Ausbilder der Metall- und Elektroindustrie rüsten sich für die digitale Transformation

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Jochen Würstle (gestreiftes Hemd), Schulleiter der Elektronikschule Tettnang, erklärt den Ausbildern der Metall- und Elektroindu
Jochen Würstle (gestreiftes Hemd), Schulleiter der Elektronikschule Tettnang, erklärt den Ausbildern der Metall- und Elektroindustrie die Lernfabrik. (Foto: bildungswerk der baden-württembergischen wirtschaft)
Schwäbische Zeitung

Alle Experten sind sich einig: Die Digitalisierung der Wirtschaft wird die Arbeitswelt grundlegend verändern. Klar ist auch: Die jungen Leute müssen auf diesen Wandel schon heute vorbereitet werden. Auf was es dabei ankommt, darüber machten sich mehr als 20 Ausbilder von Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie aus der Region Bodensee-Oberschwaben Gedanken. Sie kamen an der Elektronikschule Tettnang zum halbjährlichen Austausch zusammen, wie das Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft mitteilt.

Von den Auszubildenden als zukünftige Fachkräfte werde erwartet, dass sie sich etwa im Umgang mit verschiedenster Software auskennen. Deshalb wurden nun für die Metall- und Elektro-Ausbildungsberufe sogenannte Zusatzqualifikationen definiert, die in Zukunft von den Auszubildenden gewählt werden können und über acht Wochen hinweg einen Einblick in ganz neue Bereiche ermöglichen – etwa in digitale Vernetzung, Programmierung oder IT-Sicherheit. Jedoch sei es immer schwieriger, das nötige Wissen für eine zukünftige Tätigkeit komplett innerhalb der Ausbildung zu vermitteln. Zumal beim Beginn einer Ausbildung meist nicht klar ist, welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten in vier Jahren denn nun wichtiger sind als andere. Deshalb geht man nun zu dem Ansatz über, die Auszubildenden im selbst gesteuerten Lernen zu schulen, schreibt das Bildungswerk.

Der Ausbilder wird dabei mehr und mehr zum Coach. Markus Hatzing, Ausbilder bei Rolls-Royce Power Systems, stellt fest: „Wir sind nicht mehr die allwissenden Lehrer. Wir müssen bereit sein, Themen gemeinsam mit den Auszubildenden zu erarbeiten.“ Dafür haben er und viele seiner Kollegen eine pädagogische Weiterbildung besucht, die sie für diese Rolle fit machen soll.

Welche technischen Aspekte, meist zusammengefasst unter dem Begriff „Industrie 4.0“, wichtig sind, lässt sich besonders anschaulich an einer Lernfabrik, einer Produktionsstraße im Modellformat, zeigen. Die Anlage und das dazugehörige Unterrichtskonzept wurden den Ausbilderinnen und Ausbildern vom Schulleiter der Elektronikschule, Jochen Würstle, erläutert. „Das soll eine Anlage zum Anfassen sein, zum Dran- Schaffen, nicht nur zum Staunen. Die Auszubildenden werden beispielsweise mal einen Frequenzumrichter aus- und wieder einbauen müssen. Oder absichtlich eingebaute Fehler suchen.“ So sollen die Problemlösungskompetenz und das Prozessverständnis gestärkt werden. Die Lernfabrik ist zum neuen Schuljahr betriebsbereit und wird am 5. Oktober eingeweiht. Sie soll sowohl für den Unterricht als auch für die Schulung externer Fachkräfte genutzt werden. Zusätzlich wird ein neuer Rahmenlehrplan dafür sorgen, dass sich die an der Berufsschule zu erlernenden Kompetenzen der „digitalen Realität“ annähern.

In der Diskussion wurde deutlich, dass keine einheitliche Definition der digitalen Transformation existiert. Das wiederum führt jedem vor Augen, wie komplex das Thema ist und wie flexibel sich jedes ausbildende Unternehmen auf die kommenden Herausforderungen einstellen muss, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

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