Geheilt: Liron kann wieder lachen

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Jens Lindenmüller

Liron hat an diesem Nachmittag alle Hände voll zu tun: Mit der Digitalkamera knipst er ein Foto nach dem anderen, nebenbei löst er ein paar Rechenaufgaben, und im Abstand von etwa drei Minuten schiebt er dem Besucher von der Zeitung Kekse in den Mund. Währenddessen plappert der Siebenjährige ununterbrochen und strahlt übers ganze Gesicht. Mama und Papa beobachten ihn mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Wir haben Riesenglück gehabt“, sagt Dorle Schüle. Riesenglück, dass in Hamburg ein genetischer Zwilling von Liron lebt. Eine 36-jährige zweifache Mutter, die dem Jungen mit ihrer Stammzellspende im Dezember 2009 das Leben gerettet hat. Liron hatte Leukämie. Genau wie der kleine Lucas Tylla, für den bei einer Typisierungsaktion am 27. Februar in Salem ebenfalls ein potenzieller Lebensretter gefunden werden soll (schwäbische.de hat darüber berichtet).

Was Lucas‘ Eltern gerade durchmachen, kann kaum jemand besser nachfühlen als Dorle und Rainer Schüle. Ihr Liron war ungefähr im gleichen Alter wie Lucas (2), als zum ersten Mal die Leukämie ausbrach. Und auch Schüles hatten nach der ersten Therapie allen Grund zu hoffen, dass der Krebs besiegt ist. Nach 16 Monaten Chemo und weiteren acht Monaten medikamentöser Behandlung hatte sich der Junge gut erholt. „Die Blutwerte waren tiptop“, erinnert sich Rainer Schüle.

Die nächsten zwei Jahre sollte das auch so bleiben – bis zu jenem heißen Tag im Sommer 2009, als Dorle und Rainer Schüle beim Baden feststellten, dass Lirons Rücken übersät war mit blauen Flecken. „Uns war sofort klar, dass das ein Rückfall war“, erzählt sein Vater. Klar war zudem, dass eine erneute Chemotherapie nicht ausreichen würde. Um überleben zu können, benötigte Liron eine Stammzellspende. Im Gegensatz zu Lucas hatte er das seltene Glück, dass gleich mehrere Spender infrage kamen. Die Wahl fiel letztlich auf die Frau aus Hamburg.

Seit der Knochenmarktransplantation am 14. Dezember 2009 – an die im Hause Schüle zwei eingerahmte Blutbeutel erinnern – sind mittlerweile 14 Monate vergangen. Von Heilung sprechen die Ärzte zwar erst nach fünf Jahren ohne erneute Erkrankung, doch Liron geht’s heute wieder richtig gut. Und die Hoffnung wächst mit jeder überstandenen Nachuntersuchung, zu der die Familie alle drei Monate nach Tübingen fährt.

Das Leben zwischen Hoffen und Bangen wird allerdings noch mindestens bis zum Ablauf dieser fünf Jahre andauern. „So richtig los lässt einen die Krankheit nicht“, sagt Dorle Schüle. Erst recht nicht, wenn man mitbekommt, dass es ein paar Kilometer entfernt einen Jungen gibt, der dem eigenen verblüffend ähnlich sieht und der nun dasselbe Schicksal erleiden muss.

Bei der Typisierungsaktion für Lucas am 27. Februar im Bildungszentrum Salem wollen Schüles auf jeden Fall dabei sein und mithelfen. „Wir haben damals viel Unterstützung bekommen, was uns sehr geholfen und Kraft gegeben hat. Nun merke ich, dass ich dankbar dafür bin, selber etwas tun zu können“, sagt Dorle Schüle, die mit ihrem Mann bereits Plakate aufgehängt und Flyer verteilt hat, um auf die Typisierungsaktion für Lucas aufmerksam zu machen. Bei der Aktion selber will sie Kuchen verkaufen oder anderweitig helfen.

Außerdem haben Schüles die Welle der Hilfsbereitschaft bis nach Norddeutschland schwappen lassen. Nachdem sie einem Freund der Familie, ebenfalls Vater eines leukämiekranken Kindes, von Lucas erzählt haben, will dieser nun in Schleswig-Holstein eine eigene Typisierungsaktion für den Knirps vom anderen Ende der Republik organisieren. Damit eines Tages auch ein fröhlicher, aufgeweckter Lucas mit strahlendem Gesicht Fotos knipsen, Rechenaufgaben lösen und großzügig Kekse an Besucher verteilen kann.

Auf einen Blick:

Genau wie Liron Schüle ist der kleine Lucas Tylla aus Salem im Alter von nur zwei Jahren an Leukämie erkrankt. Und auch er benötigt nun dringend einen Stammzellspender. Da die weltweite Suche nach einem solchen bislang ohne Erfolg geblieben ist, organisieren Verwandte und Freunde der Familie Tylla gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) für Sonntag, 27. Februar, eine Typisierungsaktion im Bildungszentrum Salem. Von 10 bis 16 Uhr besteht dort die Gelegenheit, sich als potenzieller Stammzellspender in der DKMS registrieren zu lassen. Dafür sind lediglich eine Einverständniserklärung und die Entnahme von fünf Milliliter Blut erforderlich. Typisieren lassen kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren.

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