Der immense Aufwand hat sich gelohnt

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Lucas Tylla geht es nach seiner Leukämieerkrankung wieder besser. Vor einem Jahr gab es die größte Typisierungsaktion. (Foto: arci)
Jens Lindenmüller

In die Klinik nach Ulm muss Lucas nur noch alle vier Monate. Dafür darf er mittlerweile regelmäßig in den Kindergarten – zumindest an zwei Tagen pro Woche. Und der Dreijährige genießt es in vollen Zügen. „Am liebsten würde er jeden Tag hingehen. Er ist ganz heiß auf andere Kinder“, erzählt seine Mama, Ulrike Tylla. Kein Wunder, schließlich musste der Knirps wegen seiner Leukämieerkrankung die meiste Zeit seines noch jungen Lebens auf den Kontakt mit Gleichaltrigen verzichten.

Dass es ihm heute so gut geht, grenzt für Ulrike Tylla fast an ein Wunder. Und eines ist sicher: Die ganze Region freut sich mit ihr und ihrer Familie darüber – allen voran die mehr als 7000 Frauen und Männer, die am kommenden Sonntag vor genau einem Jahr vor dem Salemer Bildungszentrum Schlange gestanden sind, um sich für den Knirps aus Mimmenhausen Blut abnehmen und als möglicher Stammzellspender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Es war und ist bis heute die größte Typisierungsaktion in der Geschichte der DKMS. „Und das wird sie wohl auch noch eine ganze Weile bleiben“, sagt DKMS-Aktionsbetreuer Alessandro Hämmerle auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung. Zählt man die Menschen dazu, die sich bei mehreren kleineren Aktionen für Lucas haben typisieren lassen, steigt die Gesamtzahl auf fast 9000.

Unter all diesen Frauen und Männern war für Lucas selbst zwar kein passender Spender dabei. Gelohnt hat sich der immense Aufwand für die Aktion aber trotzdem. Wie Hämmerle berichtet, haben mittlerweile schon 20 Menschen, die sich damals haben typisieren lassen, für andere Patienten Stammzellen gespendet. Und, so Hämmerle: „Sechs weitere werden innerhalb der nächsten vier Wochen spenden.“

Im Fall von Lucas war es letztlich die Stammzellspende seines Vaters Christof, die ihm das Leben gerettet hat – obwohl die Voraussetzungen dafür alles andere als optimal waren (die SZ hat mehrfach darüber berichtet). Sein Immunsystem ist mittlerweile wieder recht stabil. „Den ersten Husten und den ersten Schnupfen hat er schon überstanden“, erzählt Ulrike Tylla. Bei größeren Menschansammlungen ist zwar immer noch Vorsicht geboten, gänzlich meiden muss Lucas diese aber nicht mehr. So war er zum Beispiel vor kurzem als kleiner Pirat bei der Seegrendltaufe in Friedrichshafen dabei. Die Narrenzunft, in der auch Lucas‘ Tante aktiv ist, hatte sich vor einem Jahr besonders ins Zeug gelegt, als es darum ging, für die Typisierungsaktion in Salem die Werbetrommel zu rühren und Geld zu sammeln. „Die haben sich alle riesig gefreut, Lucas zu sehen“, so Tylla.

Noch viel größer wird die Freude sicher sein, wenn endgültig keine Zweifel mehr bestehen, dass Lucas vollständig geheilt ist. Bis es so weit ist, braucht’s allerdings noch ein bisschen Geduld.

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