsansichten setzen sich aus 60 und mehr Einzelfotos zusammen. Dadurch bleiben auch Details gestochen scharf. Für Layer dient diese besondere Form der Fotografie aber auch dem Umgang mit seiner Parkinson-Erkrankung.

Die führte im Jahr 2010 zu einem Scheidepunkt in seinem Leben. Ohne Parkinson wäre Layer später sicher nicht zur Panoramafotografie gekommen. „Das Format hat mich einfach fasziniert“, sagt er. Da seien diese extremen Bildwinkel gewesen, die andere Art der Präsentation. Und das Zittern seiner Hände war egal, denn diese Fotos entstehen ausschließlich vom Stativ aus.

Als die Diagnose kam, war er Fotograf bei der MTU. Dort arbeitete er zu Beginn dieses Jahrzehnts noch weltweit für die Pressestelle. Auch hier hatte er sich frei gekämpft, nachdem der Einstieg dort 1977 ebenfalls einer Art Vollbremsung gleich kam, zumindest was nach seiner Vorgeschichte die Art der Tätigkeit anbelangte. Denn erst einmal arbeitete er in der Reproduktion. Was heißt: Er fotografierte Dokumente ab.

Panoramafotografie: Tettnanger auf der Jagd nach den Details im Großen
Der Tettnanger Carl-Friedrich Layer fotografiert Panoramen.

Zuvor war er zwei Jahre als Luftbildfotograf bei der Heeresfliegerstaffel 10 der Bundeswehr in Neuhausen ob Eck tätig. Der junge Mann sitzt dort in seiner Fliegerkombi in der offenen Tür des Fluggeräts, mit einer Linhof Aero in seinen Händen. Das ist eine Spezialkamera mit zwei Handgriffen und einem Visier, mit der er freihändig fotografiert. Ihn und die Kamera hält jeweils nur ein Seil mit Karabinern. Da ist das Abfotografieren von Dokumenten erst einmal ernüchternd.

Fotografie schon zu Schulzeiten

Die Fotografie beschäftigt ihn da schon lang. In der Schule ist er mit einer Agfa Optima unterwegs, einer der ersten Automatikkameras auf dem Markt. Als er vom Internat in Vaduz nach der elften Klasse ins Graf-Zeppelin-Gymnasium kommt, genießt er die neu gewonnene Freiheit zu sehr und schafft das Abitur nicht. Layer macht ein Praktikum beim Senn-Verlag, geht dann beim Friedrichshafener Fotografen Hans Magnus in die Lehre, absolviert ein Praxisjahr bei der MTU, später macht er noch seinen Meister.

Und nun, nach dem Wechsel zur Pressestelle, ist das Abenteuer wieder zurück, trotz Normalität: Jeden Morgen fährt er mit dem Fahrrad zur Arbeit und wieder zurück zu seiner Familie, zu seiner Frau und seinen vier Kindern. Später kommt die Scheidung, eine schwierige Zeit für alle. Heute verbindet die beiden Eheleute von einst aber wieder eine Freundschaft, freut sich Layer.

Der auch froh ist, dass er seine Passion, die Fotografie, weiter pflegen kann. Eines Tages im Jahr 2010, erinnert er sich noch an den Schrecken, „konnte ich eine Viertelsekunde Verschlusszeit nicht mehr frei aus der Hand fotografieren“. Das Bild war nicht mehr scharf. Die Diagnose: Parkinson. Er probiert sich im Modellbau, um seine Finger feinfühlig zu halten. Er findet das ganz nett, aber nach zwei Jahren hört er damit auf. Und dann kommt die Panoramafotografie.

Akribische Vorbereitung

Wenn er seine Ausrüstung ausbreitet, merkt man ihm die Vorfreude schon an. Eine Nikon-Kamera mit mehreren Objektiven, Stativ, Nodalpunktadapter. Der ist eine zwingend notwendige Besonderheit. Denn Layer muss für die Einzelaufnahmen die Kamera immer ein bisschen drehen. Hier hilft der Motor, die Winkel für den Ausschnitt, den Layer auswählt, zu berechnen und führt die Bewegung auch aus. Noch wichtiger ist aber, dass das Foto verzeichnungsfrei wird. Denn die Kamera wird für die korrekte Drehachse leicht verschoben. Sonst würden sich die Fotos nicht nahtlos ineinanderfügen.

Das geschieht am Rechner mit einer Spezialsoftware. Auch wenn die vieles automatisch macht, gehört einige Vorbereitung von Hand dazu. Da die Kamera die Szene innerhalb einiger Minuten fotografiert, könnte sonst beispielsweise der gleiche Fußgänger auf mehreren Bildern auftauchen – und damit auch mehrfach im gleichen Panoramafoto.

Und manchmal greift Layer auch so zur Kamera, dann nur mit Einbeinstativ, etwa wenn es zum Konzert in den Flieger geht. Er sei zwar nicht so der Wirtschaftstyp, aber: „Es ist wichtig, Freundschaften zu pflegen und den Kontakt zu anderen Menschen nicht zu verlieren.“

In der Fotografie geht es darum, eine räumliche Welt auf einer Fläche abzubilden. Das funktioniert in der Regel gut, weil ein kleiner Ausschnitt dargestellt wird. Hier spricht man von einer Flächenprojektion. Wer hin und wieder Gruppen fotografiert und dafür ein Weitwinkel nutzt, kennt das Phänomen, dass die außen stehenden Personen breiter erscheinen als sie sind. Deswegen nutzen Panoramafotografen moderate Brennweiten oder sogar Teleobjektive wie Sportfotografen. Am Ende passiert ein kleines Wunder: Die zusammengesetzten Einzelaufnahmen müssten am Ende eigentlich ein gewölbtes Bild ergeben, so als seien sie auf der Innenseite einer Röhre aufgeklebt. Da aber alle senkrechten Linien gerade sind, wirkt das Panorama wie ein einziges Foto – was es nicht ist. (hil)

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