Kleiner Beutenkäfer ist neue Gefahr für die Bienen

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Diese Biene sammelt Nektar und Pollen auf einer Fetthenne. Von ihrer Arbeit profitieren Parasiten wie die Varroa-Milbe und viel
Diese Biene sammelt Nektar und Pollen auf einer Fetthenne. Von ihrer Arbeit profitieren Parasiten wie die Varroa-Milbe und vielleicht auch bald der kleine Beutenkäfer. (Foto: Elke Oberländer)
Schwäbische Zeitung
Elke Oberländer

Der Kleine Beutenkäfer droht, in hiesige Bienenstöcke vorzudringen. Die Varroa-Milbe hat den Bienen im Sommer stark zugesetzt. Und dann ist auch noch verunreinigtes Wachs im Handel, das die Bienenbrut absterben lässt. Was Imker in dieser Situation tun können, darüber haben sich am Sonntag rund Hundert Imker in Wintersulgen informiert. Eingeladen hatte die Imkergemeinschaft Lehrbienenstand Meersburg-Baitenhausen.

„Keiner kann sicher sein, dass er unverfälschtes Wachs kauft“, sagt Klaus Schmieder. Der Präsident des Landesverbands Badischer Imker rät seinen Kollegen deshalb, in ihren Bienenstöcken nur eigenes Wachs zu verwenden. Der durchschnittliche badische Imker hat acht Völker, also ungefähr fünf bis zehn Kilogramm Wachs pro Jahr, sagt Schmieder. Sobald 18 bis 20 Kilogramm zusammenkommen, können die Imker ihr Wachs beim Spezialisten zu Mittelwänden für die Bienenstöcke umarbeiten lassen.

Beschränkung auf Eigenwachs

Für Wachs-Analysen wird der Imkerverband künftig Zuschüsse geben, kündigt der Präsident an. „Aber man muss wissen, wonach man suchen soll im Labor.“ Frank Neumann vom Bienengesundheitsdienst im staatlichen tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf berichtet von Wachsproben aus China, die 30 Prozent Stearin enthalten sowie weitere Verunreinigungen mit bienengiftigen Stoffen. Von den Wachshändlern müsse man Nachweise über die Herkunft des Wachses und Rückstandsanalysen fordern.

Auch er rät zur Beschränkung auf Eigenwachs in der Imkerei. Aber Anfänger, zum Beispiel, kämen nicht darum herum, Wachs zu kaufen. Nicht ganz so akut wie das Wachs-Problem ist die Frage nach dem Kleinen Beutenkäfer: Der Parasit kam ursprünglich nur in Afrika, südlich der Sahara, vor. Mit Bienenvölkern wurde er zunächst in die USA, dann auch nach Australien und Ägypten verschleppt. Seit 2003 gibt es deswegen in der EU ein Einfuhrverbot für Bienen – das aber offensichtlich nicht von allen Imkern eingehalten wurde. Denn 2014 wurde der Käfer in Süditalien entdeckt. Die Larven des Käfers fressen Pollen, Bienenbrut und Honig, berichtet Neumann vom Bienengesundheitsdienst. In befallenen Stöcken verflüssigt sich der Honig und kann sogar aus dem Flugloch tropfen.

Der Bienenstock riecht dann wie faulende Orangen. Um die Ausbreitung des Käfers in Europa zu verhindern, wurden in Süditalien Bienenvölker abgetötet, ganze Bienenstände abgebrannt und das umgebende Erdreich mit Insektiziden behandelt. Trotzdem rechnet Neumann damit, dass der Käfer früher oder später auch in die Bodenseeregion vordringt. Starke Bienenvölker mit ausgeprägtem Putztrieb können mit dem Käfer fertig werden, sagt Neumann. Den Imkern rät er, den Käfern keine Nahrung zu bieten. Also Waben nicht herumliegen zu lassen und nicht mehr bewirtschaftete Bienenstände aufzulösen. Künftig soll mit einem flächendeckenden Beobachtungsnetz die Ausbreitung der Käfer überwacht werden.

Die Varroa-Milbe ist ebenfalls ein eingeschleppter Parasit. Der vergangene milde Winter hat dazu geführt, dass viele Bienenvölker stark befallen sind. Imkerpräsident Schmieder und Bienenexperte Neumann forderten die Imker auf, ihre Völker in diesen Tagen gegen Varroa zu behandeln. Der Zeitpunkt sei ideal.

Hermann Gabele, Leiter des Landwirtschaftsamts im Bodenseekreis, dankte den Imkern für ihre Leistungen als Honig-Erzeuger, Landschaftspfleger und Unterstützer der Landwirtschaft. Im badischen Imkerverband sind nach Angaben seines Präsidenten rund 9000 Imker organisiert, die zusammen rund 70000 Bienenvölker betreuen. Die Zahl der Mitglieder habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

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