Diskussion um Gemeinschaftsschule: „Es fehlen die Hintergrundinformationen“

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Ilka Langer aus Weildorf hat nichts gegen die Gemeinschaftsschule. Doch wie sie eingeführt werden soll, damit ist sie nicht einv (Foto: Anja Schuster)
Schwäbische Zeitung

Die eine Tochter von Ilka Langer aus Weildorf besucht die fünfte Klasse der Realschule am Bildungszentrum in Salem. Sie hat den Entscheidungsprozess, welche Schule sie besuchen will, schon hinter sich. Ihrer kleinen Schwester hingegen steht das noch bevor. Doch angesichts der aktuellen Diskussion um die mögliche Einführung einer Gemeinschaftsschule, fällt es Ilka Langer nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen.

„Es fehlen die Hintergrundinformationen´“, sagt sie im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. In der kommenden Woche informiert der Schulverbund Salem die Eltern der Grundschulkinder. Doch für Ilka Lange kommt das zu spät. „Man hätte uns früher informieren müssen.“

Mit Sorge verfolgt sie die Diskussion. Denn sie befürchtet, dass die Diskussion zu Lasten der Schüler geht. Beispielsweise dann, wenn die Gemeinschaftsschule gegen den Widerstand der Realschullehrer eingeführt wird. „Welche Lehrer bekommen dann die Kinder, die bereits auf der Realschule sind“, fragt Langer, die jahrelang Elternsprecherin gewesen ist. Dazu zählt auch ihre Tochter. Seien es dann die Lehrer, die sich auf die neue Schulform nicht mehr einstellen bräuchten oder wollten? „Mit dem Klassenlehrer steht und fällt alles.“

Dabei kann sie die Ansicht der Realschullehrer durchaus nachvollziehen. Es mache doch keinen Sinn, wenn die Gemeinde als Schulträger Ja sage, die Lehrer es sich aber nicht zutrauten. Daher müsse man die Lehrer auf jeden Fall schulen, und zwar alle. „Die Entscheidung ist für mich von hinten aufgezogen.“

Das Konzept der Gemeinschaftsschule hingegen findet Ilka Langer grundsätzlich gut. „Ich kenne es aus meiner Jugend nicht anders“, sagt Langer, die ursprünglich aus Sachsen kommt Denn de facto sei die Realschule seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung nichts anderes. In der Klasse ihrer Tochter gebe es Schüler, die in der Werkrealschule besser aufgehoben wäre. „Das vermischt sich sowieso schon.“ Auch im Gespräch mit anderen Eltern habe sie den Eindruck gewonnen, dass die meisten keine grundsätzlichen Einwände gegen die Gemeinschaftsschule hätten.

Genervt ist Langer aber vor allem von der Flut der Möglichkeiten, die man habe. Man wolle doch nur das Beste für sein Kind, wisse aber nicht, wie man das machen solle. Fast die Hälfte des vierten Schuljahres gebe es kein anderes Thema mehr als die weiterführenden Schulen. „Kinder sind in dem Alter nicht in der Lage, eine richtige Entscheidung zu treffen, und den Eltern fällt es auch oft schwer.“

Ihr wäre es daher recht, wenn es die Gemeinschaftsschule von der ersten Klasse an gebe.

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