Auf die Natürlichkeit der Menschen kommt es an

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Lena Reiner mit ihrer neuen Nikon D4 neben einem Mode-Plakat, für das sie die Bilder gemacht hat. Das T-Shirt habe ihr selbst so (Foto: reb)
Schwäbische Zeitung
Stefanie Rebhan
Südfinder

„Menschenfotografin Lena Reiner“ – so preist sich die 23-Jährige aus Salem an und so meint sie es auch. Die Fotografin nimmt nur Menschen vor die Linse, keine Produkte, keine Landschaften. Dabei ist ihr vor allem eines wichtig: Die Authentizität, die Natürlichkeit der Menschen auf dem Foto einzufangen. Nebenher arbeitet Lena Reiner an einem Pilotprojekt, in dem die „Weltläden“ wirtschaftlich professionalisiert werden sollen.

Ihren Lebensunterhalt verdient die 23-Jährige jedoch mit der Fotografie, die sie sich selbst beigebracht hat, obwohl sie Wirtschaft und Politik an der Zeppelin University in Friedrichshafen studierte. Nebenher schreibt sie auch für die Zeitung. „Letztlich verdiene ich mein Geld mit Dingen, die ich nie gelernt habe“, sagt Reiner. Erst im Juni 2009 legte sie sich ihre erste Kamera zu und „dann habe ich einfach Leute ohne Ende fotografiert“. Einen Hang zur Kunst habe sie aber immer schon gehabt. Ihr Talent führte dazu, dass sie schon im Oktober 2009 ihren ersten Auftrag bei „Mollige Models“ in Eriskirch umsetzen konnte.

Bald bekam Lena Reiner Auftrags-angebote, ohne dass sie sich bewarb. „Viele haben mich auch über Facebook entdeckt“, sagt sie. Auf diese Weise wurde auch ihr momentaner Auftragsgeber, die Stadtwerke am See, auf die Fotografin aufmerksam. Sie ist nun für die Image-Bilder des Unternehmens zuständig. Viele Aufträge bekäme sie auch in Berlin, wo man teilweise ihren Namen kenne. „Ich war auf der Medientribüne der Berliner Fashion Week und da haben mich tatsächlich welche mit Namen angesprochen“, erinnert sich Reiner. Es gebe aber auch nur wenig junge Frauen, die sich in diesem Segment bewegten.

Der Frauenbonus helfe der Fotografin auch bei der Arbeit mit den Models, ob professionell oder Anfänger. Nach rund einer halben Stunde seien die Frauen aufgetaut und die ersten guten Bilder dabei. „Ich beobachte die Menschen, die ich fotografiere, um festzustellen, wie sie sich natürlich verhalten. Ich möchte nicht, dass sie sich verstellen oder verbogen werden“, sagt Lena Reiner. Auch bei der Nachbearbeitung der Bilder hält sie sich zurück. Am liebsten bearbeite sie gar nicht nach. Zu diesem Thema zitiert sie ihr Vorbild, den Fotografen Peter Lindbergh: „Er hat mal gesagt, dass es in der Verantwortung der Fotografen liegt, wie sie das Schönheitsideal darstellen. Ein komplett makelloses Gesicht durch Nachbearbeitung der Bilder, zeigt ein Ideal, das es gar nicht gibt“, erklärt sie.

Ihr momentanes Projekt dreht sich um eine Porträtserie, die sie in Zusammenarbeit mit der Graffiti-Künstlerin „Louva must die“ verwirklichen möchte. „Solche Dinge sind mir eine wirkliche Herzensangelegenheit“, sagt Reiner. Seit rund einem Jahr läuft auch ihr Projekt „Das Ich und das Nicht-Ich“, bei dem sie Porträts und Körper von Menschen, wie einem Bekannten fotografiert, der in die Nazi-Szene abgerutscht ist und nun die entsprechenden Tätowierungen auf der Haut trägt. Körper und Köpfe werden jedoch getrennt voneinander dargestellt, sodass nicht zu erkennen ist, welche Teile zusammengehören.

Während Lena Reiner mit ihrer Kamera auf Achse ist, bringt sie sich auch in Sachen Fair Trade ein. Erst kürzlich hat sie ein viertel Jahr in einer holländischen Fair Trade Firma gearbeitet. Dadurch, dass sie früher in einem Weltladen geholfen hat und somit keine Unbekannte ist, bekommt sie zusätzlich viele Fotoaufträge von Öko-Marken. Ihr Wunsch wäre es, die „Weltläden“ ökonomischer aufzustellen, damit das Konzept voll aufgeht und der Marktanteil von Fair-Trade-Produkten erhöht werden kann. Ihre Ausstellungen möchte Reiner in Zukunft auch ausbauen, genauso wie internationale Projekte.

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