Dirigent Fabian Koch gelingt der Einstieg bei der Stadtkapelle

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 Schwungvoll gestaltet die Stadtkapelle Tettnang unter ihrem neuen Dirigenten Fabian Koch das Herbstkonzert 2019.
Schwungvoll gestaltet die Stadtkapelle Tettnang unter ihrem neuen Dirigenten Fabian Koch das Herbstkonzert 2019. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Zahlreiche Zuhörer sind am Samstagabend zum Herbstkonzert der Stadtkapelle Tettnang in die Argentalhalle in Laimnau geströmt und haben sie fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Unter dem neuen Dirigenten Fabian Koch war das Konzert ein voller Erfolg. Selbst wer mehr die traditionelle als die heute bei Konzerten gern gespielte sinfonische Blasmusik liebt, ist hier voll auf seine Kosten gekommen. Die Musiker waren einfach gut, sowohl das Jugendblasorchester unter Ulrike Miller als auch die Stadtkapelle. Die schön herbstlich dekorierte Bühne und der akustisch sehr gute, nicht so große Raum schufen ein Ambiente zum Sich-einfach wohlfühlen und Genießen.

Das stattliche Jugendblasorchester füllte eingangs die Bühne und legte mit sattem Sound los. „Jubilance“, stand im sehr anspruchsvoll gestalteten Programmheft, „ist voller begeisternder Energie und Lebensfreude“ – das war nicht zu viel versprochen. Unter Ulrike Miller wurde auch sehr sauber artikuliert. Besonders ergreifend war der zweite Titel „Heaven’s Light“, ein Auftragswerk von Steven Reineke zum Tod einer erst 16-jährigen Schülerin und Musikerin.

Mit „Music from Braveheart“ folgte Filmmusik voller Schwung und Dramatik. Einige der Spieler trugen bereits die Uniform der Stadtkapelle, um guten Nachwuchs muss man sich hier nicht sorgen.

Musiker glänzen auch als Sänger

Die Stadtkapelle stellte die Ouvertüre von Verdis Oper „Nabucco“ an den Anfang, Musik, die jeder kennt – ein Wagnis, das hier voll und ganz aufgegangen ist. Herrlich kamen die Klangfarben herüber, spannend die unterschiedlichen Tempi. Nicht ganz so begeisternd war am Ende dieses Blockes der zweite Ausflug in die Klassik mit der „Ankunft der Gäste“ und dem Walzer aus Tschaikowskys „Schwanensee“-Ballett in einer etwas sperrigen Bearbeitung. Was die Stadtkapelle kann, hatte sie schon beim zweiten Titel gezeigt: Kees Vlaks „Last Flight of the Dragonfly“ steht für Herbstimpressionen über den letzten Flug einer blauen Libelle – ein starker Kontrast zu Verdi und mit großer Begeisterung aufgenommen. Gleich darauf wieder eine Steigerung mit dem ersten Teil von Alfred Reeds „Armenian Dances“, einem originalen Höchststufenwerk für Blasorchester. Hier konnten sich die einzelnen Register voll entfalten, den Facettenreichtum herausstellen. Transparent führten sie durch völlig unterschiedliche fremde Welten. Zu Recht gab es dafür nicht wenige Bravorufe.

Der Konzertmarsch „Sympatria“ des jungen österreichischen Komponisten Thomas Asanger, ein Auftragswerk von 2017, baute nach der Pause gleich wieder eine prickelnde Spannung auf. Das Werk wolle mitteilen, dass Heimat nicht die räumliche Herkunft, sondern die soziale Zugehörigkeit sei, Heimat sei da, wo man sich wohlfühlt, eingebunden in eine Gemeinschaft.

Weiter ging’s mit sehr schwungvoller Filmmusik aus den USA, so der mit den Golden Globe Awards 2018 als bester Filmsong ausgezeichnete Titel „This is me“ aus dem Musicalfilm „The Greatest Showman“ über den Zirkuspionier Barnum. Es blieb amerikanisch unterhaltsam, teilweise geschickt auf Effekte setzend. Weltberühmt ist Louis Primas Stück „Sing, Sing, Sing“ durch den Jazzklarinettisten Benny Goodman geworden, prächtig hat es auch die Stadtkapelle interpretiert.

Klar, dass sich ein Kranz von Zugaben ums Konzert legte, bei dem die Musiker auch als Sänger glänzten. Mit „Bella Ciao“ ging’s dem Ende zu, nicht enden wollte der Applaus.

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