„Ich werde täglich von Katzen hypnotisiert“

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Marianne Kaindl hat kürzlich ihren zweiten Katzen-Krimi veröffentlicht.
Marianne Kaindl hat kürzlich ihren zweiten Katzen-Krimi veröffentlicht. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)
Schwäbische Zeitung

Die Handlung von Marianne Kaindls Romanen klingt schon ein wenig abgefahren: Sie handeln von sechs Katzen, die zusammen einen Kriminalfall lösen. Die Handlung spielt in Überlingen und weiteren Orten am Bodensee. Die tierischen Charaktere entstanden in Anlehnung an Kaindls reale Haustiere: Sieben Katzen besitzt die Stettenerin, „Streuner“, die ihr seit Mitte der 90-er Jahre zugelaufen sind. Die Eigenschaften der Vierbeiner hat Kaindl bereits in ihrem ersten Roman aufgegriffen.

„Das Vermächtnis des Hypnotiseurs“ ist das zweite Buch von Kaindl, nach „Sechs Katzen und ein Todesfall“. Es ist am Montag im Eigenverlag ABB erschienen, knapp 100 Bücher hat sie schon an den Mann gebracht. Die Auflage des ersten Werkes von 2014 betrug 1000 Exemplare, rund die Hälfte davon hat sie verkauft.

Die 58-Jährige hat Germanistik, Buchwesen und Philosophie studiert und absolvierte eine Multimediaausbildung bei Siemens. Heute betreibt sie eine kleine Werbeagentur. „Das ist praktisch, denn die Cover meiner Bücher und die Flyer gestalte ich selbst“, sagt Kaindl.

Während ihr die Idee fürs erste Buch quasi über Nacht kam, reifte der Gedanke, eine Fortsetzung zu schreiben, bereits bei den Arbeiten zu ihrem ersten Roman. „Ich muss die Geschichte vor Augen haben. Dann schreibe ich sie nieder“, so Kaindl.

Katzen sind geborene Hypnotiseure

„Ich fand das Thema Hypnose spannend“, sagt Kaindl. Unter anderem, weil sie schon Pressearbeit für die Gesellschaft für therapeutische Psychose gemacht habe. „Und jeder, der Katzen besitzt, weiß, dass Katzen geborene Hypnotiseure sind“, so Kaindl. „Ich werde täglich von Katzen hypnotisiert. Ich mache willenlos, was sie wollen“, sagt die Katzenbesitzerin scherzhaft. Bei der Entwicklung ihrer Charaktere setzt Kaindl auf Vielschichtigkeit: „Ich mache es so, wie es Agatha Christie gemacht hat: Man denkt, man kennt den Mörder aber zehn Seiten vor Schluss erfährt der Leser die Info, die alles verändert.“ Sieben Monate lang hat Kaindl an dem neuen Buch geschrieben. Darin hat Kaindl auch die Stettener Sage vom Hasle-Maale aufgegriffen und neu interpretiert.

Laut Marianne Kaindl habe jede Katze ihre ganz eigene Funktion im Buch: „Coco ist die Ich-Erzählerin und Hauptakteurin, sie ist klein, charmant und verspielt aber auch egoistisch und liebevoll. Die Leser lieben sie, weil sie unbekümmert und Neugierig ist“, so Kaindl. „Dann muss es noch jemand geben, der die Mördersuche koordiniert. Das ist Goldie, sie führt Protokoll bei den Meetings“, so Kaindl. Eine Katze, die mit Papier und Stift schreiben kann? „Nein, mit dem ipad“, so die Autorin. „Im Buch gibt es einen verrückten Programmierer, der eine App entwickelt hat, die kätzisch auf deutsch übersetzt.“ So könnten die Vierbeiner auch mit Menschen kommunizieren. „Meine Arbeit bei Siemens war IT-lastig“, gibt Kaindl schmunzelnd zu. „Liebe Menschen im Buch verstehen die Sprache der Katzen auch ohne App“, so Kaindl. Mit im Ermittler-Team sind außerdem Purzel, Maxi, Merlin und Percy. Im wahren Leben vermenschliche Kaindl ihre Tiere angeblich nicht. „Im Buch müssen sie natürlich menschliche Züge erhalten. Es ist eine Gratwanderung zwischen Katzenverhalten und Vermenschlichung“, so die 58-Jährige.

Fans konnten sich im Buch verewigen

Ihre Bücher sieht Kaindl nicht im Fantasy-Genre verortet. „Darunter stellen sich die Leute Bücher wie Herr der Ringe vor“, so die Stettenerin. Es handele sich einfach um Katzen-Krimis. „Sie sollen spannend, aber auch witzig sein.“ Kritik von Lesern erhalte Kaindl nur positive. „Ich erkaufe mir keine Amazon-Rezensionen, die sind alle echt.“ Doch es gebe auch kritische Stimmen: „Manche sagen: Dafür hat die studiert?“ Doch das lasse Kaindl nicht an sich heran. Über Facebook konnten sich Fans von Kaindls erstem Roman im zweiten Buch verewigen: „Ich habe 16 Gastkatzen von Fans ausgewählt, die im neuen Buch eine Rolle spielen“, so die Stettenerin. 850 Freunde habe die 58-Jährige auf der Facebook-Fanseite, darunter auch Österreicher, Norwegen, Schweden und Luxemburger.

Auf die Frage, ob Sie ihre Bücher als Nischenprodukt sehe, antwortet Kaindl: „Katzenhalter sind nicht grade eine Nische. In Deutschland sind es um die acht Millionen“, so Kaindl. Für weitere Fortsetzungen hat Kaindl schon Ideen im Kopf: „Der nächste Teil wird sich um Künstlerkatzen drehen.“

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