Ein Bauhofleiter mit Format

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Helmut Pischke und seine Frau Ursula.
Helmut Pischke und seine Frau Ursula. (Foto: Sylvia Zwisler)
Schwäbische Zeitung

Anfang April hat Helmut Pischke seinen 90. Geburtstag gefeiert. 25 Jahre, von 1966 bis 1991, war er Leiter des städtischen Bauhofs. Mit seiner sachlichen und besonnenen Art setzte er sich für die Aufgaben in Tettnang ein. Bürgermeisterstellvertreterin Sylvia Zwisler überbrachte ihm Glückwünsche von Bürgermeister Walter und der Stadt mit einem Präsent zu seinem Geburtstag.

1928 wurde Helmut Pischke bei Danzig geboren. Weil er nicht weiter auf die Schule durfte, begann er 1944 eine Lehre als Kaufmann, bis ihn mit 16 Jahren der Einberufungsbefehl erreichte und ihn letztendlich die Russen gefangen genommen hatten.

Nach dem Krieg landete er als Flüchtling im Ruhrgebiet und konnte in diesen entbehrungsreichen Jahren später eine Lehre als Maurer machen. In Westfalen lernte er auch seine Frau Ursula kennen. Nach der Hochzeit hatte er sich bald auf eine Stelle bei Alno in Pfullendorf beworben, denn „in Gelsenkirchen musste man jedes Jahr die Wohnung streichen, so schwarz war damals alles von der Kohle“.

1966 hatte er dann in der Zeitung gelesen, dass die Stelle eines Bauhofleiters bei der Stadt Tettnang ausgeschrieben war. 15 Bewerbungen sind eingegangen und er meinte humorig: „Ich hatte keinen Lebenslauf geschrieben, doch Bürgermeister Gnädinger meinte, ich könnte ihn ja erzählen und so wurde ich von ihm und vom Stadtbaumeister ausgewählt. Zuerst war ich schon etwas enttäuscht, denn der Bauhof bestand aus drei Arbeitern mit Besen und einem alten Lkw zum Kiesfahren.“

Durch die Eingemeindungen 1972 wurde ein VW-Transporter gekauft. Um alles musste er kämpfen, denn es war kein Geld da und er war „Mädchen für alles.“ „Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen, wie es damals war. Meine Leute hatten kein Telefon und ich musste öfters nachts raus oder am Wochenende, die Männer von zu Hause abholen, zum Schnee schippen oder wenn bei starkem Regen die Keller mit Wasser voll gelaufen war, weil es keine gute Kanalisation gab.“ Als er nach 25 Berufsjahren im Feuerwehrhaus in Tettnang von Bürgermeister Grasselli herzlich verabschiedet wurde, hatte der Bauhof 30 Mitarbeiter und auch ein paar Maschinen mehr angeschafft.

„Ich habe alle Tätigkeiten gerne gemacht, ganz egal, ob es das erste Bähnlesfest oder die Unterhaltungsmaßnahmen waren.“ Auf die Frage, was sein Rezept ist, so rüstig älter zu werden, meint Helmut Pischke lachend: „Ich hatte ein Leben lang nie Zeit für Sport; erst kam der Krieg und dann habe ich immer viel gearbeitet und meine Frau leistet mir bis heute Gesellschaft.“ Sein heutiger Sport ist der Garten mit vielen Blumen.

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