Gute Stimmung und mahnende Worte

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Groß war der Besucherzuspruch beim Neujahrsempfang des Grünen Kreisverbands im „Haus Generation plus“ in Salem. Im Vordergrund d
Groß war der Besucherzuspruch beim Neujahrsempfang des Grünen Kreisverbands im „Haus Generation plus“ in Salem. Im Vordergrund die Klezmergruppe Akibi. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Wenn die bereitgestellten Stühle für eine Veranstaltung nicht ausreichen, so ist das meist ein gutes Zeichen. Beim Neujahrsempfang, zu dem der Grüne Kreisverband Bodenseekreis am Dreikönigstag ins Salemer „Haus Generation plus“ eingeladen hatte, musste aufgrund des großen Besucherzustroms von mehr als 150 Zuhörern jedenfalls erstmal kräftig nachgestuhlt werden. „Die politische Begrünung hat stattgefunden und kräftig ausgetrieben“, betonte Birgit Zauner vom Kreisvorstand in ihrer Begrüßung – natürlich auch mit Blick auf die guten Ergebnisse ihrer Partei im vergangenen Jahr, vor allem auch bei der Europa- und Kommunalwahl. Auch dass Salem angesichts der neu gegründeten Ortsverbände in Markdorf und Uhldingen-Mühlhofen mittlerweile „komplett grün umzingelt ist“, sieht sie natürlich als Anlass zur Freude.

„Wir stehen vor dem Einstieg in ein grünes Jahrzehnt.“ Diese Einschätzung vertrat der Landtagsabgeordnete Martin Hahn in seinem Grußwort. Allerdings sei in der großen Politik aber längst nicht alles hoffnungsgrün. „Unsere Zeit ist geprägt von extremen und polarisierenden Positionen“, betonte Hahn. Auch bei schwierigen Themen müsse man zu Diskurs und gesellschaftlicher Diskussion bereit sein. „Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss“, sagte er – auch in Anlehnung an den von Ministerpräsident Winfried Kretschmann vertretenen Standpunkt. Als agrarpolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion liegt Hahn besonders ein fruchtbarer Austausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Bürgerinitiative „Rettet die Bienen“ am Herzen. So sei es seiner Ansicht nach sehr begrüßenswert, dass sich die Landesregierung die Themen Artenschutz und Diversität offensiv auf ihre Fahnen geschrieben habe.

Doch wie weit darf Kompromissfähigkeit in grüner Politik gehen? Jedenfalls nicht zu weit, wie Sarah Heim aus dem Vorstand der Grünen Jugend auf Landesebene in ihrer Ansprache klarstellte. So hätten etwa die österreichischen Grünen durch die avisierte Koalition mit der ÖVP eindeutig „eine rote Linie überschritten“, sagte sie mit Blick auf die Position des designierten Bundeskanzlers Sebastian Kurz in Sachen Migrationspolitik. Der Wille zur Veränderung müsse für Grüne im Vordergrund stehen, nicht die Suche nach Profilierung, betonte Sarah Heim. Dennoch brauche man „laute Stimmen“. Für das Jahr 2020 gelte es, die „sozialökologische Transformation“ anzupacken. „Und wir brauchen endlich die Wahlrechtsreform.“

Wie erwartet, legte Hauptrednerin Maria Heubach ihren Fokus auf europäische Themen. Die gebürtige Ravensburgerin war von 2014 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments und hat sich dort unter anderem auch als starke Stimme für die Landwirtschaft Gehör verschafft. „Wir müssen weiter an Europa glauben, an was denn sonst“, sagte sie mit leidenschaftlicher Stimme. „Wenn Europa auseinanderdriftet, wie um alles in der Welt sollen wir dann die Herausforderungen der Zukunft meistern?“ Lobende Worte fand Maria Heubach für Ursula von der Leyen, die als neue Präsidentin der Europäischen Kommission Milliarden von Euro für den Klimaschutz in die Hand zu nehmen bereit sei. Gleichwohl gelte es, von der Leyen auf die Finger zu schauen und sie letztlich nicht an Worten, sondern an Taten zu messen.

Viele gute Gespräche gab es beim Neujahrsempfang der Grünen auch im Anschluss an den offiziellen Teil – für Snacks und Getränke war gesorgt. Und von den Klängen der Klezmergruppe Akibi mit ihrer traditionellen jiddischen Musik konnte man ohnehin nicht genug bekommen.

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