Die Götter zeigen sich recht trinkfreudig

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Das „Festmahl der Götter“ von Franz Martin Kuen.
Das „Festmahl der Götter“ von Franz Martin Kuen. (Foto: Staatliche Schlösser und Gärten)
Olaf E. Jahnke

Mit einer neunteiligen Vortragsreihe werden noch bis Oktober im Neuen Schloss „die Arbeiten der letzten Jahre gekrönt“, wie die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden Württemberg schreiben. Zum ersten Vortrag in der Reihe sind am Dienstag 30 Interessierte ins Neue Schloss Tettnang gekommen. Referent Gerald Jasbar aus Ulm beschäftigte sich mit dem „Festmahl der Götter“ im Tafelzimmer, einem spätbarocken Deckengemälde von Franz Martin Kuen.

Jasbar beschrieb zunächst den Bildaufbau und zeigte Einzelheiten anhand einer Präsentation. Wie im Spätbarock üblich, hätten sich in dem Gemälde römisch benannte Gottheiten versammelt. Passend zum Vortragsort „Bacchussaal“ wies Jasbar darauf hin: „Am trinkfreudigen Gott Bachus samt einer Anmutung kann man hier durchaus von einem ‚Bachanal’ sprechen.“ Dazu beschrieb der Referent weitere Details des üppig freudvollen Gelages. Dass die Figuren oft mit wenig oder ohne Kleider dargestellt sind, sei wenig erstaunlich, da „heroische Nacktheit“ im Spätbarock durchaus angesagt gewesen sei. Dies könnte man als Widerspruch zur religiösen Lehre der damaligen Zeit interpretieren, jedoch auch Kirchenmänner hätten die sinnlichen Darstellungen von Göttern geschätzt, wie andere Darstellungen auch in Kirchen oder Klöstern zeigten. Im nächsten Teil des Vortrages ging Jasbar kurz auf den Künstler Martin Kuen ein, der im Auftrag von Franz Xaver Graf von Montfort das Fresco 1758 fertig gestellt hat. Dabei streifte der Kunsthistoriker auch die Hintergründe, die mutmaßlich gerade zu dieser Komposition geführt haben. So habe man nicht nur Pracht und Macht darstellen wollen, durchaus auch in historisch schwierigen Zeiten mit einer nahenden Insolvenz. Auch eine Besinnung auf eine himmlische und zeitliche Dimension, lasse sich interpretieren.

Zur Einordnung des Werkes in einen weiteren künstlerischen Zusammenhang zeigte der Kunsthistoriker einige thematisch verwandte Darstellungen mit ähnlichem Titel oder Göttergruppierungen, darunter bekannte frühe Darstellungen von Raffael aus dem Jahre 1518 bis zur Darstellung von Johann Zick aus dem Jahr 1750.

Im Vergleich müsse sich das Kuen’sche Göttermahl nicht verstecken. Kunsthistoriker Jasbar, der sich ein Leben lang mit Bestimmung und Deutung von Motiven in Werken der bildenden Kunst beschäftigt hat, bescheinigte dem Tettnanger Deckengemälde, es sei „ein ganz besonderes ikonographisches Kunstwerk von Seltenheitswert“.

Interessierte an Kunst und Geschichte können sich am Dienstag, 24. September, um 19.30 Uhr zum Vortrag von Elmar Kuhn aus Meersburg ins Neue Schloss begeben. Die Veranstaltung hat den Titel „Tettnang bleibt für das Haus Österreich eine sehr vorteilhaftige Aquisition“.

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