B 30-neu: Bürger äußern ihre Bedenken

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Regierungspräsident Klaus Tappeser ist in Tettnang zu Gast.
Regierungspräsident Klaus Tappeser ist in Tettnang zu Gast. (Foto: anrö)

Die Veranstaltung „B 30-neu – Straßenbau in der Region“ hat am Dienstagabend zahlreiche Bürger aus Tettnang und Umgebung zum Bürgerstammtisch der Tettnanger Christdemokraten ins Hotel Rad gelockt hat. CDU-Vorsitzende Sylvia Zwisler freute sich über das große Interesse und begrüßte Regierungspräsident Klaus Tappeser aus Tübingen, der zu Beginn eine kurze Einführung zum Thema gab.

Neues gebe es seit der jüngsten Infoveranstaltung in der Humpishalle in Brochenzell nicht zu berichten. Die Tendenz gehe nach wie vor zur Osttrasse, da bei der Westtrasse die größeren Konflikte bestehen. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Viele Dinge seien gegeneinander abzuwägen, zum Beispiel die Verkehrswirksamkeit des Straßennetzes von Ost- und Westtrasse und die artenschutzrechtlichen Belange. „Wir wissen, dass die Osttrasse für die Landwirtschaft ein schmerzhafter, zum Teil sogar existenzieller Einschnitt sei, deshalb müssten Ausgleichsflächen, die nicht im Baugebiet liegen, generiert werden. Bitte fragen Sie – ich werde Ihre Fragen zum Regierungspräsidium nach Tübingen mitnehmen und kann Ihnen eine Antwort versprechen“, sagte Tappeser.

Konrad Wolf, ehemaliger Ortsvorsteher aus Kau, dankte Klaus Tappeser, der ihm persönlich versichert habe, dass rechtzeitig Kontakt zu den betroffenen Landwirten aufgenommen würde, um über alles zu sprechen. Dass die Straße sein müsse, das sei allen klar, auch wenn es für viele Landwirte „eng“ würde.

„Wie sieht es mit der Luftverschmutzung aus? Die Osttrasse wird ja um einiges länger. Sind die Menschen oder die Tierchen wichtiger?“ fragte Heribert Geiger. Auch Fraktionsvorsitzender Manfred Ehrle sieht in der längeren Strecke eine Belastung für die Autofahrer und die Luftreinheit. Kaus Ortsvorsteher Joachim Wohnhas wies auf das viele Baumaterial hin, das diese längere Strecke verschlingt.

„Warum wird kein Tunnel gebaut, wie in vielen Nachbarländern?“ fragte eine Tettnangerin. Ein anderer Besucher, der nur 300 Meter entfernt von der Osttrasse wohnt, wollte wissen, was in puncto Lärmschutz angedacht ist. Thomas Maier aus Tettnang hat Bedenken, dass Straßen die Menschen trennen. Die Trasse solle eher als Brücke gebaut werden. Es gelte, Flächen zu schützen. „Auch ich weiß, dass wir eine Umfahrung brauchen“, sagte Landwirt Wolfgang Ruther. Bei der Osttrasse sind die Landwirte die Verlierer. Die Osttrasse mit ihrem Geschlängel zerstöre und zerschneide die Flächen und die Grundstücke sollen für einen „Appel und ein Ei“ verkauft werden“. Der Staat besitze seiner Meinung nach reichlich Flächen und gebe nichts davon her, von Privatleuten würde dies aber verlangt.

Es folgten Fragen zur Enteignungsgrundlage sowie ein Ausdruck großer Reue, dass vor vielen Jahren der Bau einer Bodenseeautobahn so vehement verhindert wurde. Jetzt müssten vierstreifige Bundesstraßen als Autobahnersatz „zusammengestückelt“ werden.

Der ehemalige Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Alfred Thiel, bat darum, die Abwägung Naturschutz und Westtrasse noch einmal zu prüfen und erhielt dafür Applaus und die Unterstützung von Heribert Geiger, der sich wünscht, dass eine demokratische Entscheidung getroffen wird und zwar für die Westtrasse.

„Ich bin froh, dass wir zu dem Konsens gekommen sind, eine Straße zu brauchen und das wir miteinander sprechen. Ihre Bedenken gebe ich weiter“, so Klaus Tappeser. Man sei bestrebt, bei der Planungsphase eine optimale Lösung für alle Betroffenen zu finden.

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