Leukämie: Lucas braucht einen Stammzellenspender

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Jens Lindenmüller

Es war der 13. Januar, als für Ulrike und Christof Tylla aus Salem die Welt zusammenbrach. Zum zweiten Mal innerhalb eines knappen Jahres. Dabei hatte es im Dezember noch so ausgesehen, als würde ihr kleiner Wonneproppen, der zweijährige Lucas, wieder ganz gesund werden. „Wir waren guter Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden ist“, berichtet Christof Tylla mit tränenerstickter Stimme.

Knapp zehn Monate waren seit der niederschmetternden Diagnose bereits vergangen: Leukämie. Blutkrebs. Lucas‘ Körper produzierte zu viele weiße Blutkörperchen. Jener Tag im März 2010 hatte das Leben der Familie Tylla komplett auf den Kopf gestellt. „Alles drehte sich nur noch um die Krankheit. Drei bis fünf Fahrten pro Woche zu Untersuchungen in Ulm, das war Standard“, erzählt Lucas‘ Vater. Ende des Jahres deutete dann alles darauf hin, dass die Chemotherapie erfolgreich verlaufen ist. Hoffnung keimte auf. Allerdings nur für wenige Wochen – bis zu jenem 13. Januar. Die Ärzte in Ulm stellen fest, dass die Leukämie zurückgekommen ist, und zwar in stärkerem Ausmaß als zuvor. Und sie offenbarten Ulrike und Christof Tylla, dass es für ihren kleinen Sohn nur eine Rettung gibt: die Stammzellspende eines hundertprozentigen genetischen Zwillings.

Da die Suche nach einem solchen in den weltweiten Datenbanken bislang erfolglos geblieben ist, organisieren Verwandte und Freunde der Familie Tylla mit Unterstützung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei für Sonntag, 27. Februar, eine Typisierungsaktion im Bildungszentrum Salem. Jeder gesunde Mann, jede gesunde Frau zwischen 18 und 55 Jahren ist willkommen, um sich dort Blut abnehmen und für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren zu lassen. „Wir wollen nicht tatenlos abwarten, sondern aktiv nach einem passenden Spender suchen“, sagt Matthias Kaczmarek, der Onkel von Lucas. Die Schirmherrschaft haben Salems Bürgermeister Manfred Härle und der ehemalige Handballnationalspieler Markus Baur übernommen.

Die 1991 in Tübingen gegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist mit gut 2,3 Millionen registrierten Spendern die weltweit größte Stammzellspenderdatei und hat in den vergangenen 19 Jahren mehr als 23000 Stammzellentransplantationen ermöglicht. Für viele Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, ist diese Transplantation die einzige Chance auf Heilung. Die bislang größte Typisierungsaktion in der Geschichte der DKMS hat es im Dezember 2009 in Tettnang gegeben. 5717 Menschen ließen sich damals Blut abnehmen und als potenzieller Lebensretter registrieren. Anlass war die erneute Leukämieerkrankung der damals 16-jährigen Anja Pfluger aus Meckenbeuren. Ihr geht es mittlerweile wieder gut. Ihr Spender wurde zwar nicht durch die Typisierungsaktion in Tettnang gefunden, dafür zehn andere, die seitdem erfolgreich gespendet und damit das Leben ihrer an Leukämie erkrankten genetischen Zwillinge gerettet haben.

Zur Registrierung in der Spenderdatei sind zunächst zur ein Fünf-Milliliter-Blutprobe und eine schriftliche Einverständniserklärung erforderlich. Dazu aufgerufen, am Sonntag, 27. Februar, zwischen 10 und 16 Uhr im Bildungszentrum Salem eine solche Blutprobe abzugeben, sind alle gesunden Frauen und Männer im Alter von 18 bis 55 Jahren. Da für eine Typisierung der Blutproben aufwändige Laboranalysen erforderlich sind, sind solche Aktionen eine kostspielige Angelegenheit. Die Kosten für die Aufnahme in die Datei liegen bei 50 Euro je Spender. Deshalb ist die DKMS auch auf Geldspenden angewiesen. Wer dem kleinen Lucas helfen möchte, kann das auch auf diese Weise tun, mit einer Spende auf das Konto 24724783 bei der Sparkasse Bodensee (690 500 01) oder auf das Konto 2249804 bei der Volksbank Überlingen (690 618 00).

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