Gastgeber: Skepsis an „Echt Bodensee Card“

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Cäcilia Krönert

Der Verein Bodensee-Linzgau-Tourismus (BLT) hat sich am Mittwoch im neuen Owinger Bürgerhaus Kultur/O zu seiner Mitgliederversammlung getroffen. Rund 60 der insgesamt 140 Mitglieder informierten sich über die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2015 und bekamen Einblicke in das aktuelle Vereinsjahr. Andreas Feustel von der Firma WIIF aus Oberstaufen stellte das Projekt „Echt-Bodensee-Card“ vor und wurde dabei von Enrico Heß (Geschäftsführer der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH) und Rupert Mayer vom Landratsamt, zuständig für den öffentlichen Personen-Nahverkehr, unterstützt.

Heike Steurer, seit dem vergangenen Jahr erste Vorsitzende, führte durch die Jahreshauptversammlung und gab eine Gesamtübersicht über die Agenda. Wahlen und Ehrungen gab es keine. Mit einem Blumenstrauß honorierte die Vorsitzende die gute Zusammenarbeit mit dem Team der BLT, Jutta Halder, Veronika Schiele und Susann Wacker, mit Sitz in Salem. Informativ und ausführlich ließen Geschäftsführerin Halder und Susann Wacker das vergangene Vereinsjahr Revue passieren und gaben einen Ausblick auf die Aktivitäten im neuen Geschäftsjahr. „ Seit einigen Jahren sind wir mit unserem Gastgeberverzeichnis und einem Imagefilm bei der Touristinformation der Hegau-Raststätte vertreten, die täglich von bis zu 4000 Touristen aufgesucht wird“, sagte Halder.

Buchung über Online-Portal

Zur Sprache kamen auch die Übernachtungszahlen. Über das Onlineportal at-rooms gingen mit 1143 Buchungen etwas weniger als im Vorjahr (1184) ein. Zusätzlich wurden 1700 Anfragen bei Gastgebern verzeichnet, die nicht an das Buchungssystem angeschlossen sind. Ebenso wurden der interne Belegungskalender, die Apfelwochen, die Salemertal-Erlebniskisten und die Bodensee-Erlebniskarte thematisiert, die erstmals zur Saisonverlängerung eine Winterausgabe herausgibt. Diese Karte sei auch interessant für die Einheimischen. 120 Teilnehmer waren bei den 19 Linzgau-Touren mit ausgebildeten Bodensee-Guides dabei.

Als Vorausblick 2016 wurde die Programmplanung für die Bodensee-Apfelwochen verkündet, an denen 18 Orte vom deutschen Bodensee-Ufer und auch wieder die Gemeinden Salem und Frickingen teilnehmen. Nach einem positiven Kassenergebnis von Kassier Georg Waibel und der Bestätigung der sorgfältig und einwandfrei geführten Kasse von den Kassenprüfern Inge Schwehr und Edwin Hügle entlastete Bürgermeister Wengert den Vorstand. Als neue Kassenprüferin für die nächsten zwei Jahre wurde Annemarie Braunwarth aus Frickingen per Akklamation einstimmig gewählt.

Als nächster Punkt auf der Tagesordnung stand die noch recht kritisch angesehene „Echt Bodensee Card“ (EBC), die offiziell am 1. April 2017 eingeführt werden soll. Die vorherige Pilotphase findet in den Gemeinden Hagnau, Uhldingen-Mühlhofen und Langenargen statt. „Dieses Tourismus-Karte ist nichts Neues, wir ziehen nur nach. Es gibt sie schon in Oberstaufen und auch im Schwarzwald und wird sie von Touristen gern benutzt“, erklärte Andreas Feustel, der diese Karte mit entwickelt hat. Die Karte diene der Wettbewerbsfähigkeit, der Kundengewinnung und der Kundenbindung, so der Marketingspezialist.

Die EBC solle im Bereich des Verkehrsverbundes Bodensee-Oberschwaben (Bodo) in den Landkreisen Bodenseekreis, südlicher Landkreis Sigmaringen, Ravensburg und Lindau gelten, Tourismus und Mobilität bündeln, bedeute freie Fahrt mit Bussen und Bahnen und eine Vielzahl an Vorteilen bei Freizeit- und Kulturangeboten für Touristen erschließen, so Feustel. Besonders empfehlenswert sei eine Kombination der „Echt-Bodensee-Card“ mit der „Bodensee-Erlebniskarte“, damit hätte der Urlauber ein breites Spektrum der Freizeitmöglichkeiten kostengünstig abgedeckt und so wäre es von vielen Urlaubern auch gewünscht. Die EBC soll die bestehenden Gäste- und Kurkarten auf Papierbasis ablösen. Jeder Übernachtungsgast ab sechs Jahren bekommt eine Card auf Basis eines digitalen Meldescheins und einer elektronischen Chipkarte. Somit könne auch jeder Gast vorab selbst in einem einfach aufgebauten Online-Formular die Karte veranlassen. Alle Gastgeber bekommen im Gegenzug kostenlos die nötigen Chipkarten-Terminals, die Chipkarten können dann vom Gastgeber über die örtlichen Tourist-Informationen gegen ein Pfand von fünf Euro pro Karte bezogen werden.

Dabei seien bislang die Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Sipplingen, Überlingen, Eriskirch, Hagnau, Uhldingen-Mühlhofen und Langenargen. Die Karte bedeute einen Euro Aufschlag auf die Kurtaxe pro Kopf pro Tag, die Konditionen seien vorerst bis 2019 festgeschrieben.

In der anschließenden Fragerunde meldeten sich einige Gastgeber zu Wort, die Zweifel an der Umsetzung und der Karte selbst hatten. Argumente über mangelnde PC-Kenntnisse und der Besitz dieser Hardware als auch der eventuell fehlende Datenschutz wurden genannt und die Verhältnismäßigkeit des Preises im Bezug auf die jeweilige Urlaubsunterbringung (Sterne-Hotel, Bauernhof, Landgasthof oder Campingplatz). Enrico Heß und Rupert Mayer vom Landratsamt, unterstützten Andreas Feustel mit Antworten auf die vielen skeptischen Fragen der Gewerbetreibenden.

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