Lucas: Fast jeder kann helfen

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Das Schicksal des zweijährigen Lucas aus Salem bewegt die Menschen in der Region. Seit schwäbische.de über die Leukämieerkrankung des Jungen und die für 27. Februar geplante Typisierungsaktion berichtet hat, melden sich immer wieder Leser, die mehr über die Stammzellspende und den Ablauf der Typisierungsaktion wissen möchten. Die SZ hat die häufigsten Fragen gesammelt und an Dr. Martina Wanner von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei weitergeleitet.

Wenn ich mich typisieren lasse und tatsächlich als Spender infrage komme: Wie läuft so eine Stammzellspende ab?

Dr. Martina Wanner: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren: Seltener durchgeführt wird inzwischen die Knochenmarkentnahme, bei der dem Spender das Blut-Knochenmarkgemisch unter Vollnarkose direkt aus dem Beckenkamm (nicht etwa Rückenmark) entnommen wird. Es bildet sich nach zwei Wochen wieder vollständig nach. Die wesentlich häufigere Methode (80 Prozent) ist die periphere Stammzellentnahme: Dem Spender wird über mehrere Tage ein Medikament verabreicht, welches die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt und diese in die Blutbahn ausschwemmt. Nach dieser Vorbehandlung werden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt.

Tut eine Stammzellspende weh, gibt es Nebenwirkungen oder kann das sogar gefährlich für den Spender werden?

Dr. Martina Wanner: Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz. Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt.

Wer übernimmt die Kosten für eine Stammzellspende?

Dr. Martina Wanner: Die Krankenkasse des Patienten. Dem Spender selbst entstehen keine Kosten.

Wie funktioniert die Typisierung?

Dr. Martina Wanner: Auf der Typisierungsaktion werden dem Spender nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung zunächst fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Anschließend werden die Gewebemerkmale der neu aufgenommen Spender im Labor bestimmt. Die Blutgruppe spielt hierbei keine Rolle. Die Befunde werden anschließend anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Kann sich jeder Mensch typisieren lassen oder muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen?

Dr. Martina Wanner: Grundsätzlich kommt jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilogramm wiegt, als Spender in Frage. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, chronische Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D. Für Detailfragen steht am Aktionstag ein DKMS-Betreuer vor Ort zur Verfügung.

Wenn ich zwar nicht chronisch krank bin, aber akut an Schnupfen, Husten, Halsschmerzen oder etwas ähnlichem leide: Kann ich mich trotzdem typisieren lassen?

Dr. Martina Wanner: Ja. Eine Erkältung oder die vorübergehenden Einnahme von Medikamenten aus anderen Gründen stellt keinen Hinderungsgrund dar.

Muss ich die Kosten für die Typisierung – immerhin 50 Euro – selber tragen?

Dr. Martina Wanner: Da die Kosten der Typisierung weder von den Krankenkassen übernommen noch staatlich bezuschusst werden, sondern allein durch Spendengelder finanziert werden müssen, ist die DKMS ausschließlich auf Geldspenden angewiesen. Wir wissen natürlich, dass nicht jeder seine Typisierungskosten selbst tragen kann. Aber auch kleine Beträge helfen.

Wo finde ich weitere Informationen zu Stammzellspende und Typisierung?

Dr. Martina Wanner: Auf der Homepage der Deutschen Knochenmarkspenderdatei unter www. dkms.de

Auf einen Blick:

Lucas Tylla aus Salem ist gerade mal zwei Jahre alt. Seine dramatische Krankheitsgeschichte beginnt im März 2010 mit einem vermeintlich harmlosen grippalen Infekt. Bei der Untersuchung stellen die Ärzte fest: Lucas ist an Leukämie erkrankt, bekannt auch als Blutkrebs. Es folgen mehrwöchige Klinikaufenthalte in Ulm mit intensiver Chemotherapie. Ende des Jahres sieht es so aus, als sei das Schlimmste überstanden. Doch am 13. Januar stellen die Ärzte bei einer Routineuntersuchung fest, dass die Leukämie erneut ausgebrochen ist – in so starker Form, dass sie allein mit einer Chemotherapie nicht mehr besiegt werden kann. Lucas benötigt die Stammzellspende eines genetischen Zwillings. Um einen solchen zu finden, organisieren Verwandte und Freunde der Familie Tylla gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) für Sonntag, 27. Februar, eine Typisierungsaktion im Bildungszentrum Salem. Von 10 bis 16 Uhr besteht dort Gelegenheit, sich ein Schnapsgläschen voll Blut abnehmen und für die DKMS als potenzieller Stammzellspender registrieren zu lassen. Weitere Informationen finden Interessierte auf Lucas' Homepage unter www.daniel-hoefler.de/lucas . Da die Typisierung mit aufwändigen und kostenintensiven Laboruntersuchungen verbunden ist, werden auch Geldspenden benötigt – entweder bar am Aktionstag oder per Überweisung: Konto 24724783 bei der Sparkasse Bodensee (BLZ 69050001) oder Konto 2249804 bei der Volksbank Überlingen (BLZ 69061800).

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