Vom Bodensee gibt es jetzt einen Brot-Gin

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 Die Maische ist angesetzt und Gin-Brennerin Silke Senft (links) freut sich auf ein exzellentes Ergebnis.
Die Maische ist angesetzt und Gin-Brennerin Silke Senft (links) freut sich auf ein exzellentes Ergebnis. (Foto: Großkopf)
Siegfried Großkopf

Man lege 20 Kilogramm Alt-Brot acht Tage in einen Bottich mit purem gebrannten Alkohol, gebe 21 Kräuterarten von der Insel Reichenau in die vollgesaugte Mischung und beginne den Brauprozess.

Die Spannung steigt, denn bisher haben weder Brennermeister Herbert Senft noch seine Tochter, Edelbrandsommeliere Silke Senft, jemals auch nur an Brot-Gin gerochen. Auch Bäckermeister Josef Baader nicht, der das Brot geliefert hat. Eine knappe Dreiviertelstunde später herrscht Begeisterung in der Brennerei.

 Nicht weniger als 21 Kräuterarten von der Insel Reichenau kommen in den Altbrot-Gin.
Nicht weniger als 21 Kräuterarten von der Insel Reichenau kommen in den Altbrot-Gin. (Foto: Großkopf)

Franziska Baader von der gleichnamigen Landbäckerei in Frickingen, Tochter von Firmenchef Josef Baader, macht sich schon lange Gedanken darüber, wie mit den Brot-Retouren sinnvoll umgegangen werden kann. Ein Teil wurde an einen Haustierhof verschenkt, doch es blieb immer noch ein „verwertbarer toller Rest“ übrig, wie sie bedauerte.

Aus Alt-Brot wird Brot-Gin

Der Zufall wollte es, dass sie unter anderem aus Österreich von zwei Bäckerei-Betrieben gehört hat, die aus Alt-Brot Brot-Gin herstellen. Das erzählte sie Silke Senft, und der Versuch wurde nach einem halben Jahr des Beratens und Tüftelns gestartet. Von Baader kam das Brot, von Senft der Alkohol und das Rezept, von der Reichenau die Kräuter, – und vom Zoll das grüne Licht.

Minze, Melisse, Salbei, Kamille, Zitronengras, Koriander, Wachholder – als die Basis jeden Gins – und noch mehr Kräuter wurden am Donnerstag in der kleinen von mehreren Brennstuben der Rickenbacher Destillerie der Maische aus Brot und Alkohol zugefügt, aus der ansonsten Obstbrände kommen. 44 Prozent Alkoholgehalt hat der Brot-Gin, der ab Mitte November verkostet werden kann.

Flüssiges Brot mit Dinkeleinfluss

Brot hat einen guten Eigengeschmack, vor allem durch den Dinkeleinfluss, zeigte sich Bäckermeister Josef Baader gestern begeistert von seinem „flüssigen Brot“. Den außergewöhnlichen Gin wird er auch in seiner Bäckerei verkaufen. „Fruchtig, frisch und superweich“ sei er, der neue Brot-Gin, freut sich Silke Senft, die nach einem ersten Verkosten von einem „tollen Geschmackserlebnis“ spricht und hofft, dass der Gin-Trend anhält und nun eine zusätzliche Facette erhält.

Stoßen auf das gelungene Experiment an (von links): Franziska und Josef Baader, Silke und Herbert Senft.
Stoßen auf das gelungene Experiment an (von links): Franziska und Josef Baader, Silke und Herbert Senft. (Foto: Großkopf)

Vater und Brennermeister Herbert Senft bereitet sich derweil auf eine Ergänzung seiner 500 Fässer vor, unter denen sich spanische Cherry-Fässer ebenso befinden wie die für Rotwein vom Kaiserstuhl, Bourbon- und Rum-Fässer aus der Karibik. Der Renner bei der Kundschaft ist übrigens nach wie vor sein Williams – der sich jetzt jedoch der starken Konkurrenz Brot-Gin stellen muss.

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