Kleidersammler kommen sich in die Quere

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Kleidersammler kommen sich in die Quere
Daniel Drescher

Die meisten wollen sie loswerden – trotzdem sind sie heiß begehrt: Die Rede ist von Altkleidern. Der Salemer Rotkreuz-Ortsverein sammelt am kommenden Samstag in Frickingen. Allerdings ist man bei den Lebensrettern irritiert: Am Dienstag landeten in den Briefkästen Flyer eines gewerblichen Sammlers, der am Donnerstag durch die Gemeinde tourt. 

„Das kommt nicht zum ersten Mal vor“, sagt Karina Ehresmann, Bereitschaftsleiterin beim Salemer DRK-Ortsverein. Bereits in den vergangenen Jahren sei das passiert. „Die sammeln dann auch Säcke ein, die wir ausgeteilt haben“, so Ehresmann.

In den vergangenen Jahren seien immer kurzfristig gewerbliche Sammler aufgetaucht, die dann von der DRK-Sammlung profitiert hätten. An Zufall glaubt Karina Ehresmann hier nicht: Der Flyer, mit dem der gewerbliche Sammler wirbt, verwendet die Farben rot und weiß, eine nahezu identische Schriftart wie das DRK in seinen Hinweisen – und dann eben die Tatsache, dass die Ankündigung so kurzfristig kommt. „Deshalb ist unser Appell, dass die Leute ihre Sachen für unsere Sammlung erst für den Samstag rauslegen“, so Ehresmann.

Bei der Gemeinde kennt man das Problem inzwischen, kann aber nichts machen: „Eine Altkleidersammlung ist nicht genehmigungspflichtig, egal, ob sie von Privatpersonen oder Institutionen organisiert wird“, sagt Ulrich Brandstetter, stellvertretender Amtsleiter Bürgerdienste. Der Sammler müsse die Aktion allerdings ankündigen, etwa durch Flyer. Wenn DRK-Kleidersäcke mitgenommen würden, das sei natürlich ärgerlich, allerdings schwer zu beweisen.

Auch beim Landratsamt sieht man die Schwierigkeit: „Da gibt es wenig Handhabe“, sagt Robert Schwarz, Pressesprecher des Bodenseekreises. Nach dem Sammlungsgesetz des Landes wäre die Aktion nur angreifbar, wenn der potenzielle Kleiderspender angesprochen wird, durch Klingeln oder ähnliches.

Die Polizei weist auf die strafrechtliche Seite hin: „Wenn der kommerzielle Sammler Kleidersäcke des DRK mitnimmt, könnte man von versuchtem Diebstahl geringerwertiger Gegenstände ausgehen“, sagt Markus Sauter, Pressesprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen. Die Schwierigkeit bestünde aber darin, den Sammler auf frischer Tat zu ertappen. Er legt den Rotkreuzlern nahe, Anzeige zu erstatten. „Dann hätte die Staatsanwaltschaft die letzte Entscheidung.“

Vonseiten des kommerziellen Sammlers heißt es, man fische nicht gezielt DRK-Gebiete ab. Der nach eigener Aussage in Reutlingen ansässige Sammler beteuert, man habe nicht gewusst, dass das Rote Kreuz sammle. Zudem sei man ebenfalls für den guten Zweck unterwegs, für die Johanniter, die Björn-Staiger-Stiftung und Pro Humanitas.

Karina Ehresmann überzeugt das nicht. „Die sammeln auch Geschirr ein“, sagt sie: „Das sieht eher nach Flohmarkt-Ausrüstung aus.“

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