Thema „Wolf “ schlägt weiter große Wellen

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Marvin Weber

Die Sichtung des Jungwolfs im Bodenseekreis im Juni und wenige Wochen später der Fund des toten Tieres im Schluchsee hat in der Region für reichlich Diskussionen gesorgt. Im Rahmen des Bundestagswahlkampfs hat Markus Böhlen, der Kandidat der Grünen im Bodenseekreis, deshalb mit Schäfermeister Florian Gulde aus Salem über die Wiederansiedlung des Wolfes gesprochen. Ebenfalls vertreten waren seine Parteikollegen Martin Hahn (Landtagsabgeordneter) sowie Maria Heubuch, die für die Grünen im EU-Parlament sitzt. Auch Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landeschafzuchtverbandes, war bei der Diskussion vertreten.

„Das Thema Wolf hat in den vergangenen Wochen große Wellen geschlagen. Jetzt ist es wichtig, mehrere Sichtweisen zu durchleuchten und eine gemeinsame Lösung zu finden“, sagte Markus Böhlen ganz zu Beginn des Hofbesuchs. Martin Hahn, der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen, betonte, dass es bei den vielen Diskussionen nicht mehr darum gehe, ob es den Wolf geben sollte oder nicht. Dieser sei schließlich durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt: „Wir müssen jetzt über Maßnahmen reden, die in die Landschaft von Baden-Württemberg passen und gleichzeitig aber auch ökonomisch vertretbar sind. Das Thema Wertschöpfung muss für die Schäfer auch mit der zusätzlichen Aufgabe des Wolfsschutzes weiterhin möglich sein“, sagte Hahn.

Um die Schafherden vor dem Wolf zu schützen gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist die Absicherung durch Herdenschutzhunde. Schäfer Florian Gulde, dessen zeitweise rund 1200 Schafe, lediglich 15 Tage pro Jahr im Stall verbringen und sonst auf den Weiden in der Bodenseeregion heimisch sind, bräuchte für seine Herde rund zehn Schutzhunde. Pro Hund müsse mit einem monatlichen Unterhalt von rund 1000 Euro gerechnet werden, so die Berechnungen von Anette Wohlfarth vom Landesschafzuchtverband. „Außerdem ist solch ein Herdenschutzhund auch nicht ganz ungefährlich für die Bevölkerung“, fügt Gulde hinzu.

Umweltausschusses befasst sich mit der Thematik

Nach Meinung von Anette Wohlfarth müsse vor allem bei der Fragen der Versicherung und Haftung etwas verbessert werden. Für sie sei eine Absicherung mit elektrisch gesicherten Netzen eine praktikable Schutzmaßnahme, die jedoch noch weiterentwickelt werden müsse. „Und zwar bevor sich der Wolf hier angesiedelt hat“, sagte Wohlfarth.

Für den Salemer Schäfer Gulde, der den Betrieb in zweiter Generation weiterführt, sei eine Wiederansiedlung von Wolfsrudeln existenzbedrohend. „Für mich gibt es keine effektive Schutzmaßnahme. Ein Schutz durch Hunde funktioniert nicht zuverlässig und Zäune sind arbeitswirtschaftlich nicht umsetzbar“, sagte Gulde. Wenn der Wolf wirklich komme, sei er langfristig gezwungen, sich einen anderen Beruf zu suchen.

Wie mit dem Thema Wolf in Zukunft umgegangen werden soll, wird auch in einer Anhörung des Umweltausschusses im baden-württembergischen Landtag am 26. Oktober besprochen.

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