Zehn Tage wird die Werkstatt dicht gemacht

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Jürgen Mehr ist Schreinermeister in Behweiler bei Oberteuringen. Die hohe Auftragslage erlaubt es ihm kaum, im Sommer Urlaub zu
Jürgen Mehr ist Schreinermeister in Behweiler bei Oberteuringen. Die hohe Auftragslage erlaubt es ihm kaum, im Sommer Urlaub zu machen. (Foto: Michael Tschek)
Michael Tschek

Reisezeit, Ferienzeit, überall sind die Campingplätze, Pensionen und Hotels ausgebucht und die Uferpromenaden und Freibäder voll. Natürlich trifft das auch und gerade auf die Bodenseeregion zu. Und doch gibt es dort Menschen, die gerade wegen des Tourismus oder einfach, weil es die Auftragslage ihrer Betriebe nicht anders zulässt, in dieser schönen Zeit arbeiten müssen – Arbeiten wo andere Urlaub machen.

Wo ist Behweiler? Alteingesessene Oberteuringer, Hefigkofer und Bitzenhofer kennen den Ort, doch als neu Zugezogener oder Ortsfremder muss man da schon nachfragen. Die Auflösung: Wenn man von Hefigkofen aus in Richtung Deggenhausertal fährt, kommt wenige hundert Meter nach dem Ortsausgang die Ziegelmühle. Vor der geht es dann rechts ab und einer Landstraße folgend erreicht man nach rund zwei Kilometern Behweiler. Ein idyllisch gelegener kleiner Weiler, in dem die Familien Knörle, Schatte und Mehr leben.

Familienvorstand Jürgen Mehr ist gerade dabei, an der Kreissäge ein Stück Holz herunterzusägen. „Ich stelle gerade eine Innentür für das Studentenwohnheim in Friedrichshafen fertig“, sagt er. Der 48-jährige Schreinermeister hat seit 2001 einen eigenen Betrieb, den er zunächst in Unterteuringen aufgebaut hatte. Im April 2010 verlegte er dann seine Werkstatt und sein neues Zuhause mit der Familie nach Behweiler. „Dort, wo jetzt meine Maschinen stehen, standen damals noch Boxen mit Pferden drin“, sagt Mehr.

Seine Aufträge erhält er von Privatkunden, er arbeitet aber auch mit der Firma Konrad Knoblauch in Markdorf, dem Baubüro Uwe Bruhn sowie der Stiftung Liebenau zusammen. „Ich betreibe das klassische Handwerk und gehe dabei auf die speziellen Wünsche meiner Kunden ein“, sagt der Meister. Ihm zur Seite steht ein Schreinergehilfe der Stiftung Liebenau. Aufgrund der guten Auftragslage sei er aber schon einige Zeit auf der Suche nach einer weiteren Fachkraft.

Neben seinem Beruf bekleidet Mehr noch weitere Ämter. Seit 2009 ist er Mitglied im Oberteuringer Gemeinderat und seit 2016 Vorsitzender des Vereins Teuringer Wirtschaft. Kurz vor dem drohenden Aus des Vereins Ende 2015 gelang es ihm, unter Mithilfe einer engagierten Vorstandschaft, das Ruder noch einmal herumzureißen. Mitgliederzuwachs von Teuringer Gewerbetreibenden, eine erfolgreiche Wirtschafts-Leistungsshow sowie eine Tischmesse in der Post beweisen dies.

Die Frage, ob der Tourismus in der Haupturlaubszeit auf seinen Betrieb Auswirkungen habe, muss er verneinen. „Zu mir kommen keine Urlauber, um irgendein Schreinerstück in Auftrag zu geben“, sagt Mehr. Und doch, wenn auch ganz selten, komme er mit ihnen in Berührung. So wie kürzlich in Unteruhldingen in einer Ferienanlage, in der er in einer Wohnung Türscharniere nachstellen musste. „Da heißt es Tourist raus, Schreiner rein und fertig sein, bis der nächste Urlauber die Wohnung bezieht“, sagt Mehr.

Ganz allerdings will der Schreinermeister in der Haupturlaubszeit auf Ferien auch nicht verzichten. „Ich mache Ende August bis Anfang September den Betrieb für zehn Tage dicht.“

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