Mord und andere Schandtaten im Kloster Salem

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Von Mord und anderen Schandtaten im Kloster Salem
Von Mord und anderen Schandtaten im Kloster Salem (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Mit ihrem Erstlingsroman, dem soeben vorgelegten historischen Kriminalroman „Das Geheimnis von Salem“, ist Birgit Rückert die Überraschung voll gelungen.

„Das war ein Spaß und nie zur Veröffentlichung gedacht“, bekennt die promovierte Archäologin im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Seit Jahren ist sie in Salem tätig, zuerst im Dienst des Markgrafen von Baden als Leiterin der Salemer Kultur und Freizeit GmbH und seit dem Verkauf des Schlosses an das Land Baden-Württemberg als Verwalterin im Dienst der Staatlichen Schlösser und Gärten. Ihr untersteht nicht nur Schloss Salem, sondern auch die Festung Hohentwiel, das Neue Schloss in Meersburg und das Fürstenhäusle der Droste. Damit sind weitere Möglichkeiten abgesteckt. Doch Birgit Rückert winkt ab: Ob sie weiterschreiben wird, will sie noch nicht zusagen.

Im Laufe der Jahre habe sie immer wieder kleine Geschichten aufgeschrieben und eigentlich vorgehabt, sie ihren Mitarbeitern als Weihnachtsgeschenk zu präsentieren. Aber fünfzig Mal kopieren? Das brachte sie auf die Idee, beim Gmeiner Verlag in Messkirch anzufragen, und der sagte schon nach einer Woche zu: Ein lokal verankerter Krimi passte ins Programm. So wurde aus den Geschichten ein Roman, der mitten hineinführt ins ehemalige Zisterzienserkloster Salem.

Der Ursprung ihrer Geschichte war die in alten Chroniken des Klosters berichtete Mär vom Mönch, der durchs Spundloch des großen Fasses fällt und ertrinkt: „Aber ach! dem Rand entgleitend, stürzt er in des Fasses Meer“, heißt es bei Ignaz Hub im Badischen Sagenbuch, wo die immer weitererzählte Geschichte Eingang fand. Schon früh wurde die Wahrscheinlichkeit diskutiert: Ob da einer nachgeholfen hat? Jedenfalls fällt ein Mönch ins Fass und wird in ungeweihter Erde verscharrt. Aber der Arme findet keine Ruhe, es spukt bis heute und riecht dabei nach Weihrauch...

Birgit Rückert hat die Handlung um den toten Mönch und ein verschwundenes Reliquiar ins 15. Jahrhundert verlegt, eine Blütezeit des Klosters, als auch Kaiser Friedrich III. dort einen Besuch abstattete. Sie kommt ins Schwärmen bei Anblick des Breviers des damaligen Abtes Johannes I. Stantenat, dessen Mitra und Wappen den Umschlag zieren. Viele Personen im Buch sind historisch belegt, ein anderer Teil des Personals ist frei erfunden.

Wenn eine Archäologin einen Roman fabuliert, ist keineswegs trockene Gelehrsamkeit zu erwarten. Nein, hier begegnet der Leser in gut lesbarer Sprache dem prallen Klosterleben, zudem ist der Roman auch im Heute verortet, wo Grabungen so manches wieder ans Licht bringen.

Zaghaft habe sie ihr Manuskript zuerst ihrem Mann, selbst Archäologe, und ihren studierenden Töchtern vorgelegt und uneingeschränkte Zustimmung und Ermutigung erfahren. Sorgfältig hat sie das Umfeld recherchiert, auch der Kunsthistoriker Ulrich Knapp, der sich eingehend mit der ehemaligen Zisterzienserabtei beschäftigt hat, hat seinen Segen gegeben. Ein Krimi für Krimifresser, für Schnellleser ist es nicht, aber ein spannender Ausflug in die Geschichte. Der Leser erfährt nebenbei viel über die Menschen in früherer Zeit, auch dass damals noch keineswegs so große Klosterbibliotheken existierten, wie sie Umberto Eco beschreibt. Zur Verortung in Salem kommt der Gegenwartsbezug.

Das Buch sei ganz privat in ihrer Freizeit entstanden, versichert die Schlossverwalterin, doch es dürfte nicht die schlechteste Werbung für Salem sein.

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