Für einige Tage im Jahr vereint

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Voll auf die Ohren: Die Musiker von Lake Brass bringen Hornklänge in das Salemer Münster.
Voll auf die Ohren: Die Musiker von Lake Brass bringen Hornklänge in das Salemer Münster. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Rund fünfmal im Jahr stehen die knapp 20 Musiker von Lake Brass gemeinsam auf der Bühne. Die Mitglieder des Hornensembles sind mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt. Für einige Tage im Jahr vereinen sich die Profi- und Amateurmusiker, um gemeinsam zu proben und eine Handvoll Auftritte in der Bodenseeregion zu spielen. So auch am kommenden Sonntag, 20.November, an dem das Ensemble unter anderem Werke von Bruckner, Saint-Säens und Schneider im Salemer Münster erklingen lässt.

Die Proben für das bevorstehende Konzertwochenende waren intensiv, aber sehr erfolgreich, fasst Alexander Klappenberger das vergangene Wochenende zusammen. Jeweils bis zu acht Stunden verbrachten die Musiker im Prinz Max in Neufrach, in der Meersburger Musikschule und zum Abschluss am Sonntagabend im Salemer Münster. Für die Proben und Auftritte nehmen einige Mitglieder auch eine zwölfstündige Autofahrt auf sich. „Diese weiten Wege nehmen wir gerne auf uns, um bei den Auftritten gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Das macht auch ein Stück weit den Charakter von Lake Brass aus“, sagt Klappenberger. Der 21-Jährige spielt eines der beiden Tenorhörner bei Lake Brass.

Moderne Technik im Einsatz

Mit zum festen Bestandteil des Ensembles gehören außerdem 14 Waldhörner, eine Tuba und ein Schlagzeug zur Formation. Im Jahr 2010 hatte der ehemalige Meersburger Knabenmusiker Valentin Eschmann das Ensemble ins Leben gerufen. Seitdem finden sich die jungen Musiker mehrmals im Jahr am Bodensee zusammen, um Musik zu machen. Klappenberger ist die Vorfreude auf das Konzert im Salemer Münster bereits viele Tage vor dem Konzert ins Gesicht geschrieben: „Blechklänge in der Kirche sind etwas ganz Besonderes“, sagt er. Damit am Sonntagabend auch alles reibungslos funktioniert, hat das Ensemble bereits eine Woche vor dem Auftritt im Salemer Münster geprobt. Neben der Kälte war besonders die Entfernung zwischen Organistin Shinobu Hara und den restlichen Musikern von Lake Brass eines der größten Hindernisse. Doch auch dafür fand das Ensemble Lösungen: „Unsere Organistin sieht über ein Tablet den Dirigenten. Damit die Orgel und die Hörner eine musikalische Einheit bilden, muss Shinobu Hara immer einen Takt voraus spielen“, erklärt Klappenberger.

Für die beiden Novemberkonzerte haben die Musiker von Lake Brass auch ein neues Programm im Gepäck. Das reicht von einem eigenkomponierten Eröffnungsstück, über eine Wagnerfantasie und eine Bruckner Etüde für das tiefe Blech bis hin zur modernen Filmmusik. Besonderes Highlight für die Zuhörer dürfte das Hauptwerk des Konzertes werden, bei dem Shinobu Hara das Finale aus der Orgelsymphonie von Camille Saint-Säens im Salemer Münster erklingen lässt. Mit dabei ist an diesem Wochenende auch Gastdirigent Valentin Egel, der momentan an der Franz List Hochschule für Musik in Weimar studiert. Bei den Proben bedeutete der Gastdirigent erst einmal eine Umstellung. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, aber Egel hat viel frischen Wind reingebracht“, sagt Klappenberger.

Suche nach neuem Dirigenten

Für Egel waren die Proben mit Lake Brass ebenfalls Neuland, da er bisher mit Chören oder klassischen Ensembles auf der Bühne stand. Außerdem mit beim Probenwochenende dabei war der amerikanische Horn-Professor David Johnson. „Durch seine jahrelange Erfahrung als Solohornist hat uns David Johnson viele Tricks und Kniffe zeigen können und unsere Partituren an einigen Stellen vereinfacht“, sagt Klappenberger. Valentin Egel wird sich bei den Konzerten in Salem und Mengen die Bühne mit Szabolcs Galanthay teilen. Für Galanthay sind die beiden Auftritte der Abschied nach sechs Jahren mit Lake Brass. Einen Nachfolger für den bisherigen Dirigenten sucht das Ensemble noch.

Pläne für 2017 haben die rund 20 Musiker auch schon. Im Sommer wollen sie im großen Saal der Waldorfschule in Überlingen die erste CD aufnehmen. „Das größte Hindernis ist dabei das Geld“, sagt Klappenberger. Rund 15000 Euro braucht die Formation für die professionelle Aufnahme. Diese Summe will das Ensemble über ein „Crowdfunding-Projekt“ sowie Spenden von den Konzerten aufbringen.

Das Konzert am kommenden Sonntag, 20. November, findet im Salemer Münster statt. Los geht es um 18.15 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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