Ein Podium für das Wohnen

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Kirchengemeinden wollen den sozialen Wohnungsbau fördern. Eine Podiumsdiskussion am Freitagabend, 16. März, soll erste Ansätze
Kirchengemeinden wollen den sozialen Wohnungsbau fördern. Eine Podiumsdiskussion am Freitagabend, 16. März, soll erste Ansätze liefern. (Foto: Symbol: Christian Charisius)
Schwäbische Zeitung

Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum beschäftigt Tettnang. Und trotz seiner Aktualität ist es ein altes Thema: Schon seit Jahren haben es die Kirchengemeinden auf der Agenda. Doch passiert ist kaum etwas. Eine öffentliche Podiumsdiskussion „Bezahlbarer (Miet-)Wohnraum in Tettnang – gemeinsam Lösungen entwickeln“ am Freitagabend, zu der die evangelische Martin-Luther-Gemeinde und die katholische St.-Gallus-Gemeinde soll neue Ansätze geben, die zukünftig weiterhin verfolgt werden.

Die Kündigungen, die die Mieter der Schwesternwohnheime erhalten haben (wir berichteten) und die Gefahr, dass Menschen in die Obdachlosigkeit rutschen, haben die Frage und die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum neu belebt. „Einige mit denen ich vom Krankenhaus oben Kontakt habe, rechnen gar nicht damit, dass sie Wohnraum bekommen. Viele spekulieren auf St. Anna und, dass sie von der Stadt untergebracht werden“, erläutert Diakon Michael Hagelstein. Unter anderem über die kirchlichen Sozialträger Caritas und Diakonie werden die Kirchengemeinden immer wieder mit solchen Fällen konfrontiert – mit Familien oder Alleinerziehenden, deren Einkommen gering ist, die wenig Geld, haben, aber dringend eine Wohnung suchen. Michael Hagelstein erinnert sich an eine große Familie mit der er vor Jahren versuchte, eine Wohnung in Tettnang zu finden. Es war eine vergebliche Suche, die eineinhalb Jahre dauerte. „Wir haben schon vor mehr als zehn Jahren festgestellt, dass es im Bereich der Sozialwohnungen eigentlich kaum Entwicklung gibt.“ Es habe diverse Ansätze gegeben, passiert sei nichts. Neben diesem Stillstand bemerkt Pfarrer Thomas Wagner auch, dass sich die Lage immer mehr verschärfe. Es gelinge nicht, wenn man die Sache dem Markt überlasse, so Hagelstein.

Es sind zwei Themen, die die Vertreter der Kirchengemeinden ansprechen: Der Sozialmietwohnungsbau und Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Besonders für den zweiten Bereich sehen Hagelstein und Wagner konkrete Lösungsansätze und den Beginn der Überlegungen zur gemeinsamen öffentlichen Diskussion: „Ein erster Gedanke war, dass wir vielleicht unser ,moralisches Gewicht’ – wenn man das so sagen kann – in die Waagschale werfen können, damit leerstehende Wohnungen zur Vermietung kommen“, so Hagelstein. „Dabei machte den Anfang auch die Frage: Wer wäre von uns selbst bereit?“, ergänzt Wagner. Schließlich habe man nach Leuten innerhalb der Gemeinde gesucht. „Dann haben wir gemerkt, wir müssen etwas drauflegen.“ Gemeinderat und Stadt wurden angeschrieben.

„Das mit den leerstehenden Wohnungen ist etwas, wo wir im Nahbereich etwas sehen, das umgesetzt werden könnte“, so Wagner. Doch es müssen potentielle Vermieter gesucht und gefunden werden. Die Hoffnung der beiden Kirchenvertreter ist, dass vielleicht die Podiumsdiskussion Interessen weckt und Verbindungen schafft: „Wir wollen auf niemanden mit dem Zeigefinger deuten. Es ist einfach eine Sensibilisierung für einen Zustand, den man vielleicht gar nicht so wahrnimmt“, erläutert Wagner. Zudem sollen mit der Podiumsdiskussion auch Verantwortungsträger sensibilisiert werden, um in ihren Möglichkeiten tätig zu werden, so Wagner. „Eine Stadt, ein Rat muss regulieren, Verantwortung übernehmen und eingreifen. Und zwar, auch dort eingreifen, wo es nicht ganz einfach ist“, sagt Hagelstein. Natürlich gehe es bei der Thematik in einem weiteren Sinn auch darum, wie das Miteinander von Alt und Jung, von Betuchten und Nichtbetuchten, Behinderten und NichtBehinderten in der Stadt gestaltet werde. „Gerade solche Gestaltungsfragen beantworten sich nicht von alleine – da muss eine Stadt sich Gedanken machen.“ Wie etwa auch beim Thema Verkehr. Wagner: „Bei Tempo 20 oder 30 am Bärenplatz regt sich jeder auf.“ Und weiter: „Ich bin gespannt welche Wellen unser Thema schlagen wird.“ Die Podiumsdiskussion solle nun zunächst diverse Vertreter an den Tisch holen und eine Öffentlichkeit schaffen, damit sich die Leute, die an Verantwortungsträger-Stelle sind sich trauen. „Es soll ein Stein ins Rollen gebracht werden“, so Wagner.

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