Bäcker will Stetten weiter versorgen

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Gerüchten zufolge soll der Bäcker in Stetten schließen. Konkrete Pläne gebe es nicht, sagt Inhaber Markus Kränkel. Allerdings s
Gerüchten zufolge soll der Bäcker in Stetten schließen. Konkrete Pläne gebe es nicht, sagt Inhaber Markus Kränkel. Allerdings sei die Situation schwierig. (Foto: Symbol Oliver Berg/dpa)

Ein Gerücht geht in Stetten um: Angeblich soll die Bäckerei Kränkel ihre Filiale dort bald schließen. Solch ein Schritt sei derzeit aber nicht geplant, sagt Inhaber Markus Kränkel. Trotzdem macht sich der Meersburger Bäcker Gedanken über die Zukunft der Filiale in der 1000-Einwohner-Gemeinde. Die Schließung wäre ein großer Verlust für das Dorf, schließlich gibt es dort nur diesen einen Bäcker.

In den vergangenen Jahren sei es immer schwieriger geworden, Arbeitskräfte für den Verkauf zu finden. „Im Dienstleistungssektor bekommen wir den Fachkräftemangel voll zu spüren“, sagt er. In allen seinen acht Bäckereien sei das Personal knapp, Veränderungen werde es deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später geben. Stehe zu wenig Personal zur Verfügung, bleibe nichts anderes übrig, als die Öf-fnungszeiten zu reduzieren. In letzter Konsequenz müsse sogar darüber nachgedacht werden, Filialen zu schließen. „Es ist nicht möglich, Arbeitsplätze zu halten für Leute, die es nicht gibt“, sagt Kränkel.

Fachkräfte sind in der Branche schwer zu kriegen

Seine Erfahrung ist, dass Bäckereien vom Fachkräftemangel besonders stark betroffen sind. „Im Gegensatz zu den meisten anderen Berufen im Handwerk haben Bäckereien eine Sieben-Tage-Woche. Betriebsferien gibt es nicht“, sagt er. Aufgrund von Personalmangel seien die Öffnungszeiten in der Stettener Filiale bereits reduziert worden: Montags ist sie geschlossen. Die Stammbesetzung besteht dort lediglich aus einer Mitarbeiterin. Fällt sie aus, bleibt die Filiale zu. Eine Ursache dafür, dass es immer schwieriger wird, überhaupt geeignetes Personal zu finden, sei möglicherweise die Hochkonjunktur. Kränkel vermutet, dass Arbeitskräfte schlichtweg in die Industrie abwandern. „Die Industrie zahlt besser als Handwerker oder Einzelhandel“, sagt er.

Grundsätzlich sei es denkbar, eine kleine Filiale wie die in Stetten zu schließen, sagt Kränkel. Denn auch dort müssen Fixkosten bezahlt und Auflagen erfüllt werden. Hinzu komme dann auch noch, dass in kleinen Dörfern generell eher wenig Umsatz erzielt werden könne. „Wenn man darüber nachdenkt, Filialen zu schließen, kommen natürlich zuerst die mit dem geringsten Umsatz infrage“, sagt er. Im Fall der Stettener Filiale habe er aber noch keine Entscheidung getroffen. „Unser Ziel ist, die Filiale in Stetten zu erhalten“, sagt er.

Neues Konzept könnte Nahversorgung sichern

Dass sie nicht das Zugpferd in seinem Unternehmen werden würde, sei ihm bereits klar gewesen, als er sich dafür entschied, sie zu eröffnen. Sein Antrieb sei es nicht gewesen, groß zu expandieren. „Uns geht es um die Nahversorgung von Stetten“, sagt er. Zwar denke er darüber nach, das Geschäftsmodell in Stetten zu ändern, doch das Ziel sei weiterhin, die Stettener mit Brot zu versorgen. Kränkel will sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht dazu äußern, wie weit diese Überlegungen gediehen sind und wie genau solch eine Veränderung aussehen könnte.

„Für Stetten ist es sehr wichtig, einen Bäcker im Ort zu haben“, sagt Bürgermeister Daniel Heß. Momentan sei die Grundversorgung noch gesichert – und das solle auch so bleiben. Während der Großteil der jungen Stettener zwar außerhalb arbeite und Einkäufe auch unterwegs erledigen könne, sei die Nahversorgung vor allem auch für ältere Menschen wichtig, die nicht mehr mobil sind. „Bevor die Bäckerei Kränkel die Filiale übernommen hat, war es ein ziemliches Tauziehen“, sagt er. Es sei schwierig gewesen, überhaupt jemanden zu finden, der dort einsteigt.

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