Wenn Ingrid Koch reimt, gluckst das Publikum glücklich

Lesedauer: 4 Min
Mit Witz und schwäbischer Gosch betrachtet Ingrid Koch ihre Artgenossen. (Foto: Helmut Voith)

Wenn man Ingrid Koch, die „Worthandwerkerin aus Leidenschaft“, einlädt, ist ein volles Haus garantiert. So auch am Freitagabend, als die Tettnangerin zusammen mit dem Bodensee Alphorn Trio in der Mühle in Oberteuringen auftrat.

Ingrid Koch ist eine genaue Beobachterin des Alltags und der Menschen, die sie liebevoll auf die Schippe nimmt, sich selbst mit eingeschlossen. Dabei reimt sie in hiesiger Mundart: Das macht sie einmalig. Der Auftritt des Alphorntrios mit Walter Ruf, Wolfgang Groß und Dirk Bühler nimmt sie zum Anlass, sich über neue Entwicklungen wie den Light-Trend in den Bergen auszulassen. Die drei Alphornbläser aus dem Raum Meersburg und Bermatingen nützen die Gelegenheit, ihre Instrumente auch klanglich in Szene zu setzen. Zum Erstaunen der Zuhörer zeigen sie, dass man damit nicht nur traditionell spielen kann, sondern auch einen Walzer, eine flotte Polka, ja sogar einen Blues anstimmen kann. Die Zuhörer dürfen auch ein nur 1,6 Kilo schweres, zusammenschiebbares Alphorn aus Carbon erleben.

Doch im Mittelpunkt des Abends sitzt und steht Ingrid Koch und betrachtet „u’gschminkt“ die lieben Artgenossen. Beispielsweise das Entrümpeln der Wohnung einer lieben Verwandten. Jeden Krempel hat die Verstorbene aufgehoben: „Jô war denn dia no bache?“ Nachdem sie herzhaft über den angesammelten Gruscht gelästert hat, kommt die Pointe: „Jed’falls, d’Schränk platzed schier, schtôht jetzt der Gruscht bei mir.“ Köstlich, wenn im „Klagelied von re Männershort“ selbige sich ihre Gedanken über ihren Besitzer macht, der für sie längst zu füllig geworden ist. Natürlich werden in punkto Mode auch die Frauen gehörig auf die Schippe genommen. Ihre männlichen Begleiter bei der Lustgefühle weckenden Shopping-Tour werden dann genüsslich in drei „Eikaufstype“ eingeteilt.

Es herrscht gebannte Stille, um ja kein Wort zu versäumen, dann läuft wieder glucksendes Lachen wellenartig durch den Raum, doch nie so laut, dass eine ihrer Bemerkungen untergeht. Das wäre auch viel zu schade. Auf verständnisvolles Schmunzeln stoßen Kochs Erfahrungen mit der aufgeweckten Enkelin, und jeder kann den Stoßseufzer der Erleichterung verstehen, wenn die Kleine von ihrer Mama wieder abgeholt wird. Aber – die Pointe trifft voll ins Schwarze – ihre Enkelin ist halt doch „das allerschönschte Kind“. So durchschreitet Ingrid Koch den alltäglichen Lebenskreis und viele erkennen sich wieder. Und sie werden wohl Ausschau halten, wann Ingrid Koch wieder auftritt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen