Aktion: Bürger, stürmt eure Schlösser

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Vor 100 Jahren, am 9. November 1918, wurde die Republik ausgerufen: Zu diesem Anlass öffnet das Neue Schloss kostenlos die Türen
Vor 100 Jahren, am 9. November 1918, wurde die Republik ausgerufen: Zu diesem Anlass öffnet das Neue Schloss kostenlos die Türen. (Foto: gbayerl)
Schwäbische Zeitung

Genau ein Jahrhundert ist es her, dass der erste Weltkrieg endete, die Monarchen abdankten und in Deutschland die Zeit der Demokratie begann. Am 9. November 1918, vor 100 Jahren, wurde die Republik ausgerufen, auch in Baden und Württemberg. Zugleich wurden damit die Residenzschlösser zu Museen und zu Orten, die nun allen gehörten. Das ist für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg Grund zum Feiern, wie es in einer Ankündigung heißt: Am 10. und 11. November gibt es daher freien Eintritt in neun Schlössern – auch im Neuen Schloss Tettnang.

Das Neue Schloss war am Ende des Ersten Weltkriegs schon seit langem nicht mehr der Sitz einer Landesregierung; schon seit dem 18. Jahrhundert residierten die einstigen Landesherren, die Grafen von Montfort nicht mehr in ihrem prächtigen barocken Schloss. Sie hatten 1779, hoch verschuldet, ihr Schloss und ihre Herrschaft an Österreich verloren. Im Zuge der napoleonischen Neuordnung kam Tettnang zuerst 1806 an Bayern und wurde endgültig 1810 ein Teil des neuen Königreichs Württemberg. Einige Zeit wurde das Schloss als Lazarett benutzt und diente dann als Wohnung für Bedienstete, Beamte und für staatliche Einrichtungen. Österreichische, bayerische und württembergische Dienststellen folgten nacheinander. Als in ganz Deutschland im Zug der Novemberrevolution die Schlösser gestürmt wurden, war das Neue Schloss schon lange kein Symbol mehr für die Monarchie.

Anders als in vielen Städten in Württemberg und in ganz Deutschland ging es in Tettnang am Ende des Ersten Weltkrieges eher beschaulich zu. Seit Ende Oktober hatte das lokale Amtsblatt pro-monarchische Texte veröffentlicht – die mehrheitliche Haltung in der Montfortstadt war katholisch-konservativ. Am 10. November 1918 hielt der Arbeiter- und Soldatenrat aus Friedrichshafen eine Versammlung in Tettnang ab, bei der die Abdankung des Kaisers und eine neue Regierung durch einen Arbeiter- und Soldatenrat für Tettnang bekannt gegeben wurde. Aber in den folgenden Wochen wurde der Tettnanger Arbeiter- und Soldatenrat von der Stadtverwaltung sabotiert und das katholisch-konservative Zentrum unter Führung des Bürgermeisters übernahm bald wieder die Macht in Tettnang.

„Stürmt eure Schlösser!“ – diesen Titel haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ihrer Aktion gegeben, mit der sie an die Ausrufung der Republik vor einem Jahrhundert erinnern. Mit dabei sind neun Monumente im ganzen Land: Schloss Bruchsal, das Residenzschloss Ludwigsburg, das Neue Schloss Meersburg, das Barockschloss Mannheim, das Residenzschloss Rastatt, Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Schloss Solitude bei Stuttgart, das Neue Schloss Tettnang und Schloss und Schlossgarten Weikersheim. Von Samstag, 10. November, bis Sonntag, 11. November, erhalten in diesen Schlössern alle Besucher freien Eintritt.

Als Extra gibt es an diesem Wochenende der offenen Schlossportale noch eine Fotoaktion: Alle, die ihr Selfie aus einem der neun teilnehmenden Schlösser und mit dem Hashtag #StürmteureSchlösser versehen auf Facebook oder Instagram hochladen, nehmen an einer Verlosung teil. Damit die Fotos besonders stimmungsvoll werden, gibt es in den Schlössern zum Verkleiden Hüte, Mützen und andere Accessoires, die an die bewegte Zeit vor 100 Jahren erinnern, in der die Republik begann – als Bürger, Revolutionärin, Republikaner oder Monarchistin. Die Fotos kann man noch zwei Tage nach dem Wochenende posten: bis Dienstag, 13. November.

Viele der Schlösser waren schon vor 100 Jahren nicht mehr Wohnsitz oder gar Regierungssitz. Die Jahrhunderte waren an den vielen repräsentativen Anlagen vorübergegangen und viele Schlösser waren längst schon zu Museen geworden. Mit dem Ende der Monarchie wurde der Schritt endgültig. Bis auf die Schlösser, die zum Privatvermögen der ehemaligen Herrscher gehörten und Wohnung wurden, waren nun alle Monumente mit monarchischer Tradition im Landesbesitz – und viele davon waren und sind besuchenswerte Sehenswürdigkeiten. Heute betreuen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg diese Monumente.

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