Diese Pflanze soll den Mais ersetzen

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Schwäbische Zeitung

Früher Mais, heute Silphie: Auf 1,25 Hektar haben Helmut Broger und sein Sohn Simon nördlich des Rentnerweges die „Durchwachsene Silphie“ angepflanzt – eine Pflanze, die Mais, Raps und Co. als Energielieferant Konkurrenz machen will.

Seit Jahren suchen Biogasbauern eine Alternative zum Mais-Anbau. Auch Brogers haben diese gesucht – eine alternative Energiepflanze für die eigene Biogasanalge, die vor allem im Winter Stall und Wohnhaus heizen soll. Der Mais-Acker sei schlecht befahrbar gewesen, auch die Entfernung und Erreichbarkeit machte dem Neukircher Landwirt Helmut Broger zu schaffen. „Wir haben gesagt, dass wir eine Dauerkultur brauchen“, erläutert er, „und haben uns dann für die Silphie entschieden.“

Anspruchslose Staude aus Nordamerika

Die „Durchwachsene Silphie“ stammt aus Nordamerika, ist eine anspruchslose, buschige Staudenpflanze mit grob bezahntem Blattwerk. Sie wird rund drei Meter hoch und trägt von Juni bis September unzählige gelbe Blüten. Den Namen Becherpflanze hat sie von einer Eigenart ihrer Wasserversorgung. Ihre Blätter wachsen paarweise um die Stängel herum, es bilden sich kleine Becher, in denen sich Tau und Regenwasser sammeln. Ein wichtiger Fakt: Sie bringt ähnliche Erträge wie Mais. Das heißt konkret: Aus ihr lässt sich fast so viel Biogas gewinnen.

Bereits in seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister hat Simon Broger von der Pflanze erfahren. „Ich war begeistert von der durchwachsenen Silphie“, erzählt er. Zwischen 2010 und 2012 sei das gewesen. „Doch damals steckte es noch in den Kinderschuhen.“ Ralf Brodmann bestätigt das. 2007 hat der Ostracher im eigenen Hausgarten mit dem Anbau von Silphie begonnen. Seit einigen Jahren baut nun die Metzler & Brodmann KG in Zusammenarbeit mit dem Energiepark Hahnennest die Pflanze an. Die Arbeit wird inzwischen im Rahmen des Projekts „Donau-Silphie“ gebündelt und hat sich zu Beginn vor allem mit „den zwei Knackpunkten“, so Brodmann, beschäftigt: Mit der Entwicklung der Saattechnik und einer Lösung zum ersten ertragsfreien Jahr. „Den eigentlichen Durchbruch haben wir 2014 erreicht“, sagt Brodmann. Es entwickelte sich ein Geschäftsmodell mit Saatgutvermehrung, Pflanzenzucht und Dienstleistung für Landwirte. Rund 400 Hektar sind in Zusammenarbeit von Landwirten und „Donau Silphie“ laut Brodmann im vergangenen Jahr allein in Baden-Württemberg angebaut worden. In diesem Jahr seien es bundesweit bereits rund 1100 Hektar.

Kultur bringt Abwechslung in die Landwirtschaft

Auch Brogers haben sich intensiv mit der Energiepflanze befasst und deren Entwicklung beobachtet. Im Frühjahr 2016 bauen sie schließlich die Silphie gemeinsam mit Mais, der als Deckfrucht eingesät wird, an. Das erste Anbaujahr kann ohne Ertragsausfall überbrückt werden. War es im vergangenen Jahr „rein optisch nur Mais“, so Simon Broger, blüht die Pflanze in diesem Jahr. Ein Hochsitz ermöglicht Besuchern den Blick über das Feld, Tafeln informieren über die Pflanze.

Deren Vorteile liegen für Brogers und Brodmann auf der Hand: Ab dem zweiten Jahr brauche sie keinen Pflanzenschutz, sei grundwasserschonend, ihr bis zu zwei Meter tiefes Wurzelwerk beuge der Bodenerosion vor und sie biete Bienen, Insekten, Wildtieren Nahrung und Lebensraum. Zudem bringen die gelb blühenden Silphie-Kulturen Abwechslung in Agrar-Landschaften und die Landwirte haben relativ wenig Arbeit mit ihnen: Jährliche Bodenbearbeitungen und Aussaaten, die beim Mais viel Zeit kosten, fallen weg. Trotz aller Begeisterung spricht Helmut Broger aber einen Nachteil an: „Mais kann ich als Futtermittel verwenden, die Silphie nicht.“ Brodmann ergänzt: „Wir haben nur den Biogassektor als abnehmenden Markt.“ Ein Markt, der in der Vergangenheit für gigantische Maisäcker im Landschaftsbild geführt hat: Je mehr Anlagen entstanden, desto mehr Mais wurde angebaut. Die Folgen für die Böden, das Trinkwasser, die Artenvielfalt und das Landschaftsbild sind dramatisch. Der Biogas-Boom endete. Doch laut Broger und Brodmann könne Biogas für die Energiewende viel leisten – etwa Strom dann liefern, wenn Wind und Sonne fehlen. „Es ist wichtig, die Biogasbranche wieder anzukurbeln. Wir müssen Biogasanlagen wieder ins richtige Licht rücken. Es gibt Potential“, so Helmut Broger.

„Wenn Biogas bleibt, hat sie eine Chance. Wenn Biogas geht, geht auch eine Kultur wie die Silphie“, sagt Brodmann, ist aber überzeugt, dass das Biogas seinen Weg finden, sich Produktionsweise und der Weg ändern werde. Silphie sei ein Anfang.

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