Das beste Argument gewinnt

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 Die Teilnehmer des Regionalwettbewerbs: (von links): Denis Weishaupt, Sofie Bonfert, Raphael Schneider, Luisa Leibensberger, Le
Die Teilnehmer des Regionalwettbewerbs: (von links): Denis Weishaupt, Sofie Bonfert, Raphael Schneider, Luisa Leibensberger, Leander Maikler, Ida Krafft und Kalle Holland mit Lehrer Sebastian Korth. (Foto: joki)
Johannes Kienzler

„Soll der öffentliche Nahverkehr innerhalb eines Jahres auf Elektrobetrieb umgestellt werden?“ und „Sollen grundsätzlich auch Nicht-Pädagogen an Schulen unterrichten?“: Mit Fragen dieser Art beschäftigt sich der Debattierclub des Montfortgymnasiums Tettnang, dessen Mitglieder am Regionalfinale von „Jugend debattiert“ Bodensee- Oberschwaben in Sigmaringen teilgenommen haben.

Beim Regionalfinale, an dem 24 Jugendliche teilgenommen haben, starteten die Debatten mit den jeweiligen Eröffnungsreden der Pro- und Contra-Seiten. Anschließend ging es in die freie Aussprache, in der es den Debattierenden erlaubt war, sich ins Wort zu fallen und sich gegenseitig den Ball zuzuspielen, ehe beide Seiten in einer einminütigen Schlussrunde die Chance hatten, ihre Argumente nochmals zusammenzufassen und die Debatte aus ihrer Sicht nachzuzeichnen, wie es der Betreuende Lehrer Sebastian Korth formulierte.

Bewertet wurden die Schüler dabei nach vier Kriterien: Gesprächs- und Ausdrucksfähigkeit, Überzeugungskraft und Sachwissen. Diejenigen, die die Juroren von sich überzeugen konnten, haben nun die Möglichkeit, ihr Können auf Landesebene im Stuttgarter Landtag unter Beweis zu stellen.

So wie die 14-jährige Luisa Leibensberger, die sich gegen ihre Konkurrenten aus Sigmaringen, Leutkirch und Salem durchzusetzen wusste. Bevor es allerdings soweit ist, bekommen sie und die restlichen Gewinner auf einer dreitägigen Fortbildung ein professionelles Coaching, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu schleifen.

Von England aus in die deutschen Universitäten

Die Kunst des verbalen Schlagabtauschs stammt aus England, wo bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts der erste Debattierclub gegründet wurde. In Deutschland erlangte das Debattieren erst in den 1990er-Jahren Bekanntheit, nachdem Studenten in Tübingen den ersten deutschen Club gegründet hatten. Mittlerweile gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 70 Debattierclubs, wie Lennart Lokstein, Präsident des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) berichtet.

Den Debattierclub am Montfortgymnasium hat Sebastian Korth im September des vergangenen Jahres gegründet. Zu Beginn gab es für seine Schüler eine Einführung in das Handwerk des Debattierens und es wurden verschiedene Kommunikationsspiele gespielt. Anschließend konzentrierte man sich in den Debatten auf Streitfragen aus dem Schulwesen sowie auf Fragen aus Kommunen-, Landes- und Bundesebene.

„Dieses Hobby fördert die Persönlichkeitsentwicklung“, so Sebastian Kort. „Man erkennt, wofür man eigentlich steht und für was man sich einsetzen möchte.“ Es gewinne nicht der, der am lautesten schreit, sondern der, der die besten Argumente hat.

Sebastian Korth und seine Schüler hoffen auf weitere Interessenten, die sich dem Club anschließen wollen.

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