Holleräduliö: Folkrock trifft Kuhglocken-Blues

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Holleräduliö:
                  Folkrock trifft Kuhglocken-Blues
Holleräduliö: Folkrock trifft Kuhglocken-Blues

Auch anhaltender Dauerregen konnte am Freitagabend 4500 Fans nicht davon abhalten, im weiten Rund von Schloss Salem den musikalischen Kosmopoliten und Alpenrocker aus dem Salzkammergut zu feiern. In einer Bestandsaufnahme ließ es sich Hubert von Goisern nach eineinhalbjähriger Tourneepause nicht nehmen, seine ganz persönlichen Ansichten über gesellschaftliche, kulturelle oder sozialpolitische Unkorrektheiten musikalisch zu transportieren – mal eher gelassen ruhig und nachdenklich, mal lautstark rockig oder punkig provokativ. Der vom Fernweh inspirierte Heimatsucher spielte mit seinen Verbündeten Alex Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass) und Severin Trogbacher (Gitarre): Hubert von Goisern – direkter als je zuvor. „So a Sauwetter, wird eh scho wieder aufhörn – vielleicht morgen“, munterte Goisern die pitschnassen Fans mit einem Anflug von ironischer Gelassenheit auf.

Von Beginn an zeigte der österreichische Weltenbummler mit seiner legendären diatonischen Ziehharmonika, aber auch mit Steel-Guitar, Mundharmonika, Klarinette oder Schenkelstahl, dass sich Traditionelles und Modernes nicht gegenseitig beißen müssen und jeweils ihre Daseinsberechtigung auf der Bühne finden. Dabei präsentierte der Pionier alpenländischer Weltmusik die neuesten Songs seiner aktuellen CD, die, man höre und staune, noch gar nicht auf dem Markt ist. „Wir gehen auf Tour, bevor die Platte rauskommt, dann können wir die neuen Lieder in Ruhe spielen. Weil keiner mitsingen kann." Auch das ist Hubert von Goisen: einfach anders, nicht formbar, zu keiner Zeit austauschbar.

Ob Hardrock-Rap in „Indianer“ mit humoristischem, aber vorzüglichem Kuhglockenspiel, einem Ska-Shuffle in „Brenna tuats guat“, folkloristischen Stilelementen in „Halt mit an“, das gelungene Arrangement „Goisern“ nach Ray Charles’ „Gerogia on my Mind“ oder der heimatverbundenen mehrstimmige Jodler „I vastehs nit“ samt der kaum noch wiederzuerkennenden Adaption von Janis Joplins’ „Mercedes Benz“ : Hubert von Goisern versteht es, mit seiner meist stoischen Leichtigkeit, die zunächst bedächtige und eher ruhige und genießende Zuhörerschaft in seinen Bann zu ziehen, fordert diese auf, sich dem kalten Wetter zu stellen und mitzusingen, zu tanzen, einfach nur eine Party zu feiern. Und als der Meister ein kräftiges „Hey, hey“ ins ehrwürdige Rund des Schlossparks rief und das Publikum ihm im Stil eines Bergechos folgte, war der Bann endgültig gebrochen. Was schließlich auch die Sicherheitskräfte feststellen mussten, als Hunderte nichts mehr auf ihren Stühlen hielt und sie den abgesperrten Bereich vor der Bühne einnahmen, um mit ihrem Idol zu feiern. „Geht eh scho, kimmts alle hervor, so macht’s Spaß", bemerkte der Protagonist des Abends und stimmte zum großen Tanzfinale mit „Koa Hiatamadl“ sein wohl bekanntestes Bekenntnis an. „Schee war’s“, meinten auch die Fans.

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