Blasmusik ist wieder in - Dirigent Fabian Koch erklärt, warum

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Mann mit Brille steht neben einem Baum
Fabian Koch ist vom Potenzial der Stadtkapelle überzeugt und freut sich nun auf sein erstes Konzert mit der Blasmusikkapelle. (Foto: Angela Schneider)
Schwäbische Zeitung

Fabian Koch ist 35 Jahre alt und stammt aus Ludwigsburg. Er hat in Berlin Posaune studiert und in Leipzig ein Masterstudium mit dem Schwerpunkt Musikpädagogik absolviert. Am Bodensee lebt er seit 2013. Vor der Stadtkapelle Tettnang, die er offiziell mit der Stabübergabe beim Herbstkonzert übernimmt, hat er fünf Jahre die Musikkapelle Eriskirch dirigiert. Er unterrichtet an den Musikschulen in Friedrichshafen, Kressbronn und Uhldingen-Mühlhofen. SZ-Redakteurin Angela Schneider hat sich mit ihm unterhalten.

Wie war die erste intensive Probenphase mit der Stadtkapelle für Sie?

Sehr gut. Wir haben Ende September mit der Programmvorbereitung angefangen und in den Registerproben sind wir natürlich auch gleich ins Detail gegangen – vor allem bei den „Armenischen Tänzen“, unserem Hauptstück. Ich sehe da ein gutes Potenzial und mir macht es großen Spaß, mit so einem guten Orchester zu arbeiten. Die Musiker sind willig, auch wenn wir bestimmt noch in der gegenseitigen Kennenlern-Phase sind. Aber ich habe einen guten Eindruck und freue mich aufs Konzert.

Sie haben ja auch Musikpädagogik studiert. Hilft einem das, wenn man so ein Orchester dann auch auf der menschlichen Ebene „in die Finger“ bekommen möchte?

Ja. Vor allem hilft einem, wenn man selbst viel in Orchestern gespielt hat oder noch spielt, weil man eine andere Sicht auf die Dinge bekommt, wenn man die Musik selbst mit dem Instrument in der Hand macht. Und auch, wenn man selbst aus dieser Blasmusikorchester-Tradition kommt, weil man dann weiß, worauf es ankommt.

Wo steht die Stadtkapelle im Moment musikalisch, wo gibt es Entwicklungspotenzial?

Natürlich hat die Stadtkapelle mit ihrer langen Geschichte von mehr als 200 Jahren ihre Spieltradition und sicherlich habe auch ich die eine oder andere Vorstellung, die für die Stadtkapelle neu ist. Aber das ist ja auch Teil des Kennenlern-Prozesses. Die Kapelle spielt in einer guten Oberstufe und von diesem Punkt aus können wir uns sicher weiterentwickeln. Das Potenzial hat das Orchester sicherlich bei dem, was man üblicherweise bearbeitet: Dynamik oder Intonation, daran kann man immer was tun, gerade auch bei neuen und noch unbekannten Stücken. Phrasierung und Artikulation sind mir ganz wichtig, da bieten auch die Armenischen Tänze einiges. Insgesamt ist das Programm für das Herbstkonzert gut dazu geeignet, sich abzustimmen und kennenzulernen.

Blasmusik erlebt derzeit ja eine Renaissance, traditionelle Stile und Instrumente werden mit moderner Musik gemischt, aber auch Volksmusik ist wieder angesagt. Nutzt ein solcher Trend auch einem typischen Blasorchester wie der Stadtkapelle?

Mir ist es ohnehin wichtig, gut durchmischte Musik zu machen, zumal ich vielleicht meine Vorlieben pflege, aber keine besonderen Schwerpunkte setze. Diese Renaissance macht sich bemerkbar in den verschiedenen Stilen, die man mit einer Kapelle umsetzen kann. Es gibt auch immer mehr Arrangements und Kompositionen, die populäre Einflüsse pflegen, zum Beispiel aus der Rock- oder der Popmusik. Das ist super, weil Hits aus dem populären Bereich schnell auch als gute Arrangements für Blasorchester zur Verfügung stehen.

Geht das zulasten der sinfonischen Blasmusik, die ja ein anderes Niveau hat?

Zulasten würde ich nicht sagen, weil man das ja auch gut kombinieren kann. Für das Herbstkonzert habe ich geschaut, dass wir im ersten Teil eher den klassisch-sinfonischen Bereich berücksichtigen, im zweiten Teil gehen wir eher in die Unterhaltungsecke. Und eine junge Generation an Komponisten wie zum Beispiel Markus Götz oder Martin Scharnagl, die jetzt alle so in ihren Dreißigern, Vierzigern sind, ist mit Popmusik und auch elektronischer Musik aufgewachsen, und das hört man natürlich auch in den Arrangements, zum Beispiel in der Instrumentierung. Aber das geht sicherlich nicht zulasten der sinfonischen Musik, das ist eher eine Erweiterung.

Macht es den Orchestern mehr Spaß, so etwas zu spielen?

Ich glaube schon. Jeder einzelne Musiker hat seine Vorlieben oder das, was ihm weniger gefällt. Aber das Spektrum wird breiter, und so ist dann doch eher für jeden was dabei. Davon profitiert am Ende wieder das gesamte Orchester.

Vereinsarbeit kann sehr fordernd sein, zeitlich und auch persönlich. Womit können Sie gut entspannen?

Ich mache sehr gerne Yoga, treibe aber auch viel Sport, gehe Joggen oder Fahrradfahren. Mit unserem kleinen Sohn sind wir sehr viel draußen. Yoga versuche ich auch immer ein bisschen in meinen Instrumentalunterricht aufzunehmen, weil die Kombination aus geistiger und körperlicher Disziplin und Konzentration sehr hilfreich ist. Denn genau darauf kommt es ja auch an: Im Moment zu funktionieren. Da unterstützt Yoga sehr gut. Und beim Joggen zum Beispiel bekomme ich gut den Kopf frei.

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