10.654 ermordete Männer, Frauen, Kinder: Tonfiguren erinnern an Euthanasie-Opfer

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 Pfarrerin Gabriele Verdeil zeigt die Figuren in der Vitrine.
Pfarrerin Gabriele Verdeil zeigt die Figuren in der Vitrine. (Foto: Diakonie)
Schwäbische Zeitung

Sie fragen nicht, sie schauen nur. Schauen, bis ihr Blick berührt und hilft, das Unfassbare zu begreifen.

Mit 10.654 individuell geformten Tonfiguren erinnert der Künstler Jochen Meyder in Grafeneck an 10.654 Menschen mit Behinderung, die dort 1940 ermordet wurden. 27 von ihnen kamen aus der „Pfleg- und Bewahranstalt Pfingstweid“.

Wenn man sie anschaut, ist es, als ob sie zu einem sprechen und von ihrem Schicksal erzählen.

Dirk Mußmann

Nun holt Pfingstweid sie symbolisch zurück: Bei der Gedenkfeier am 5. Mai erhielten 27 Figuren ein Zuhause in der Heilig-Geist-Kapelle. Das berichtet die Diakonie Pfingstweid in einem Schreiben.

Jede der Figuren steht auf einem Sockel aus Holz. „Wenn man sie anschaut, ist es, als ob sie zu einem sprechen und von ihrem Schicksal erzählen“, sagt Vorstand Dirk Mußmann.

Zusammen mit weiteren Führungskräften aus der Diakonie Pfingstweid war er im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Grafeneck.

Männer, Frauen und Kinder - Opfer des Nazi-Terrors

Insgesamt 10.654 Statuetten – Männer, Frauen und Kinder – liegen dort in einem wandhohen Regal und verdunkeln die dahinterliegende Glasfront. Besucher können eine oder mehrere Figuren mitnehmen und ihr eine neue Heimat geben.

So verbreiten sich die Figuren, finden ein Zuhause, erinnern und werben für die Inklusion von Menschen mit Behinderung und ein besseres Miteinander.

Gleichzeitig löst sich die Installation im Dokumentationszentrum auf und lässt Licht in den Raum – als Zeichen der Hoffnung.

„Die Figuren sind nackt, aber würdevoll in der Haltung. Jede hat ihr eigenes Gesicht, so dass Einzelschicksale greifbarer werden“, erklärt Pfarrerin Gabriele Verdeil.

Erinnerung an Einzelschicksale

Dabei hat Meyder sie nicht bis ins letzte ausgeformt, sondern dem Betrachter Spielraum für die eigene Begegnung und Interpretation gelassen.

Wichtig war ihm auch, dass jede einzelne Figur Ruhe findet und ausstrahlt. „Wir sind sehr froh, dass wir die in Grafeneck ermordeten 29 Menschen auf diese individuelle Art zurück in die Diakonie Pfingstweid holen können“, sagt Mußmann. „So schaffen wir neben der bereits vorhandenen Gedenktafel aus dem Jahr 2010 einen weiteren Anlass zur Erinnerung an die 27 Einzelschicksale und setzen ein Zeichen der Hoffnung.“

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