Ein Tannauer auf steilen Wegen

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Mehr als 630 Jahre hatte die Lärche auf ihrem Holzbuckel, von der Uli Sorg eine Scheibe besitzt. Ihr widmet der Tannauer in sein (Foto: Kai Lohwasser)
Schwäbische Zeitung
Kai Lohwasser

Nicht nur haptisch eine Wohltat, auch optisch verwöhnt der Tettnanger Autor Uli Sorg seine Leser mit seinem neuen, dritten Buch „Auf steilen Wegen“. Seine Essays zu Alpinismus, Natur und Fotografie kommen aufwendig daher. Wertiges Papier, Hardcover, 228 Seiten – Fraglos: die Aufmachung ist ansprechend. Inhaltlich dominieren Schwarzweiß-Fotografien. Alpine Szene, schroffe Felsen, atemberaubende Bergpanoramen und der Kontrast von zarter Vegetation mit Massivem, mit der gewaltigen Macht unüberwindbar scheinender Berge bilden das optische Leitthema, mit dem der Tannauer Autor geschickt spielt.

Doch Sorg lässt seine Leser nicht allein mit den imposanten Illustrationen. So sind die ersten Seiten auch der Monochromie oder der „Kunst des Weglassens“ reserviert. Was macht ein gutes monochromes Bild aus? Welche Motive eignen sich? Für Sorg bedeutet Schwarzweiß-Fotografie keineswegs einfach das Weglassen der Farbe. „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn nichts mehr hinzuzufügen ist, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann“, zitiert er den französischen Kultautor Antoine de Saint-Exupéry.

Auf einem Morgenspaziergang durch den Wald erklärt der gebürtige Tettnanger, der seit frühen Jugendjahren fotografiert, wie schwierig es ist, die Stimmung des Augenblicks festzuhalten. So erfährt der Leser Wissenswertes über Tonwertumfang, Kameraoptik, technische Begrenztheit, Brennweite und Schärfentiefe, stets garniert mit Aphorismen und Zitaten bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten. Ein Stilmittel, das der ehemalige Lithograf und Druckvorlagenhersteller übrigens konsequent durchhält und das bereichernd mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken anregt.

Auf einen inspirierenden Ausflug auf den Piz Turba, der in luftiger Höhe mit einem wohlschmeckenden Gipfelmenü belohnt wird, folgt eine Episode, in der Uli Sorg Holz sprechen lässt. Ein wahrlich betagtes Artefakt, eine Baumscheibe einer im Sturm gefallenen Lärche. Über das Weltbild der Menschen im Mittelalter kommt Sorg auch auf die Bilderdecke von St. Martin in Zillis zu sprechen, weltweit wohl eine der wenigen, die nahezu vollständig erhalten ist. So bereichert der Wahltannauer nicht nur mit Informativem, er weckt auch den Wissensdurst, denn allzu nahe liegt bald der Wunsch, das eben Gelesene zu erkunden, sich selbst ein Bild zu machen von jenen 153 Tafeln, die die Kirchendecke zieren und die um 1100 bemalt worden sind.

Eine stille Harmonie

In einer immer lauter und schneller werdenden Alltagswelt eine willkommene Beruhigung, die zum Innehalten, Staunen und Genießen einlädt: Uli Sorg hat mit seinem neuen Werk „Auf steilen Wegen“ ein kurzweilig-alpinistisches Lesevergnügen mit Lerneffekt geschaffen, wohlfeil verpackt in ästhetisch-ausgewogener Typografie, die mit den puristischen Schwarzweiß-Fotografien der schroffen Gebirgsimpressionen kontrastierend eine stille Harmonie erzeugt. Ein Buch, das zum Nachdenken und Nachahmen animiert.

„Auf steilen Wegen“, Uli Sorgs drittes Buch , ist soeben in der 1. Auflage im uweb Verlag erschienen. Gebunden, Hardcover, Preis: 24,90 Euro,

ISBN 978-3-8911505-2-0.

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