Perfektes Heimspiel für Rea Garvey

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Vivien Götz

Rea Garvey hat sie alle mitgerissen. Beim ausverkauften Open-Air in Salem am vergangenen Samstag sorgte der Ire mit unglaublicher Energie und bunten Riesenluftballons für ausgelassene Stimmung. Im Gepäck waren aktuelle Hits, einige Klassiker und viele persönliche Erinnerungen an seine Zeit am Bodensee.

Schon die Vorband Picture This war ein überraschendes Highlight. Mit tanzbarem Alternative-Pop und einem sympathischen Frontsänger nahmen sie das Publikum für sich ein. Die irische Band erreichte mit ihrem ersten Album 2015 in Irland Doppel-Platin Status – wird in Deutschland aber bisher kaum im Radio gespielt. Mit ihrem spritzigen Auftritt konnten sie sich bei den Zuschauern auf der Schlosswiese aber auf jeden Fall als Neuentdeckung empfehlen.

Als Rea Garvey dann sein Konzert mit dem aktuellen Hit „Kiss me“ eröffnete, war das Publikum endgültig begeistert und die Stimmung explodierte. „Ich bin so nervig positive“, sagte der 46-Jährige in seinem typisch deutsch-englischen Slang. „Wenn ich, der aus so einem kleinen Dorf kommt, es auf diese Bühne hier schaffen kann, dann kann jeder von euch alles schaffen“, lautete die Botschaft, die Garvey mit seinem Song „Amour“ unterstrich: „Hey, hey, Don´t Be Afraid To Get Loud“, sang der Ire und spielte das „Hey“ immer wieder zum Publikum.

Am Bodensee fing alles an

„Es war der totale Flashback für mich, wieder da zu sein, wo ich angefangen habe Musik zu machen“, erzählte Garvey, der Ende 1998 nach Deutschland kam. Damals lebte er bei einer Familie in Ilmensee. „Ich habe jeden Pub am Bodensee angerufen um auftreten zu können“, erinnerte er sich. „Diese Familie hat mir gezeigt, was für ein großes Herz Deutschland hat. Robbie hat mich damals zu jedem Gig gefahren und wenn sie nicht an mich geglaubt hätten, dann wäre ich heute nicht hier“, zeigte sich der Sänger ganz gerührt, angesichts der Rückkehr in die Gegend seiner musikalischen Anfänge.

Neben dem lockeren Geplauder machte Garvey natürlich auch ganz viel Musik. „Hometown“, „Is It love?“ und „Colour Me In“, aus seinem aktuellem Album „Neon“, wurden vom Publikum begeistert begleitet. Mit grenzenloser Energie turnte und sprang Garvey über die Bühne und lies den Zuschauern gar keine andere Wahl, als sich von seiner guten Laune anstecken zu lassen.

Trotz all der Euphorie nahm sich der Musiker auch Zeit für ein ernstes Thema. „Trough The Eyes Of A Child“ – ein Song den Garvey schon 2008 mit seiner Band Reamonn aufgenommen hatte – widmete er der „Fridays-for-Future“-Bewegung. „Diese Kinder sind unsere Hoffnung, deshalb bitte ich euch um eine Minute Aufmerksamkeit für Greta Thunberg“, sagte der Vater einer 13-jährigen Tochter und spielte Ausschnitte aus einer Rede Thunbergs ein. „This Life Is So Complicated Until We See It Thorugh The Eyes Of A Child“, sang Garvey und forderte sein Publikum dazu auf, die Kinder bei ihrem Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Das Publikum – mehrheitlich der Generation angehörig, die sich von Greta Thunberg Vorwürfe machen lassen muss – war nur mäßig begeistert und reagierte mit dem zurückhaltendsten Applaus des Abends.

Lange nahmen die Zuschauer Rea Garvey diesen Ausflug in die Politik aber nicht übel. Am Ende des Konzerts forderten sie lautstark eine Zugabe. Diesem Wunsch kam Garvey gerne nach, bedankte sich bei seiner Band und entließ das euphorisierte Publikum mit „Never Giving up“ in die Sommernacht.

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