Der Freiherr führt die Gäste persönlich durch sein Schloss

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 Freundliche Begrüßung der Heimatkundler durch Franz Freiherr von Ulm zu Erbach (rechts).
Freundliche Begrüßung der Heimatkundler durch Franz Freiherr von Ulm zu Erbach (rechts). (Foto: Gisbert Hoffmann)
Barbara Schupp

Die Teilnehmer für die Fahrt nach Warthausen wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht. Vom jetzigen Hausherrn Franz Freiherr von Ulm zu Erbach wurde die Gruppe sehr freundlich am Schloss empfangen. Die anschließende Führung durch die Räume nahm er selbst vor und konnte dabei die Besucher durch seine reiche Kenntnis der Historie informativ und dabei äußerst unterhaltsam führen. Für die Teilnehmer war es ein echtes Highlight.

Schon im Mittelalter stand hier, an der engsten Stelle des Rißtals, ein Vorgängerbau, der allerdings 1621 nach Blitzeinschlag abbrannte. Danach wurde das heute noch existierende Gebäude durch die Kirchenbaumeisterfamilie Wiedemann auf den vorhandenen Resten in barockem Stil wieder aufgebaut. Der Stuck im Inneren stammt ebenfalls von Mitgliedern dieses Familienunternehmens, aber auch von Johann J. Vogel, einem Schönborn-Stukkateur. Auch Künstler, welche im Tettnanger Neuen Schloss gewirkt haben, sind durch Arbeiten vertreten, Figuren im Musikraum von Joseph Anton Feuchtmayer oder ein Gemälde von Franz Martin Kuen.

Von Ende des 17. Jahrhunderts bis 1827 befand sich das Gebäude im Besitz der Grafen von Stadion, danach kam es an das Land Württemberg. Von diesem erwarb es 1829 Wilhelm von Koenig zu Warthausen. Laut unserem Führer rettete eine Nachfahrin, Gabriele von Koenig zu Warthausen die Inneneinrichtung und vor allem die bemerkenswerte Bibliothek nach Ende des II. Weltkriegs vor den Franzosen. Sie als Bibliothekarin erschloss auch den Buchbestand und war daneben schriftstellerisch tätig. Die Bibliothek hat heute den Status eines Kulturdenkmals, da sie einen umfangreichen Bestand noch aus der Zeit der Grafen von Stadion aufweist, mit dem schon Christoph M. Wieland gearbeitet hat. Für diesen erlesenen Bestand sorgte Graf Friedrich von Stadion, der hinter den Ideen der Aufklärung stand und auch Voltaire kannte.

Während des Besitzes durch Friedrich Graf von Stadion entwickelte sich das Schloss zu einem Musenhof. Christoph M. Wieland unterhielt den Hausherrn und die Gäste bei Tischlesungen und wirkte als Erzieher der Kinder des Grafen. Johann H. Tischbein war zu Gast und porträtierte den Grafen und zwei Töchter. Eine, Maximiliane wurde später letzte Fürstäbtissin im Damenstift Buchau, eine weitere, Maria Anna heiratete in die Familie von Schall zu Bell ein. Übrigens, die dritte Ehefrau von Franz Xaver von Montforts war eine geborene Reichsgräfin von Schall zu Bell.

Die Grafen von Stadion hatten daneben, wie auch die Montforter, enge verwandtschaftliche Beziehungen zum Adelsgeschlecht Schönborn. Sie waren, wie die Montforter, Reichsgrafen und pflegten enge Beziehungen an den habsburgischen Hof.

Besonders erwähnte Franz Freiherr von Ulm zu Erbach noch Sophie von La Roche. Sie und ihr Mann lebten beim Schloss im Amtshaus, das auch als Gästehaus diente, und standen im Dienst des Grafen Friedrich von Stadion. Sophie war die erste deutsche weibliche Berufsschriftstellerin. Sie wurde bekannt durch den Frauenroman ‚Geschichte des Fräuleins von Sternheim‘ und Autorin der ersten deutschen Frauenzeitschrift ‚Pomona‘. Berühmte Enkelkinder von ihr waren Bettina von Arnim und Clemens Brentano.

Im Schloss, das für das Denkmalamt ein Glücksfall ist, da die Stadionschen Räume nie verändert wurden, sieht man heute noch das ursprüngliche Mobiliar, überreich gestaltete Schränke und exklusives Porzellan. Im Boudoir hängt die originale Seidentapete, die Anna Maria von Sickingen, Gemahlin von Friedrich von Stadion, zur Geburt ihres Sohnes von ihren Eltern geschenkt bekommen hat.

Den Abschluss der Schlossbesichtigung bildete die Schlosskapelle mit ihren Fresken.

Danach ging es zum Kaffee trinken in Warthausen, obwohl uns allen der Abschied schwer fiel, so interessant war es im Schloss.

Da die Fahrt ein so großes Interesse gefunden hat und nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten, wird die Tour nächstes Jahr wiederholt.

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