Filmteam dreht in der Mädchendusche

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Schwäbische Zeitung
Stefanie Rebhan
Südfinder

Sex, Drogen und Eliteschüler – das sind die Dinge, die so einige Journalisten an der Schlossschule Salem zu finden hoffen. Jährlich kommen bis zu sechs Drehanfragen für Beiträge, Dokus oder Filmsequenzen.

„Die meisten davon wollen die Klischees bedienen, deshalb sind wir sehr vorsichtig mit der Auswahl geworden“, sagt Harmut Ferenschild, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit an der Schlossschule Salem. Im Juni wird der Südwestrundfunk Teile einer Dokumentation an der Schule drehen. Dabei geht es um die Geschichte einer Freundschaft zweier ehemaliger Salemer Schüler – einem Sohn einer schwäbischen Unternehmerfamilie und dem Sohn einer reichen russischen Familie – die sich bereits in der Unterstufe auf Schloss Hohenfels kennen gelernt haben und heute zusammen arbeiten.

Das längste Projekt mit dem größten Eingriff in den Schulalltag und das Leben der Schüler war jedoch bislang die fünfteilige Dokumentation „Das Internat Schloss Salem“, für das ein Kamerateam des Senders Arte im Jahr 2005 einen Jahrgang der Mittelstufe 90 Tage lang begleitet hat. „Der Beitrag war authentisch, nicht sensationsheischend und wirklich nahe an den Schülern. Die Wirkung war trotzdem heftig“, so Ferenschild.

Vor allem viele Lehrer seien Sturm gelaufen, weil sie mit der Darstellung der Schule nicht zufrieden waren. „Die Internatsszene in ganz Deutschland hat uns aber beneidet. Auf die Doku hin standen im Aufnahmebüro die Telefone nicht mehr still. Noch heute bekommen wir Anfragen von Familien, die diese Serie gesehen haben“, sagt Michael Meister, der zu dieser Zeit Schulleiter der Mittelstufe war.

Zu Beginn der Dreharbeiten seien die Schüler befangen und aufgeregt gewesen, irgendwann seien der Mann mit der Kamera und sein Kollege mit dem Mikrofon dann eingemeindet gewesen und kaum mehr wahrgenommen worden. „Wir wussten aber zu jeder Zeit wo das Team war und was sie taten. Das war eine gute Erfahrung, hat von der Anstrengung her aber für Jahre gereicht“, findet Meister. Nicht ganz so nervenaufreibend sind Drehs für ein paar Tage. In Salem wurden 2001 beispielsweise Szenen aus dem Film „Die Manns. Ein Jahrhundertroman“ gedreht, da Golo Mann hier zur Schule ging. Diesmal waren die Schüler nicht miteingebunden, die Regie brachte ihre eigenen Schauspieler mit.

Die verzweifelte Suche nach Skandalen

Es ist aber nicht immer so, dass sich Filmteams an Abmachungen halten. Hartmut Ferenschild erinnert sich noch gut daran, als er Journalisten von Stern TV aus der Mädchendusche ziehen musste: „Die kamen mit einer vorgefertigten Meinung und suchten verzweifelt nach Skandalen an der Schule. Der Beitrag wurde dann nie gesendet, weil er das Gewünschte nicht hergab.“

Bange Minuten erlebte Ferenschild auch, als das Morgenmagazin des ZDF und der ARD live für die Reihe „Blick hinter die Mauern“ von Salem berichtete. „Manchmal werden Journalisten zu Hyänen. Da hielt der einen Schüler an und fragte ihn – mal ganz ehrlich – wann er seinen letzten Joint geraucht habe. Da kann ich dann ja nicht hinrennen und mich vor das Mikro werfen“, sagt der Pressesprecher der Schule.

Das Ganze sei aber glimpflich ausgegangen. Genau wie der Besuch von Heike Makatsch, als die Schauspielerin noch für den Musiksender Viva unterwegs war. „Das war ein Idol, die Schüler haben sich auf sie gestürzt und ihr praktisch alles erzählt“, so Ferenschild. Natürlich wolle die Schule ein möglichst idealisiertes Bild des Internats in den Medien und genau da prallten die Interessen aufeinander.

Dass nicht alles rund laufe und es ab und zu Probleme an der Schule gebe, sei ebenfalls klar. Die Eklats, die sich einige TV- Teams und auch Print-Journalisten erhoffen, suchten sie aber meist vergebens.

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