25 Jahre Hospizarbeit in Tettnang

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Das Publikum beim Festakt des Hopsizvereins Tettnang im Rittersaal applaudiert.
Das Publikum beim Festakt des Hopsizvereins Tettnang im Rittersaal applaudiert. (Foto: Mark Hildebrandt)
Angela Schneider

Ein gold-orangener Sonnenuntergang über dem Bodensee, Harfenmusik von Simone Häusler: Der Rahmen war gut gesetzt zum Festakt, der anlässlich von 25 Jahren ambulanter Hospizarbeit am Freitagabend in Tettnang stattfand.

„Wir sind überwältigt und sehr bewegt“, mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende des Hospizvereins, Hubert Jocham, die Gäste im Rittersaal des Neuen Schlosses. Im Rittersaal waren die ersten Reihen für diejenigen reserviert, die im Ehrenamt für den Hospizverein da sind: Menschen, die im Verein Funktionen übernehmen, vor allem aber diejenigen, die die Hospizarbeit in Tettnang begründet haben, und die Ehrenamtlichen, die sterbende Menschen und auch die Angehörigen im Prozess begleiten.

In einem kurzen Abriss über die Geschichte der Hospizarbeit und ihr Entstehen in Tettnang arbeitete Hubert Jocham einen Aspekt heraus: „Sprechen Sie in den Familien darüber, wie und wo sie sterben wollen.“ Heute gebe es ein praktisch flächendeckendes Angebot, das eine menschliche und würdige Begleitung am Ende des Lebens ermögliche. „Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass wir es gemeinsam schaffen, dass Menschen die Begleitung bekommen, die sie sich wünschen“, sagte er. Bürgermeister Bruno Walter richtete ein Grußwort an die Gäste des Festaktes und nutzte die Gelegenheit, sich bei all jenen zu bedanken, die sich vorbildlich und in herausragender Weise für die Hospizarbeit engagieren. „Sie verdienen höchsten Respekt und höchste Anerkennung, und ich bin stolz und dankbar, dass wir Sie in unserer Mitte haben“, sagte er – vor allem in einer Zeit, die immer kälter und gefühlloser werde.

Hauptrednerin des Abends war die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Erika Geser-Engleitner, die an der Fachhochschule Vorarlberg lehrt und forscht. Mit „Das Ehrenamt – Notnagel und Kitt der Gesellschaft“ war ihr Festvortrag überschrieben. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind demnach ein wichtiges, soziales Kapital einer Gesellschaft und einer Kommune. Sie pflegen ein umfangreiches, fest geknüpftes soziales Netzwerk, das grundlegend für ein zufriedenstellendes und gesundes Leben ist. Zusammenfassend ließe sich sagen, je höher das Ehrenamt und das Sozialkapital in einer Region ausgeprägt seien, desto höher seien auch Lebensqualität und Wirtschaftskraft dieser Region, und desto niedriger sei zum Beispiel auch die Kriminalitätsrate.

Jeder Zweite engagiert sich

Auch Zahlen aus Baden-Württemberg hatte Erika Geser-Engleitner mitgebracht. Eine davon löste im Saal spontanes Lachen aus: 49,8 Prozent der Männer und 46,6 Prozent der Frauen seien ehrenamtlich tätig – offensichtlich schlägt aber das Zahlenverhältnis im Hospizverein deutlich zugunsten der Frauen aus. Insgesamt sei im Land praktisch jeder Zweite freiwillig engagiert, damit liege Baden-Württemberg 4,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. „Aber das Ehrenamt ist kein Selbstläufer“, so die Erkenntnis der Referentin.

Mit dem Schlusswort von Hubert Jocham endete nicht nur der Festakt mit seiner heiter-gelösten und doch würdigen Stimmung. Die Ehrenamtlichen des Hospizvereins erfuhren mit einer Geste eine Wertschätzung ihrer Arbeit: Die Vereinsvorsitzenden überreichten all jenen, die in der Begleitung die wichtigste Säule des Vereins sind, eine Rose.

Dem Festakt war ein ökumenischer Gottesdienst in der Schlosskirche vorausgegangen, in dessen Predigt sich Pfarrer Thomas Wagner sensibel der Frage angenommen hatte, mit welchen emotionalen Ausnahmesituationen und Herausforderungen es jene zu tun bekommen, die leidende und sterbende Menschen begleiten.

Ruth Mendler, Monika Paulus und Konrad Fluhr brachten die ambulante Hospizarbeit auf den Weg, 1994 entstand in Tettnang eine Gruppe. 2009 erfolgte die Vereinsgründung. Der Hospizverein Tettnang wird von der Stadt Tettnang, von den katholischen Kirchengemeinden Seelsorgeeinheit St. Gallus und Seelsorgeeinheit Argental und von der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde Tettnang als Kooperationspartnern getragen. Der Verein finanziert seine Arbeit aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden sowie aus den Fördergeldern der gesetzlichen Krankenkassen. Rückgrat der ambulanten Hospizarbeit sind die ehrenamtlich Mitarbeitenden in der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen.

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