Äthiopienhilfe Tettnang hilft seit 15 Jahren

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Einweihung der Vorschule in Addis Abeba 2015. Zu sehen sind Raimund Moll (links), seine Frau Egigayehu (zweite von rechts) und d
Einweihung der Vorschule in Addis Abeba 2015. Zu sehen sind Raimund Moll (links), seine Frau Egigayehu (zweite von rechts) und die Kassiererin des Vereins, Brigitte Bucher-Leuthold (dritte von rechts). (Foto: Moll)
Johannes Kienzler

284 Kinder besuchen die Grundschule im äthiopischen Weserbe, rund 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba (Äthiopien). Dass die Jungen und Mädchen, die einst einen täglichen Schulweg von vier Stunden zu bewältigen hatten, dort überhaupt unterrichtet werden können, verdanken sie der „Äthiopienhilfe Tettnang“, durch deren Spenden die Gebäude der Schule 2005 fertiggestellt worden sind.

Bevor das Projekt 2013 dem Staat übergeben wurde, baute der Verein Räume für die Klassenstufen fünf bis acht, bohrte zwei Brunnen und richtete eine Bibliothek für die wachsende Zahl an Schülern ein. Auf das erste große Projekt folgten weitere, wie etwa der Bau einer Vorschule in Addis Abeba, die 2011 fertig wurde und seit der staatlichen Übernahme rund 400 Schülern den Zugang zu Bildung ermöglicht.

Finanziert durch Spenden

„Athiopienhilfe Tettnang“ wird von der gebürtigen Äthiopierin Egigayehu und ihrem Mann Raimund Moll geführt. Gemeinsam mit Almaz Seyifu Yadessa, der Schwester von Moll und Leiterin der Organisation „Beria“, die für die Verteilung der Spendengelder vor Ort zuständig ist. Der Verein finanziert sich über Spenden und Patenschaften.

Wie erfüllend letzteres sein kann, davon erzählen Janet Lindner und ihr Mann, die das Schulgeld und die Verpflegung der elfjährigen Hana bezahlen. Die Eltern der Viertklässlerin arbeiten als Tagelöhner und verdienen kaum genug Geld, um für Hana und ihre beiden Geschwister den Schulbesuch zu finanzieren. „Das Gefühl, einem jungen Menschen konkret helfen zu können ist schön“, berichtet Janet Lindner, die selbst drei Kinder hat. Und dass ihre Hilfe auf Dankbarkeit stößt, zeige der Brief, den Hana ihnen auf Amharisch, der Amtssprache Äthiopiens geschrieben hat. Inklusive eines selbstgemalten Bilds von ihr.

In den Städten gibt es Kinder, die keine Schule besuchen

Die Unterstützung bedürftiger Kinder wie Hana bildet eine weitere Säule im Programm der „Äthiopienhilfe Tettnang“. Erst im vergangenen Jahr absolvierten 91 Schüler, die seit der Grundschule mit Lernmaterialien und Hygieneartikeln versorgt worden waren, ihren Schulabschluss. Heute sind es noch 141 Kinder ab dem Kleinkindalter, die in Addis Abeba von dem Tettnanger Verein betreut werden.

Die Arbeit seines Vereins ist laut Moll wichtig, da der Staat vor allem auf dem Land noch nicht überall Schulen gebaut hat und es auch in den Städten noch immer Kinder gibt, die keine Schule besuchen können. Die Zukunft dieser jungen Äthiopier ist damit meist besiegelt: während die Jungen in ländlichen Gebieten die Landwirtschaft der Familie weiterführen werden, Mädchen teilweise noch immer zwangsverheiratet. In der Stadt bleibt den Kindern hingegen kaum eine andere Möglichkeit, als zu betteln, viele von ihnen konsumieren Rauschgift.

Da der Bau von Schulen für den Verein mittlerweile zu teuer geworden ist, konzentriert er sich in Zukunft verstärkt auf die Unterstützung bedürftiger Kinder und Jugendlicher. Und für viele junge Äthiopier war und ist diese Hilfe der Start in eine vielversprechende Zukunft.

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